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»Das geht mir genauso!« – Was Menschen im Exil verbindet

Mit einer mehrmonatigen Kampagne stellt die Körber-Stiftung ab heute die Gedanken und Herausforderungen des Lebens im Exil vor. Dafür haben Menschen, die aktuell im Exil in Deutschland leben, Zitate historischer Exilierter ausgewählt und auf ihre eigene Situation übertragen.

Fast auf den Tag genau fünf Jahre ist es her, dass Angela Merkel in der Bundespressekonferenz den mittlerweile historischen Satz »Wir schaffen das!« sagte. 1,6 Millionen Menschen* haben allein seit 2015 in Deutschland Zuflucht gefunden – zumindest vorübergehend, weil sie in ihren Heimatländern politische Verfolgung, Krieg und Gewalt erlebt haben. Doch auch wenn sie in Deutschland in Sicherheit sind, erfordert ihr neues Leben viel Kraft und Mut. Von Ende August bis Mai 2021 gibt die Körber-Stiftung Einblick in die Gedanken und Gefühle von Menschen im Exil – in Videos und sozialen Netzwerken sowie in Hamburg auch auf wechselnden Plakaten. Die Exilierten nutzen dazu von ihnen selbst gewählte historische Zitate, von denen sie sich besonders angesprochen fühlen.

Auftakt zur Zitatkampagne mit Lion Feuchtwanger

Das erste Zitat stellt der iranische Exiljournalist Omid Rezaee vor: »Exil zerrieb, machte klein und elend: aber Exil härtete auch und machte groß, reckenhaft.« Es stammt von dem deutschen Schriftsteller Lion Feuchtwanger, der sich aufgrund seiner jüdischen Herkunft und seiner politischen Schriften Anfang der 1930er Jahre zum Gang ins Exil gezwungen sah. Er fühle sich von Feuchtwangers Worten direkt angesprochen, erzählt Rezaee: »Das geht mir genauso. Ich habe sowohl das Elend erlebt als auch diese Stärke – dass man durch das Exil Gutes erlebt und ein stärkerer Mensch wird.« Seit 2015 lebt der Journalist in Deutschland. Im Iran war er 2011 verhaftet worden, weil seine regimekritischen Artikel den Behörden missfielen. Kurzfristig freigelassen, aber von einer weiteren Freiheitsstrafe bedroht, entschied er sich 2012 zur Flucht.

Weitere Beiträge zur Zitatkampagne in den kommenden Monaten stammen unter anderem von dem afghanischen Model Zohre Esmaeli und dem philippinischen Bischof Antonio Ablon. Ergänzend erklären alle Protagonisten in Kurzfilmen, wieso sie sich für »ihre« Zitate entschieden haben und wie sie das Exil erleben.

Wie Menschen im Exil die Gesellschaft bereichern

Mit der Kampagne und einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm will die Körber-Stiftung Menschen im Exil stärker in den gesellschaftlichen Diskurs einbinden. »Exilierte kennen die Bedeutung und den Wert einer offenen und demokratischen Gesellschaft«, sagt Lothar Dittmer, Vorstandsvorsitzender der Körber-Stiftung. »Viele von ihnen haben am eigenen Leib erfahren, wie politische Verfolgung, Unterdrückung und Gewalt die Gesellschaft zerstören. Ihre Stimmen können einen wichtigen Beitrag leisten, um Bedrohungen für unsere Demokratie zu erkennen und zu bekämpfen.« Mit der Zitatkampagne möchte die Körber-Stiftung auch auf die historische Bedeutung des Exils hinweisen. Es habe immer und auf der ganzen Welt Menschen im Exil gegeben, darunter eine halbe Million Deutsche, die vor dem NS-Regime geflohen seien, betont Dittmer. »Viele von ihnen haben in ihren Exilländern bedeutende gesellschaftliche Beiträge geleistet.«

Veranstaltungsreihe »In Deutschland im Exil«

Um die Erfahrungen des Exils nachvollziehbar zu machen und den direkten Dialog mit Exilierten anzuregen, hat die Körber-Stiftung gemeinsam mit NDR Info eine Veranstaltungsreihe zum Themenschwerpunkt Exil entwickelt. Die Veranstaltungen im Überblick:

  • 07.09.2020: Gespräch »Flucht ins Exil – eine individuelle Erfahrung« mit Sibel Atasayi (Politische Psychologin und Psychotherapeutin), Rana Ahmad (Vorsitzende des Vereins Säkulare Flüchtlingshilfe), Mohammed Ghunaim (Künstler)
  • 14.09.2020: Gespräch: »Leben im Exil – das Ankommen und Miteinander im neuen Land« mit Jochen Oltmer (Professor für Neueste Geschichte und Migrationsgeschichte), Gloria Boateng (Lehrerin und Autorin), Human Mirrafati (Aktivist)
  • 21.09.2020: Gespräch: »Exil und Heimaten – die Suche nach der eigenen Identität und die Überwindung von Fremdzuschreibungen« mit Kübra Gümüşay (Autorin und Aktivistin), Pedro Kadivar (Autor und Theaterregisseur), Nadia Nashir-Karim (Journalistin)

Auch in weiteren Veranstaltungen zwischen September 2020 und Mai 2021 widmet sich die Körber-Stiftung dem Thema »Leben im Exil« – darunter ab Ende September die Ausstellung »Hier fühle ich mich zu Hause«, im Oktober die Veranstaltung »Stimmen der Freiheit« mit Antonio Ablon, Bischof von den Philippinen. Ende November folgen die »Rede zum Exil« 2020 der Exiljournalistin Anabel Hernández aus Mexiko sowie das Exile Media Forum. Ab 6. April starten die »Tage des Exils« mit 60 Angeboten mit mehr als 50 Partnern in ganz Hamburg.

Ein großer Teil der Veranstaltungen wird auch per Livestream im Internet übertragen, so dass Interessierte in und außerhalb Hamburgs die Diskussionen auch von zuhause verfolgen können. Wegen der Coronakrise gänzlich auf Veranstaltungen zu verzichten, kommt für die Körber-Stiftung nicht in Frage. »Gerade in dieser Zeit darf die Debatte um den gesellschaftlichen Zusammenhalt nicht abbrechen. Dazu gehört auch, die Stimmen der Menschen zu hören, die in Deutschland im Exil leben«, sagt Dittmer.

* Die Angabe basiert auf Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Sie umfasst die Anzahl aller Entscheidungen über Asylanträge, die zwischen Januar 2015 und Juli 2020 zu einer Anerkennung als Flüchtling, zur Gewährung von subsidiärem Schutz oder zur Feststellung eines Abschiebeverbots geführt haben. Quellenangabe: »Aktuelle Zahlen (07/2020)« S. 11

Angebote für Journalist/innen

Video-Portraits der Protagonistinnen und Protagonisten sowie weitere Informationen zur Zitatkampagne finden Sie unter:
www.koerber-stiftung.de/exil
Wenn Sie an einer Berichterstattung über die Zitatkampagne oder das Fokusthema »Neues Leben im Exil« interessiert sind, sprechen Sie uns gerne an.

Die Protagonistinnen und Protagonisten der Kampagne stehen Ihnen gerne für Interviews oder Portraits zur Verfügung.
Wenden Sie sich bei Interesse bitte an Andrea Bayerlein (bayerlein@koerber-stiftung.de, 040/ 80 81 92-177).

Mögliche Interviewpartner/innen

  • Omid Rezaee, Journalist und Autor
  • Zohre Esmaeli, Unternehmerin, Aktivistin und Model
  • Antonio Ablon, Bischof
  • Dr. Lothar Dittmer, Vorstandsvorsitzender der Körber-Stiftung

Materialien zur Zitatkampagne finden Sie hier zum kostenfreien Download.

Das Fokusthema »Neues Leben im Exil«

Mit dem Fokusthema »Neues Leben im Exil« engagiert sich die Körber-Stiftung für Menschen, die in Deutschland im Exil leben, hier ihre Erfahrungen von Krieg und Flucht, vom Verlust der Heimat und vom Ankommen in einer fremden Kultur reflektieren und den öffentlichen Diskurs bereichern. Die Stiftung macht die journalistischen, künstlerischen, politischen und wissenschaftlichen Aktivitäten dieser Menschen sichtbar und zeigt historische Kontinuitäten auf. Sie stärkt damit Dialog und Zusammenhalt und trägt zu einer lebendigen Bürgergesellschaft bei.
www.koerber-stiftung.de/exil

Pressemeldung zum Download (PDF)

Informationen zum Thema:
Andrea Bayerlein
Fokusthema »Neues Leben im Exil«
Telefon + 49 · 40 · 80 81 92 - 177
E-Mail bayerlein@koerber-stiftung.de
www.koerber-stiftung.de
Instagram @koerberstiftung
Instagram @gesichterdesexils

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