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Mission Possible

Im Nahostkonflikt stehen die Zeichen eher auf Sturm als auf Entspannung. Ungeachtet dessen haben sich Geschichtslehrerinnen und -lehrer aus Israel und den besetzten Gebieten in einem gemeinsamen Programm aufgemacht, das Miteinander im Alltag mit ihren Mitteln zu verbessern. Jetzt trafen sie sich in der Körber-Stiftung.

 »Mission Possible« ist der Name des mehrmonatigen Weiterbildungs- und Begegnungsprogramms, das im Rahmen der »Shared Education Initiative« vom »Center of Educational Technology (CET)« in Tel Aviv ausgerichtet wird. Jetzt war die Gruppe mit einem ihrer Workshops zu Gast bei der Körber-Stiftung in Hamburg. Ausgehend von dem Bedürfnis aller Pädagogen nach fachlich anspruchsvoller Weiterbildung bringt das CET in dieser Initiative bewusst Schulleiterinnen und Schulleiter sowie Lehrende aus den verschiedenen Gruppen der israelischen Gesellschaft zu gemeinsamen Fortbildungsprogrammen zusammen.

»Das Besondere an unseren Angeboten ist ein ganzheitlicher Ansatz. Wir wollen zu gleichen Teilen fachliche Kompetenzen weiterentwickeln, eine Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sowie Raum für die persönlichen Erfahrungen und Austausch der Beteiligten über bestehende Gräben hinweg bieten«, so Shamir Yeger, einer der Projektverantwortlichen am CET. Die beteiligten Geschichtslehrer arbeiten entweder an israelisch-jüdischen Schulen, an Schulen für arabische Israelis oder an Schulen in den palästinensischen Autonomiegebieten. Im Rahmen des Programms entstehen Begegnungen und heterogene Arbeitsgruppen, die so in der Region bis heute weder selbstverständlich noch einfach zu moderieren sind. Die Schulen umfassen sowohl Einrichtungen zur besonderen Begabtenförderung als auch Schulen, deren Einzugsgebiet überwiegend aus palästinensischen Flüchtlingslagern bestehen.

Beim Workshop in Hamburg wechselte sich der Austausch mit Praktikern aus unterschiedlichen Ländern mit intensiver Kleingruppenarbeit ab. Die Körber-Stiftung, die ihm Rahmen einer Kooperation das Hamburg-Seminar finanziert und zusammen mit den Organisatoren inhaltlich ausgerichtet hat, hatte Referenten aus ihren EUSTORY- und Geschichtswettbewerbs-Netzwerken eingeladen: Lehrer und Experten aus dem Westbalkan, der grenzüberschreitenden pädagogischen Jugendarbeit sowie aus Brennpunktschulen in Hamburg. Diese stellten ihre eigenen Erfahrungen im Umgang mit Heterogenität, widersprüchlichen und konfliktreichen Interpretationen der Vergangenheit und ethnisch, religiös oder kulturell begründeten Spannungen vor und diskutierten sie mit den Gästen. »Es ermutigt mich, dass Lehrer in anderen Teilen der Welt schon erfolgreich ähnliche Projekte durchgeführt haben, wie wir sie gerade planen. Es stärkt mich für die vor uns liegenden Herausforderungen des gemeinsamen Lehrens und Lernens«, fasst eine Teilnehmerin diese Begegnungen am Ende des Workshops zusammen.

Im Laufe der Seminarwoche beendeten die Geschichtslehrer ihre in Teams begonnene Ausarbeitung von je einer gemeinsamen Unterrichtsreihe, die sie identisch in ihren jeweiligen Schulen und teilweise auch gemeinsam mit ihren jeweiligen Klassen im Herbst durchführen möchten. »Für unsere grenzüberschreitende Arbeit im europäischen Geschichtsnetzwerk EUSTORY erhoffen wir uns viele Anregungen von dieser Kooperation«, so Katja Fausser, die den Workshop vonseiten der Körber-Stiftung entwickelt hat. »Die israelischen und arabischen Kollegen zeigen, dass die Spielräume, unsere Gesellschaften besser zu machen, größer sind als wir manchmal annehmen.«

Und so ist es am Ende des Workshops in Hamburg nicht banal, wenn eine der Antworten auf die Frage, was die Teilnehmerinnen und Teilnehmer als stärksten Eindruck mit nach Hause nehmen, in Großbuchstaben lautete: TO BE TOGETHER.

Mehr zum Programm in Israel (in englischer Sprache)

 


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