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Berlin 2010

Erste Reunion der Munich Young Leaders Berlin, 11. – 13. Juni 2010

Vom 11.-13. Juni 2010 trafen sich die Munich Young Leaders 2009 und 2010, die u.a. aus Ankara, Belgrad, Kiew, Kuwait City, London, Moskau, Rabat und Tel Aviv angereist waren, zur Ersten Reunion der Munich Young Leaders in Berlin.

Zum festlichen Eröffnungsabendessen der Reunion lud der marokkanische Botschafter S. E. Mohammad Rachad Bouhlal in seine Residenz ein. Nach der offiziellen Begrüßung der 30 Munich Young Leaders durch Botschafter Bouhlal und Dr. Thomas Paulsen, Leiter des Bereichs Internationale Politik der Körber-Stiftung, hielt Dr. Christoph Heusgen, außen- und sicherheitspolitischer Berater der Bundeskanzlerin, eine Dinner Speech zum Thema »The Politics of Climate Change: Lessons Learned from Copenhagen«. Darin schilderte er seine Eindrücke vom Klimagipfel in Kopenhagen im Dezember 2009 und diskutierte mit den Teilnehmern über mögliche außen- und sicherheitspolitischen Implikationen des Klimawandels. Darüber hinaus gab er einen Ausblick auf den nächsten Klimagipfel in Cancún.

Den Auftakt des Programms am Samstag bildete eine Podiumsdiskussion zum Thema »Decline of the West and Rise of the Rest? Towards a New Global Order«.

Zum Thema »Western Values in a Post-Western World: Is the West still a Model?« diskutierten Sven Mikser, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im estnischen Parlament, sowie Hayfa Matar, Beraterin des Außenministers von Bahrain. Sven Mikser verteidigte dabei seine Position, dass westliche Werte, insbesondere Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und individuelle Freiheit, noch immer ein Leitmodell seien. Hayfa Matar entgegnete, der Westen selbst beachte seine eigenen Werte nicht immer . So messe er vor allem beim Thema »Menschenrechte« häufig mit zweierlei Maß. Diese »Doppelstandards« würden in der nicht-westlichen Welt scharf kritisiert und führten nicht selten zu einer pauschalen Abkehr von westlichen Werten. Die anschließende Diskussion drehte sich vor allem um die schwierige Aufgabe, universelle Werte zu identifizieren und anzuwenden.

In der zweiten Sitzung erörterten Botschafter Nasser Bourita, Leiter der Abteilung für multilaterale Beziehungen und globale Kooperation, zuständig für das Ministerbüro im marokkanischen Außenministerium, und Dr. Olaf Osica, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Natolin European Center in Warschau, in ihren Statements die Frage »Should the Role of the UN in International Relations Be Strengthened?«. Nasser Bourita betonte die bisherigen Errungenschaften der Vereinten Nationen und unterstrich damit seine Forderung nach einer gestärkten Rolle der UN. Olaf Osica hingegen argumentierte, die UN litten vor allem unter einem Legitimationsproblem und seien letztlich nur ein Vehikel zur Durchsetzung der Interessen der im Sicherheitsrat vertretenen Staaten. Er schlussfolgerte daraus, dass sich die internationale Gemeinschaft stärker auf Formen regionaler Integration wie die EU konzentrieren sollte. Die Teilnehmer diskutierten anschließend mögliche Reformen der UN, um deren Legitimität zu stärken.

Gegenstand der dritten Sitzung war das Thema »Is Global Zero Realistic?«, zu dem Jan Hamáček, Abgeordneter im Parlament der Tschechischen Republik, und Dr. Ronen Bergman, Korrespondent und Analyst bei der israelischen Tageszeitung Yedioth Ahronot, Stellung bezogen. Jan Hamáček sprach sich für eine globale nukleare Abrüstungsstrategie aus. Nuklearwaffen seien ein Produkt des Kalten Krieges und damit der Vergangenheit. Nun, so Hamáček, sei es an der Zeit, durch eine umfassende nukleare Abrüstung für echte Stabilität in den internationalen Beziehungen zu sorgen. Ronen Bergman hingegen bezweifelte die realistischen Chancen eines »Global Zero«. Staaten seien nicht bereit, auf Nuklearwaffen zu verzichten, da diese ihren internationalen Status, ihre Macht und ihr Abschreckungspotenzial demonstrierten. Im Anschluss wurde unter anderem diskutiert, ob die Existenz von Atomwaffen möglicherweise für mehr Stabilität sorge, indem sie die Gefahr konventioneller Kriege minimiere.

Am Nachmittag stand ein Besuch des Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrums (GTAZ) in Berlin auf dem Programm, bei dem die Teilnehmer ein ausführliches Briefing über die Arbeit des Zentrums erhielten.

Am Sonntagmorgen diskutierte Botschafter Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, mit den Teilnehmern der Reunion Perspektiven für die zukünftige Rolle der Münchner Sicherheitskonferenz im außen- und sicherheitspolitischen Diskurs. Die Diskussion konzentrierte sich dabei vor allem die Beziehungen zwischen NATO und Russland, ging aber auch auf Implikationen der Euro-Krise ein.

Nach einer Spree-Rundfahrt und einer Führung durch das Neue Museum bildete ein informelles Mittagessen den Abschluss der Reunion. 

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