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Politischer Mittag mit Hans Groth

Der Umgang mit der Demenz in der Schweiz – Ein Blick ins Nachbarland

21. Mai 2015, Berlin

Dr. Hans Groth, Verwaltungsratspräsident des Verwaltungsratspräsident des mit der Universität St. Gallen assoziierten »World Demographic & Ageing Forum«, stellte am 21. Mai 2015 in Berlin die »Nationale Demenzstrategie« der Schweiz vor und gab Einblicke in die Entstehungsgeschichte sowie den aktuellen Stand der Umsetzung.

Nach den Schätzungen der Weltgesundheitsbehörde wird die Zahl der von Demenz Betroffenen innerhalb der nächsten 15 Jahre weltweit um rund 28 Millionen steigen. Bis 2050 werde sich die Zahl den aktuellen Prognosen zufolge sogar verdreifachen. Europaweit sieht die Situation ähnlich aus. Auch hier leben immer mehr Menschen mit Demenz. Während gegenwärtig rund 10 Millionen Europäer unter dem bislang nicht heilbaren Gedächtnisverlusts leiden, vermuten Fachleute, dass diese Zahl in den nächsten 20 Jahren auf rund 14 Millionen ansteigen wird und damit auch die Zahl derjenigen, die auf Betreuung und Behandlung angewiesen sein werden. Das Thema Demenz stellt unsere Gesellschaften somit vor große Herausforderungen. Doch wie können Gesellschaften mit dem Phänomen am besten umgehen? Diese Frage beschäftigt Expertinnen und Experten weltweit.

Mit ihrer »Nationalen Demenzstrategie« geht die Schweiz seit 2014 ihren eigenen Weg. In seinem Vortrag machte Dr. Hans Groth deutlich, dass die nationale Strategie vor allem Leitlinien vorgebe, ohne jedoch den konkreten Umsetzungsweg vorzuschreiben. Die Ausgestaltung liege in den Händen und der Verantwortung der 26 Kantone und 250 Gemeinden in der Schweiz, welche die konkreten Bedarfssituationen vor Ort am besten kennen und damit bedarfsgerechte Angebote unter Einbindung der lokalen Akteure und der Zivilgsellschaft schaffen können. Mit der Strategie habe man sich landesweit auf konkrete Ziele geeignigt und eine gemeinsame Marschroute festgelegt. Und genau dies sei – so Dr. Hans Groth – ein wichtiger Schritt, um der Demenz schrittweise zu begegnen und die realen Folgen abzufedern. Eine Strategie muss jedoch mit Leben gefüllt werden. Hier sind in der Schweiz die Entscheidungsträger vor Ort gefragt, gemeinsam mit ihren Bürgerinnen und Bürgern die besten Maßnahmen zu entwickeln.

Gleichzeitig betonte Dr. Hans Groth in seinen Ausführungen, dass die Demenz uns als Gesellschaft jedoch vor eine ganz andere Art von Herausforderung stelle, auf die eine Strategie direkt keine Antworten liefern könne. Denn neben konkreten Fragen der Teilhabe, Integration und optimalen Versorgung zwinge uns die Demenz dazu, fundamental über das Altwerden in der Gesellschaft und die eigene menschliche Endlichkeit nachzudenken. Es gelte gemeinsam, den Umgang mit unserer Endlichkeit neu zu definieren und zu lernen.

Dr. Hans Groth ist Verwaltungsratspräsident des mit der Universität St. Gallen assoziierten »World Demographic & Ageing Forum«, einer internationalen Plattform für Bevölkerungs-, Alters- und Generationenfragen. Daneben fungiert er als Mitglied des Verwaltungsrates der RehaClinic Bad Zurzach AG und als Präsident der Academia Engelberg, einer Stiftung, die dem Dialog zwischen Forschung, Gesellschaft und Politik verpflichtet ist. Seit mehr als 10 Jahren beschäftigt sich Dr. Hans Groth mit dem Wechselspiel von globalem demografischen Wandel, volkswirtschaftlicher Entwicklung, Wohlstandssicherung und gesellschaftlicher Stabilität: als Gastdozent an der Universität St. Gallen zum Thema »Megatrend Demographie«, als gewähltes Mitglied des »Global Agenda Council on Global Population Growth« des World Economic Forum und als Mitbegründer der Hittisauer Gespräche, einem interdisziplinären, unabhängigen Think Tank zu Fragestellungen des »Gesundheitssystem Schweiz«.

Zu den Politischen Mittagen lädt der Bereich Gesellschaft zu den Themen Demografie und Zivilgesellschaft regelmäßig renommierte internationale Vordenker, Praktiker, Politiker oder Wissenschaftler ein. Eingeladen werden Entscheidungsträger aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft.

Strategie »Nationale Demenzstrategie 2014-2017« (PDF)

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21. Mai 2015, Berlin

Fotos: Körber-Stiftung/Marc Darchinger

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