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Präsident Mohammad Ashraf Ghani hielt Rede in Berlin

Mohammad Ashraf Ghani, Präsident der Islamischen Republik Afghanistan, hielt am 3. Dezember auf Einladung der Körber-Stiftung eine Rede in Berlin.

Er bezeichne sich selbst als unerschütterlichen Optimisten, charakterisierte Thomas Paulsen, Vorstand der Körber-Stiftung, in seiner Begrüßung den afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani. Das sei für einen Staatspräsidenten derzeit aber auch nötig, angesichts der globalen Wiedergeburt klassischer Großmachtpolitik und einem bevorstehenden Zusammenbruch von Ordnung auf mehreren Ebenen. Allein die zahlreichen Flüchtlinge, die nach Europa kämen, gäben den Krisen ihrer Heimatländer ein Gesicht. Deutschland bleibe beim Aufbau Afghanistans engagiert, doch man sei sehr interessiert, vom Präsidenten zu hören, wie es in seinem Land weiter gehen soll.

Politik sei eine bürgerliche Verpflichtung gegenüber der Welt, betonte Ghani, bevor er einen Blick auf die neuen Bedrohungen seines Landes warf. Es gehe darum, verschiedene Entwicklungen zunächst zu verstehen. So seien Verflechtungen mit dem Wirtschaftskreislauf eine Grundlage für terroristische Finanzaktivitäten und Menschenhandel. Dabei agierten kriminelle Organisationen innerhalb von Netzwerken und könnten so schneller handeln als Staaten mit ihren festen Strukturen. Auch die Gleichgültigkeit mancher Nachbarstaaten Afghanistans biete diesen Organisationen großen Handlungsspielraum.

Nach 1945 sei die Hälfte der Welt in Ordnung gebracht worden, so Ghani. Die heutigen Probleme seien auch eine Folge davon, dass die andere Hälfte nicht in Ordnung gebracht wurde. Über das Internet würden terroristische Netzwerke heute neue Kräfte und Mitglieder gewinnen und so zu sich schnell vervielfältigenden Bewegungen werden. Deren Ziel sei es, beständig neue, erschreckende Nachrichten zu erzeugen. Auch die Zufälligkeit ihrer Angriffe sei gewollt. Dadurch solle das Vertrauen der Bürger in den Staat als Beschützer grundlegend gestört werden.

Positiv sah Ghani, dass den 30.000 Flüchtlingen, die das Land verließen, 30 Millionen gegenüber ständen, die blieben. Inzwischen könnten auch die eigenen Sicherheitskräfte Angriffen Stand halten, trotzdem sei die weitere Unterstützung aus Deutschland willkommen. Durch seine geografische Lage sieht Ghani sein Land zukünftig als Schaltstelle für unterschiedlichste Verbindungen: Stromleitungen, Eisenbahnlinien, Pipelines. Auch böten vorhandene Rohstoffe eine Fülle von Kooperationsmöglichkeiten. Das Wichtigste seien für ihn aber die Menschen im Land, die überwiegend sehr jung seien. Berufsbildung, Rechtssicherheit, die Gleichberechtigung von Frauen und die Bekämpfung von Korruption müssten konsequent und systematisch angegangen werden. Ghanis Forderung: Die Netze der Gewalt durch die Netze der Tugend bekämpfen.

Sehen Sie die Rede Ghanis und das anschließende Gespräch als Video


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