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Munich Young Leaders 2012 Blog

Ronja Kempin und Happymon Jacob, zwei Teilnehmer der Munich Young Leaders 2012 bloggen hier über ihre Eindrücke von der Münchner Sicherheitskonferenz und der Tagung der Munich Young Leaders.

(Read the English journal here)

 

05.02.2012 - 18 Uhr

München ist wieder bayrische Landeshauptstadt! Als wir den Bayerischen Hof nach unserem Gespräch mit dem türkischen Außenminister um 15:00 Uhr verlassen, sind Absperrungen und Sicherheitskontrollen nahezu vollständig verschwunden. Wo noch wenige Stunden zuvor kaum ein Durchkommen war, gehen nun wieder Fußgänger spazieren.

Wir sitzen zum letzten Mal in unserem Bus - aufgewühlt und müde. Plötzlich macht sich Wehmut breit. Sie gehen zu Ende, unsere gemeinsamen, außergewöhnlichen Tage als Munich Young Leaders 2012.

Was bleibt? An dieser Stelle ein riesiges Dankeschön! Danke an unsere großartigen Gesprächspartner für ihre Zeit, ihre Bereitschaft zum offenen Gedankenaustausch, ihre Visionen. Danke an Botschafter Ischinger für die Idee, Young Leaders an der Konferenz teilhaben zu lassen (und vielleicht schon bald den Mut zu haben, ihnen in der MSC auch eine Stimme zu geben). Danke vor allem aber an die Körber-Stiftung, die uns ein atemberaubendes Programm und eine perfekte Organisation geboten hat; die uns aus allen Ecken der Welt nach München geholt und einen tollen "2012er Jahrgang" zusammengestellt hat, welcher sich vorgenommen hat, viel zu bewegen und die MSC noch oft zu beehren. München, wir kommen wieder - keine Frage!

 

05.02.2012 - 14 Uhr

Wie bei allen Teilnehmern der Sicherheitskonferenz wirkt auch bei uns das Veto Russlands und Chinas zur Syrien-Resolution nach. Der gestrige Tag, an dem das hinter verschlossenen Türen stattfindende Ringen um einen Kompromiss allerorten im Bayerischen Hof zu greifen war, hatte auch bei uns die Hoffnung genährt, München könnte den Durchbruch bringen.

Die Nacht war kurz. Es stimmt tatsächlich, dass in München bis Nachts um 3 diskutiert wird. Nach einer interessanten tour d'horizon durch die Themen der diesjährigen MSC ging es für uns wieder ab in den Konferenzsaal, der randvoll war. Thema: Die Entwicklungen in der arabischen Welt. Ein kraftvoller Weckruf von Human Rights Watch zu Syrien und kämpferische Worte der jemenitischen Friedensnobelpreisträgerin sorgten erneut für Gänsehaut. Die anschließende Diskussion führte uns das Syrien-Dilemma der internationalen Gemeinschaft deutlich vor Augen. "Finger pointing" allerorten hilft der syrischen Bevölkerung wenig und in diesem Fall schien uns, dass eine schlechte Lösung besser ist als keine.

 

04.02.2012 - 19 Uhr

Es ist ein randvolles Programm, dass uns hier geboten wird. Nachdem wir den Samstagvormittag im Konferenzsaal verbracht haben, ging es am Nachmittag in fünf intensive bilaterale Gespräche. Unsere Themen: Die Zukunft der EU, der Aufstieg Chinas, die aktuellen Entwicklungen in Ägypten und die gegenwärtige Außen- und Sicherheitspolitik der Vereinigten Staaten. Am eindrucksvollsten waren ohne Zweifel die Begegnungen mit den Senatoren Liebermann und McCain. Das energetische Streben der beiden amerikanischen Polit-Profis für eine demokratische Welt war mitreißend. Man mag die Maßnahmen, die beide zum Erreichen dieses Ziels vorschlagen, nicht befürworten - ihrer Passion konnte sich keiner von uns verschließen. Die sehr persönliche Schilderung der Lage in Ägypten, die Ashraf Swelam mit uns teilte, wird uns lange in Erinnerung bleiben. Obwohl es schwer fällt zu akzeptieren, dass Drittstaaten Ägypten gegenwärtig kaum Unterstützung leisten können, so haben wir eine Gewissheit: Menschen wie Ashraf werden alles tun, Ägypten nicht im Chaos versinken zu lassen.

 

04.02.2012 - 15 Uhr

Nach einer kurzen Nacht sitzen wir nun wieder auf dem Balkon des Ballsaals im Bayerischen Hof. Hier ist die Spannung zum Greifen, als Clinton und Panetta die Bühne betreten. Die gemeinsame Botschaft ist klar: Amerika verändert seine Verteidigungspolitik, um schneller in internationale Krisen eingreifen zu können. Aber Europa bleibt Washingtons "partner of choice". Klare Worte - auch was den Zusammenhalt der transatlantischen Partner gegenüber Syrien angeht. Erstaunlich dennoch die vorherrschende "Kalte Krieg Rhetorik", die auch Sergey Lavrov im Mund führt als er Russlands Haltung zu Syrien sowie zur Raketenabwehr der NATO darlegt. Wie weit Europa vom asiatisch-pazifischen Raum entfernt ist, wird kurz vor der Mittagspause überdeutlich. Eine Frage drängt sich auf: Werden Europa (ich traue mich nicht, die EU zu schreiben) und die USA eine gemeinsame Haltung zu dieser Hemisphäre finden? Gegenwärtig scheint es, als finde das pazifische Zeitalter ohne Europa statt.

 

04.02.2012 - 9 Uhr

Ein unglaublich intensiver erster Konferenztag liegt hinter uns. Zu unserer Verwunderung wollte die MSC jedoch nicht richtig Fahrt aufnehmen. Das Eröffnungspanel zur Rolle Deutschlands in Europa war für unsere ausländischen Young Leader interessant, enthielt jedoch für Berliner Politik-Junkies wenig Neues. Am tiefen Europa-Bekenntnis Deutschlands wurde indessen ausgesprochen glaubwürdig festgehalten.
Bei der Frage des zweiten Panels, wie eine Brücke schlagen zwischen unserem Wunsch nach Energiesicherheit und der Verlangsamung des Klimawandels hätten wir uns einen kritischeren Umgang mit Europas Energieversorgern Ukraine und Aserbaidschan gewünscht. Im Unterschied zu uns hatten die Panelisten kein Problem damit, Fragen nach guter Regierungsführung in ihren Länder zu ignorieren.
Glücklicherweise hatten wir Gelegenheit, just diese Probleme mit Javier Solana zu diskutieren. Eigentlich als Night-Cap geplant, weitete sich unsere sehr lebhafte Diskussion zu einem Midnight-Cap aus. Toller Abschluss eines Tages voller engagierter Politiker und Young Leader.

 

03.02.2012 - 16 Uhr

Ein arbeitsintensiver Vormittag liegt hinter uns. Am Morgen standen Jürgen Fitschen und Robert Zoellick unseren Fragen zur Lösung der Schuldenkrise in der Euro-Zone, den Auswirkungen der Finanzkrise auf die internationale
Politik und die Solidarität mit Entwicklungsländern Rede und Antwort.
Daraufhin gab es zum Mittagessen Deftiges: Die Situation im südchinesischen Meer und der sich weiter verschärfende Ton zwischen Isreal und Iran standen auf dem Menu der Munich Young Leaders.
Während am Morgen noch Zuversicht vorherrschte, Eurobonds sowie eine verbesserte Governance der Euro-Zone werden uns in Europa in 10 bis 20 Jahren aus der Krise führen, so haben doch am Mittag zumindest die Europäer unter uns den Atem angehalten, als uns aus unserem Kreise der Munich Young Leaders die komplexe politische wie sicherheitspolitische Gemengelage in Südostasien aus erster Hand kenntnis- und facettenreich dargelegt wurde.
Hört man aufmerksam hin, wenn Chinesen, Inder und Japaner einen Dialog über die Frage beginnen, ob gemeinsam eine Lösung zur Frage der freien Seewege im südchinesischen Meer erarbeitet werden kann, dann wird einem bewusst, wie weit wir in Europa in puncto Verständigung und Miteinander gekommen sind.

 

03.02.2012 - 11 Uhr

Lasset die Konferenz beginnen! - Erste Eindrücke vom Auftaktabendessen

Während sich München hektisch auf seine 400 prominenten Gäste vorbereitet und vor dem Hotel Bayrischer Hof ein Durchkommen unmöglich ist, haben die Munich Young Leaders die Gelegenheit, aus erster Hand Informationen zum Programm der MSC 2012 zu bekommen. Botschafter Wolfgang Ischinger plaudert beim Abendessen aus dem Nähkästchen. Syrien, das scheint sicher, wird ein großes Thema werden, obgleich es nicht ausdrücklich Gegenstand der Diskussionen ist. Doch lebt die Konferenz von spontanen Meinungsäußerungen – und von uns, den Young Leaders. Wie wir zu unserer großen Freude hören dürfen, kommen eine Reihe von Teilnehmern nach München, um uns zu treffen, unsere Ideen zu hören. Im Gegenzug werden wir in den kommenden drei Tagen alles daransetzen, den Hoffnungen von Botschafter Ischinger zu entsprechen: Aus München ein Signal zu senden zur Reform der Globalen Governance Strukturen, die nukleare Abrüstung voranzubringen und den NPT (Nichtverbreitungsvertrag) zu reformieren. Wir sind bereit – lasset die Konferenz beginnen!

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