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Ein Kaleidoskop für Menschen mit Demenz

Ab April startet der Museumsdienst Hamburg die Initiative »Kaleidoskop – Angebote Hamburger Museen für Menschen mit Demenz«, die auch von der Körber-Stiftung unterstützt wird. Sie soll den Betroffenen mehr kulturelle Teilhabe ermöglichen. Vera Neukirchen, Leiterin des Museumsdienstes Hamburg, erzählt, warum diese Arbeit wichtig ist.

Vera Neukirchen, Sie leiten den Hamburger Museumsdienst. Können Sie bitte kurz beschreiben, was der Museumsdienst macht?

Der Museumsdienst vermittelt die Besucherprogramme von 24 Hamburger Museen an die Öffentlichkeit und entwickelt darüber hinaus Programme für unterschiedlichste und zum Teil schwer erreichbare Zielgruppen. Das heißt, wir machen zum Beispiel Projekte für bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche oder versuchen, Geflüchtete mit unseren Programmen zu erreichen. Außerdem gibt es Angebote für gehörlose Menschen oder für Menschen mit Demenz.

Zum Thema Demenz haben wir, die Körber-Stiftung und der Museumsdienst,  im letzten Jahr einen Fachtag veranstaltet, der die Vermittlerinnen und Vermittler der Hamburger Museen zu dem Thema in Austausch gebracht hat und ihnen wissenschaftliche und praktische Impulse gab. Innerhalb kürzester Zeit war die Veranstaltung ausgebucht. Was glauben Sie, warum ist die Nachfrage nach Informationen und Fortbildungen zum Thema Demenz bei den Vermittlerinnen so groß?

Letztlich ist das ein noch kleines, aber  nicht zuletzt durch den demografischen Wandel ein wichtiges Aufgabengebiet in unserer immer älter werdenden Gesellschaft. Im Kulturbereich gibt es nur wenige Fort- und Weiterbildungsangebote. Bislang kümmern sich in den Museen nur vereinzelt engagierte  Personen um dieses Thema. Der Mehrwert an  der gemeinsamen Veranstaltung mit der Körber-Stiftung war, dass die Akteure  nicht alleine und ohne Austausch in ihrer einsamen, kleinen Nische bleiben müssen, sondern alle zusammen zu bekommen, um gemeinsam nach- und weiterzudenken. Veranstaltungen dieser Art werden gerne angenommen, weil man zusammen stärker ist und im Schulterschluss gemeinsam  mehr bewirken kann. Man kann voneinander lernen und  gemeinsame inhaltliche und auch organisatorische  sowie Marketingstrategien entwickeln.

Wie hat sich das Thema seitdem in den Museen und beim Museumsdienst weiterentwickelt?

Im Schulterschluss der Museen in Hamburg hat sich eine gemeinsame Initiative gebildet, die wir »Kaleidoskop – Angebote Hamburger Museen für  Menschen mit Demenz« genannt haben. Der Museumsdienst leitet eine dazu gehörige AG, die sich regelmäßig trifft, darunter Vertreterinnen und Vertreter der Deichtorhallen, Hamburger Kunsthalle, des Altonaer Museums, des Museums für Hamburgische Geschichte, Museum der Arbeit,  des Archäologisches Museum Harburg und des Bucerius Kunstforums.

Wir haben unter anderem vereinbart, dass es ab April einen regelmäßigen Termin in Form einer  öffentlichen Führung für Menschen mit Demenz geben wird. Jede Woche mittwochs wird in der Zeit von 15.00 bis 16.30 Uhr eine öffentliche Führung  – alternierend in den beteiligten Museen – angeboten und entsprechend kommuniziert werden.  Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis, dass wir hier als Museumslandschaft zusammen stehen.

Regelmäßige Angebote zu haben, ist sicherlich ein Gewinn für die Zielgruppe. Allerdings geht es ja auch darum, wie man die Leute überhaupt erreicht. In unserem Haus im Park in Hamburg Bergedorf haben wir ein »Offenes Atelier« für Menschen mit und ohne Demenz eingerichtet. Alle 14 Tage kann man dort künstlerisch tätig werden, mit Farben und Materialien experimentieren und sich ausprobieren. Das Atelier gibt es seit über einem Jahr, es wird von zwei Künstlern geleitet und diejenigen, die es besuchen, sind begeistert von der angenehmen Atmosphäre.Trotzdem sehen wir uns auch nach einem Jahr noch vor der Herausforderung, Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu gewinnen. Welche Erfahrungen haben Sie, die Zielgruppe zu erreichen und zu ermutigen, Angebote wahrzunehmen?

Eine gemeinsame Kommunikationsstrategie ist wichtig. Wir haben eine kleine Erhebung gemacht, welche Angebote es in der Museumslandschaft gibt, wer die verantwortlichen Ansprechpartner sind und welche Angebote es überhaupt in der Stadt gibt. Als Museumsdienst versuchen wir zusammen mit den Museen, eine gemeinsame Marketingstrategie zu entwickeln, etwa mit einem eigenen Flyer, um damit Einrichtungen gezielt anzuschreiben. Unser Ziel ist, die Angebote für Menschen mit Demenz –  sowie mittelfristig alle inklusiven Angebote – gut sichtbar und für Interessierte auffindbar zu machen. Wir glauben, dass es wichtig ist, dass wir in den Museen verlässliche und regelmäßige Angebote haben, sowohl für Einzelpersonen, wie auch für Gruppen, auf die pflegende Angehörige und zuständige Pflegeeinrichtungen nach Bedarf und Interesse zurückgreifen können.

In der» AG Kultur und Demenz«, in der viele Kultureinrichtungen Hamburgs vertreten sind, haben wir ein Piktogramm für Demenzsensibilität entwickelt.  Es ist eine Art Logo, mit dem Veranstaltungen und Orte, die sich gut für Menschen mit Demenz eignen, markiert werden können. Was halten Sie von einem solchen Piktogramm?

Das finden wir sehr gut! Eine Hamburg weite Vereinheitlichung eines solchen Zeichens ist wünschenswert, denn wir möchten mit unseren Angeboten in Hamburg wiedererkennbar und effizient sichtbar werden. Und wenn jedes einzelne Haus dieses Zeichen benutzt und wir als Museumdienst auch, dann sind wir besser und schneller auffindbar.  Es wäre schön, wenn das Zeichen eines Tages so bekannt ist wie z.B. das Piktogramm mit dem Rollstuhlfahrer, das für Barrierefreiheit steht.

Das Interview führte Constanze Claus, Körber-Stiftung.

Eine Übersicht über Termine und Orte, an denen die Führungen für Menschen mit Demenz und Angehörige stattfinden, bietet der Hamburger Museumsdienst. 

Informationen zur Kampagne »Hamburg setzt ein Zeichen für Demenzsensibilität« 


Kontakt

Constanze Claus
Programmleiterin
Kulturimpulse für Hamburg
Kulturvermittlung

Telefon +49 • 40 • 80 81 92 - 186
E-Mail claus@koerber-stiftung.de

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