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Diskussion mit Dr. Rangin Dadfar Spanta

München, 05.02.2010

Das Arbeitsessen mit dem früheren afghanischen Außenminister Spanta bot eine hervorragende Gelegenheit, die Ergebnisse der Londoner Afghanistankonferenz von Ende Januar zu diskutieren und aus erster Hand mehr über das Innenleben des Landes am Hindukusch zu erfahren. Der diplomatische Berater von Präsident Karzai war bemüht, der negativen Berichterstattung über Drogen, Korruption und Terrorismus einige erfreuliche Entwicklungen entgegenzusetzen. Nach der Londoner Konferenz gehe es nun um eine rasche Übergabe der Verantwortung im Sicherheitsbereich an die afghanischen Behörden, wirtschaftliches Wachstum, die Verbesserung der sozialen Dienstleistungen, gute Regierungsführung und regionale Zusammenarbeit. Spanta betonte, das Ziel von Versöhnung und Wiedereingliederung von Taliban und ihren Sympathisanten werde nicht um jeden Preis möglich sein. Die Anerkennung der Verfassung, welche auch die Wahrung der Menschenrechte (einschließlich der Gleichheit der Geschlechter) vorschreibt, werde eine rote Linie bleiben. In der anschließenden Diskussion räumte Spanta ein, dass eine große Zahl Aufständischer die demokratische Grundordnung des Landes derzeit bekämpfe und schwerlich Respekt vor der Verfassung aufbringen könne. Dennoch stelle die ausgestreckte Hand ein attraktives Angebot für all diejenigen dar, welche zu den oftmals jungen Mitläufern zählten, die aus wirtschaftlicher Not oder Unzufriedenheit über die Leistungen des Staates gegen die Regierung kämpften. Dabei bemühte sich Spanta den Eindruck zu zerstreuen, Kabul handele aus einer Position der Schwäche, wenn es auf die Taliban zugehe. Vielmehr habe man die moralische und politische Verpflichtung, diese Menschen zurück in die Gesellschaft zu holen. Zudem warb Spanta für Verständnis, dass der Kampf gegen die Korruption in einem Land, das 30 Jahre lang nur Krieg und Invasion erlebt hat, nicht auf Knopfdruck gewonnen werden könne. Afghanistan benötige auch weiterhin finanzielle Unterstützung der internationalen Gemeinschaft, um der Bevölkerung ein besseres Angebot machen zu können als die Taliban oder Kriegsfürsten im Land.

Dieser Bericht wurde verfasst von Munich Young Leader Matthias Lüttenberg, Auswärtiges Amt. 

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