Digitales Hintergrundgespräch mit Thomas Rose

Berlin, 12. Mai 2020

Die Corona-Krise verändert das internationale System – auch wenn über Stoßrichtung und Ausmaß der Veränderungen, etwa eine Beschleunigung bereits vorhandener Deglobalisierungstendenzen und eine weitere Erosion multilateraler Zusammenarbeit, derzeit nur spekuliert werden kann. Anknüpfend an die Politischen Frühstücke und Hintergrundgespräche, möchte die Körber-Stiftung mit dem neuen Format »Digitale Hintergrundgespräche« einen digitalen Raum für den Dialog über die außen- und sicherheitspolitischen Auswirkungen der Corona-Krise bieten.

Im Rahmen der »Digitalen Hintergrundgespräche« sprach am 12. Mai 2020 Thomas Rose, Senior Advisor und Chief Strategist des US-Vizepräsidenten Mike Pence, mit einem kleinen Kreis von Abgeordneten des Deutschen Bundestages, Vertreter/innen verschiedener Ministerien und Expert/innen ausgewählter Think Tanks über die Corona-Krise, ihre wirtschaftlichen Folgen und Veränderungen in der internationalen Politik.

Die USA und Europa – eine krisenfeste Partnerschaft?

Trotz einiger Verwerfungen, die sich bereits vor der Corona-Krise im transatlantischen Verhältnis offenbarten, wurde im Gespräch die Bedeutung einer stabilen transatlantischen Partnerschaft hervorgehoben. Der Wille, diese historisch gewachsene und auf gemeinsamen Werten fußende Beziehung auch in Zukunft partnerschaftlich zu gestalten, wurde von mehreren Gesprächsbeteiligten auf beiden Seiten des Atlantiks betont. Meinungsverschiedenheiten, wie beispielsweise zur Höhe der europäischen Verteidigungsausgaben, wurden konstruktiv diskutiert.

Die zukünftigen Beziehungen des Westens zu China – ein Beispiel für globale Entkopplungstrends?

Neben den transatlantischen Beziehungen wurde auch die Frage nach dem zukünftigen Verhältnis des Westens zu China erörtert. Der aktuelle amerikanisch-chinesische Disput über das Krisenmanagement Chinas stellt ein weiteres Beispiel in einer Reihe bereits bestehender Meinungsverschiedenheiten dar, die die Beziehungen der beiden Staaten seit geraumer Zeit belasten. Neben den verschiedenen Ansätzen Chinas und der USA in der Krisenkommunikation und -bekämpfung wurden in dem Hintergrundgespräch zudem die systemischen Differenzen thematisiert, namentlich die Unterschiede zwischen westlichem Liberalismus und dem chinesischen kommunistisch geprägten System.

Sollte die Volksrepublik sich zunehmend von globalen Strukturen abwenden, so könnte dies nicht nur negative wirtschaftliche Folgen für China nach sich ziehen, sondern auch Exportländer wie Deutschland treffen. Die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit wurde nicht nur mit Blick auf die weltweite wirtschaftliche Entwicklung betont. Auch bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie seien Zusammenarbeit und internationale Solidarität essentiell.

Die »Digitalen Hintergrundgespräche« – Dialog auch in Zeiten der Krise

Seit 60 Jahren engagiert sich die Körber-Stiftung unter dem Motto »Miteinander, nicht übereinander sprechen« für internationale Verständigung und einen Dialog über politische, nationale und religiöse Grenzen hinweg. Mit den Hintergrundgesprächen bietet die Körber-Stiftung Raum für einen offenen und substanziellen Austausch zwischen Referent/innen und Repräsentant/innen des politischen Berlins – auch in Zeiten der Krise. Die Gespräche finden dabei in einem vertraulichen Rahmen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

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