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Politischer Mittag mit Thomas Straubhaar

Wider die Mythen des demografischen Wandels

24. Februar 2016, Berlin

»Der Untergang ist abgesagt« heißt die Streitschrift von Thomas Straubhaar, dessen wichtigste Thesen er beim Politischen Mittag im Berliner Hauptstadtbüro der Körber-Stiftung einem hochrangigen Kreis von politischen Entscheidern vorstellte. Das Buch mit dem Untertitel »Wider die Mythen des demografischen Wandels« wird am 7. März in der edition Körber-Stiftung erscheinen.

Der demografische Wandel weckt Ängste und Vorurteile. Doch für den Ökonom Straubhaar gibt es keinen Grund zur Panik: Als stabile Demokratie und gesunde Volkswirtschaft kann Deutschland sich zuversichtlich dem Wandel öffnen.
Laut Straubhaar machen Langzeitprognosen über die Bevölkerungsentwicklung sowieso wenig Sinn. Ob beispielsweise Deutschland tatsächlich schrumpft, werde sich erst in der Zukunft zeigen. Doch wenn, schade auch dies nicht dem Wohlstand. Ebenso sei auch der Einfluss der aktuellen Zuwanderung auf die deutsche Bevölkerungsentwicklung makroökonomisch unerheblich. Thomas Straubhaar sprach sich deshalb dafür aus, dass die Politik die Zuwanderer weder als Lösung noch als Problem für den demografischen Wandel instrumentalisieren solle.
Hinsichtlich der kulturellen Vielfalt betonte er, dass das Ausmaß an Diversität in Deutschland sich nicht festlegen ließe. Straubhaar glaubt, dass für ein funktionierendes Zusammenleben der unteilbare, also für alle geltende Grundsatz der Rechtsstaatlichkeit als unumstößliches Prinzip bestehen müsse.
Und auch den Arbeitsmarkt der Zukunft sieht Straubhaar gelassen. Den oft prognostizierten Arbeitskräftemangel im demografischen Wandel hält er für eine Phantomdiskussion. Die allumfassende Digitalisierung bringe es zwangsläufig mit sich, dass weniger Arbeitskräfte gebraucht würden. Nach Straubhaar wird dies zu einer Gesundschrumpfung des Arbeitsmarktes führen.

»Es gibt viele Wege zum Glück in der Ökonomie«, erläuterte der Volkswirtschaftler seinem interessierten Publikum aus Ministerien, Bundestag und zivilgesellschaftlichen Organisationen, und verwies auf die vielen Stellschrauben, die hinsichtlich des demografischen Wandels noch gedreht werden können. Aber auch das Unvorhersehbare sei Teil der demografischen Entwicklung.

Der gebürtige Schweizer ist Professor für Volkswirtschaftslehre der Universität Hamburg und Direktor des Europa-Kollegs Hamburg. Nach Studium und akademischen Stationen unter anderem in Bern, Konstanz, Basel, Freiburg im Breisgau und Hamburg war Thomas Straubhaar von 1999 bis 2014 Präsident des Hamburgerischen-Weltwirtschafts-Archivs (HWWA) und danach Leiter des Hamburgerischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI). Er arbeitet u.a. über internationale Wirtschaftsbeziehungen und Bevölkerungsökonomie.

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24. Februar 2016, Berlin

Fotos: Körber-Stiftung/Marc Darchinger

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