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Politisches Frühstück mit Saad El Katatni

Berlin, 8. November 2012

Saad El Katatni, Vorsitzender der Freiheits- und Gerechtigkeitspartei (FJP), dem politischen Arm der Muslimbrüder, sprach in Berlin mit Mitgliedern des Bundestages, Vertretern verschiedener Bundesbehörden und ausgewählten Experten. Saad El Katatni äußerte sich zur Rolle des politischen Islam und zur besonderen Position der Salafisten. Mit Blick auf den Verfassungsprozess unterstrich er, dass es notwendig sei, zu einer schnellen Einigung zu kommen, damit Ägypten politisch und wirtschaftlich wieder aufgebaut werden könne.

Saad El Katatni war von Januar 2012 bis zur Auflösung des Parlaments Präsident der Ägyptischen Volksversammlung.

»Es ist notwendig, die Salafisten in das politische System zu integrieren.«

El Katatni nahm Stellung zur neuen Rolle islamischer Parteien im politischen Prozess Ägyptens. Eine Ausgrenzung der Salafisten oder gar deren Verbot, wären seiner Ansicht nach ein großer Fehler. Dies führe lediglich zu einer Radikalisierung. Es sei demnach notwendig, alle Kräfte bestmöglich in den verfassungsgebenden Prozess und die zukünftige parlamentarische Arbeit einzubinden und eine breite politische Allianz herzustellen.

»Wir verfolgen einen moderaten Kurs. Davon kann die ganze Welt profitieren.«

Auch auf die Rolle seiner eigenen Partei ging El Katatni im Rahmen der Diskussion näher ein. Er unterstrich nachdrücklich, dass es erklärtes Ziel der Freiheits- und Gerechtigkeitspartei sei, Politik für alle Ägypter zu machen. Man wolle den politischen Wettbewerb über Inhalte und nicht über Personen gestalten. Der Fokus auf dringend notwendige Reformen sei dabei zentral, um die derzeitigen Herausforderungen zu meistern. Das wirtschaftspolitische Profil der Freiheits- und Gerechtigkeitspartei blieb in der Debatte allerdings unscharf.

»Ägypten muss wieder eine führende Rolle in der Region spielen – das ist das Ziel.«

Außenpolitisch betonte El Katatni den Anspruch Ägyptens auf eine regionale Führungsrolle. Die Umbrüche des arabischen Frühlings haben zur machtpolitischen Verschiebung innerhalb der ganzen Region geführt. Es sei im Sinne des Kräftegleichgewichtes notwendig, dass Ägypten seine Rolle als starker Akteur wiedererlange. El Katatni betonte in diesem Zusammenhang die hohe Bedeutung regionaler Wirtschaftsbeziehungen und die Notwendigkeit eines verstärkten zwischenstaatlichen Dialogs.

Zu den Politischen Frühstücken und Hintergrundgesprächen lädt die Körber-Stiftung regelmäßig einen kleinen Kreis hochrangiger außenpolitischer Akteure aus Berlin ein. Wie beim Bergedorfer Gesprächskreis findet das vertrauliche Gespräch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

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