X
   
Presse

Meldung

Deutsche schauen nach Westen

Repräsentative Umfrage im Auftrag der Körber-Stiftung zeigt: Auch 30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ist den Deutschen der Osten Europas fremd

30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und 15 Jahre nach der EU-Osterweiterung bleibt die Mehrheit der Deutschen im Westen verwurzelt: 77 Prozent der Deutschen fühlen sich eher West- als Osteuropa zugehörig. Dabei teilt sich die deutsche Bevölkerung deutlich auf. Während sich nur sieben Prozent der Menschen in den alten Bundesländern Osteuropa zugehörig fühlen, ist dies bei immerhin 32 Prozent der Menschen in den neuen Bundesländern der Fall. Dies ergab eine repräsentative Umfrage von Kantar Public im Auftrag der Körber-Stiftung.

Für Dr. Thomas Paulsen, Vorstand der Körber-Stiftung, zeigt die Erhebung: »Ost und West in Europa sind sich noch immer fremd. Die Ergebnisse sind eine klare Aufforderung an Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, sich mehr um den Dialog mit unseren östlichen Nachbarn zu bemühen und die gemeinsamen Interessen zu bekräftigen.«

Größere Verbundenheit mit den westlichen Nachbarn

Auch zu ihren Nachbarländern empfinden Ost- und Westdeutsche eine unterschiedlich starke Verbundenheit. Mit Frankreich fühlt sich knapp die Hälfte der Deutschen verbunden (49 Prozent). Die neuen Bundesländer orientieren sich allerdings weniger nach Frankreich als die alten (33 zu 54 Prozent). Ähnlich ist es mit Italien: 51 Prozent der Westdeutschen und 31 Prozent der Ostdeutschen stehen dem Land nahe. Einig sind sich die Deutschen gegenüber ihrem östlichen Nachbarn Polen: Nur drei von zehn Befragten in den alten Bundesländern (30 Prozent) und knapp vier von 10 Befragten in den neuen Bundesländern (39 Prozent) fühlen sich mit Polen verbunden.

Wiedervereinigung – ein unvollendeter Prozess

Der Zustand der innerdeutschen Einheit ist kritisch. Zwar sagt eine Mehrheit der Bundesbürger, dass Deutschland insgesamt von Mauerfall und Wiedervereinigung profitiert hat (68 Prozent). Zugleich sehen aber sieben von zehn Befragten in Ost und West große Unterschiede zwischen den Menschen in den neuen und alten Bundesländern (70 Prozent). »Die Umfrageergebnisse ergeben ein gemischtes Bild: Die überwiegende Mehrheit hat von der Wiedervereinigung profitiert, aber Ost und West sind noch nicht richtig zusammengewachsen«, so Thomas Paulsen.

Mehr Optimismus in den neuen Bundesländern

Regionale Unterschiede treten auch bei der Frage nach Gewinnern und Verlierern der Wiedervereinigung auf. Eine knappe Mehrheit in den alten Bundesländern fühlt sich auf der Gewinnerseite (53 Prozent). Die Menschen in den neuen Bundesländern sind optimistischer: 70 Prozent fühlen sich als Gewinner der Wiedervereinigung. In einer vergleichbaren Umfrage von 2004 sahen sich nur 54 Prozent der Ostdeutschen als Gewinner (TNS Infratest 2004 im Auftrag des SPIEGEL).

Die Umfrage und ihre weiteren Themen

Die repräsentative Umfrage wurde vom Meinungsforschungsinstitut Kantar Public Deutschland unter 1001 Personen durchgeführt; Auftraggeber war die Körber-Stiftung. Befragt wurden jeweils Wahlberechtigte ab 18 Jahren im Zeitraum 12. bis 20. August 2019. Ausgewählte Ergebnisse der Umfrage erscheinen zudem im Spiegel Sonderheft »30 Jahre Mauerfall: Ziemlich beste Deutsche – Warum es uns so schwerfällt, ein Volk zu werden«. In weiteren Fragen ging es darum, welche Staatsform die Deutschen bevorzugen, welchen Beitrag die Demonstrationen für Demokratie und Freiheit in Ostdeutschland und Mittel- und Osteuropa in den 80er Jahren zur deutschen Wiedervereinigung hatten und wo die Deutschen die Demokratie in Deutschland gefährdet sehen.

Angebote an die Medien:

Pressemeldung zum Download (PDF)

Informationen zum Thema
Julian Claaßen
Körber-Stiftung
Fokusthema »Der Wert Europas«
Telefon: + 49 · 40 · 80 81 92 - 233
E-Mail claassen@koerber-stiftung.de
www.koerber-stiftung.de

to top