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MINTforum Hamburg
  • Grafik: Groothuis

  • Dr. Lothar Dittmer und Prof. Dr. Henning Kagermann<br />(Foto: Körber-Stiftung)

  • - Meldung

    Standortfaktor MINT-Nachwuchs

    Auf Einladung von Körber-Stiftung und acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Verbänden, Stiftungen, Schulen und Hochschulen über Herausforderungen der naturwissenschaftlich-technischen Bildung.

    Neben einigen »Dauerbaustellen« wie den nach wie vor geringen Frauenanteilen in MINT-Berufen und -studiengängen sowie den anhaltend hohen Abbruchquoten in diesen Fächern präsentierte Studienleiter Ortwin Renn von der Universität Stuttgart dem Teilnehmerkreis auch neuere kritische Entwicklungen. So entfällt heute bei der Leistungskurswahl mit drei bzw. vier Prozent ein noch geringerer Anteil auf die Fächer Chemie und Physik als vor zehn Jahren und die Anfängerzahlen in den technischen Ausbildungsberufen sind zwischen 2008 und 2012 um knapp 10 Prozent gesunken – möglicherweise ein Effekt der stetig steigenden Studierneigung bei den Schulabgängern.

    Man müsse das Image der dualen Ausbildung verbessern, dürfe dabei aber auf keinen Fall berufliche und akademische Bildung gegeneinander ausspielen, forderte Dr. Sabine Hepperle, Leiterin der Abteilung für Mittelstandspolitik im Bundesministerium für Wirtschaft und Innovation in ihrer Stellungnahme zum Nachwuchsbarometer. Sie forderte stattdessen mehr Durchlässigkeit zwischen den Ausbildungssystemen, und zwar in beide Richtungen. Auch Dr. Thorsten Geißler, im Bundesministerium für Bildung und Forschung für das Referat Perspektiven der Wissensgesellschaft zuständig, machte sich für flexiblere Bildungslaufbahnen stark. Außerdem betonte er die zentrale Rolle der Lehrerinnen und Lehrer, die mit immer vielfältigeren Anforderungen konfrontiert seien und deren Leistung stärker als bislang anerkannt werden müsse.

    Dass fachlich kompetente Lehrkräfte und eine innovative Didaktik ein wesentlicher Schlüssel für mehr MINT-Begeisterung bei den Schülerinnen und Schülern sind, darüber waren sich die Diskutanten einig. Gleichzeitig sei es wichtig, so die Unternehmensvertreter in der Runde, den Jugendlichen auch außerhalb der Schule praktische Erfahrungen mit Technik zu ermöglichen. Hier könne sich die Wirtschaft noch stärker engagieren als bislang. Neben dem intellektuell-analytischen sei gerade der praktisch-gestalterische Zugang wichtig, um mehr junge Menschen, insbesondere auch mehr Mädchen für technische Themen zu interessieren.

    Das MINT-Nachwuchsbarometer ist ein bundesweiter Trendreport. Die Studie erfasst das Interesse und die Motivation für Naturwissenschaften und Technik bei Schülerinnen und Schülern, Auszubildenden und Studierenden und nimmt auch die strukturellen Rahmenbedingungen der MINT-Bildung in den Blick. Der jährlich erscheinende Bericht soll als Frühwarnsystem für Fehlentwicklungen und als empirisch fundierte Planungs- und Entscheidungshilfe für Politiker, Pädagogen und Projektmacher dienen.


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