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Deutsche wollen aus Geschichte lernen

Repräsentative Umfrage der Körber-Stiftung: Vier von zehn Schülern kennen Auschwitz-Birkenau nicht

95 Prozent der Deutschen finden es sehr wichtig oder wichtig, dass Schüler in der Schule Geschichtsunterricht haben. Die meisten wünschen sich einen Unterricht, der dazu befähigt, Inhalte kritisch hinterfragen (93 Prozent) und Lehren für die Gegenwart ziehen zu können (92 Prozent). Die gleichen Prioritäten setzen auch Schülerinnen und Schüler, wenn es um Geschichtsunterricht geht. Das zeigt eine repräsentative Umfrage*, die Forsa im Juli und August 2017 im Auftrag der Körber-Stiftung durchgeführt hat. Aus Sicht der Jugendlichen dominiert im Geschichtsunterricht heute immer noch die reine Wissensvermittlung historischer Namen, Daten und Fakten. Dass Auschwitz-Birkenau ein Konzentrations- und Vernichtungslager im Zweiten Weltkrieg war, wissen allerdings nur 59 Prozent der Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren.

Interesse der Schüler an Geschichte ausbaufähig

Die Umfrage zeigt, dass das Interesse der Jugendlichen in Deutschland an Geschichte unterschiedlich eingeschätzt wird. Drei Viertel der Schülerinnen und Schüler (75 Prozent) glauben, dass das Interesse ihrer Mitschüler an Geschichte generell nicht so groß oder eher gering ist. Nach ihrem eigenen Interesse befragt, zeigt sich ein positiveres Bild: Mehr als die Hälfte der befragten Schülerinnen und Schüler (56 Prozent) geben an, sich selbst sehr oder eher für Geschichte zu interessieren. »Junge Menschen können dann für Geschichte begeistert werden, wenn sie mit ihnen und ihrem Leben zu tun hat«, sagt Sven Tetzlaff, Leiter des Bereichs Bildung der Körber-Stiftung. »Diesen Transfer muss ein moderner Geschichtsunterricht leisten – zumal Geschichte für das Verständnis der Gegenwart unabdingbar ist.«

Gute Noten für Geschichtsunterricht

Die Qualität des eigenen Geschichtsunterrichts schätzen die befragten Schülerinnen und Schüler als gut ein. Drei Viertel der Schülerinnen und Schüler (75 Prozent) meinen, dass die Inhalte in ihrem Unterricht anschaulich und nachvollziehbar dargestellt wurden. Jeweils zwei Drittel der befragten Jugendlichen sagen, dass in ihrem Unterricht interessante und vielfältige Themen bearbeitet wurden (69 Prozent) und dass ihr Geschichtslehrer bei ihnen Interesse für die behandelten Themen wecken konnte (66 Prozent). Allerdings fällt auf, dass Schüler den Geschichtsunterricht insgesamt besser bewerten als Schülerinnen.

Die Umfrage gibt auch Aufschluss über methodische Fragen: Bei zwei Dritteln der Schülerinnen und Schüler wurden im letzten Geschichtsunterricht digitale Medien eingesetzt (65 Prozent) oder interaktive Lernformen wie Projektarbeit angewendet (59 Prozent). »Der Geschichtsunterricht ist moderner geworden und besser als sein Ruf«, sagt Sven Tetzlaff. »Wichtig ist eine ausgewogene Mischung aus Wissensvermittlung und aktivierenden Methoden.«

Auschwitz-Birkenau – ein unbekannter Ort

Die Umfrage zeigt, dass es bei der Vermittlung von Geschichtswissen Defizite gibt: Weniger als die Hälfte der 14- bis 16-jährigen Jugendlichen (47 Prozent) weiß, was Auschwitz-Birkenau war. Immerhin 71 Prozent der Schülerinnen und Schüler, die 17 Jahre und älter sind, wissen, was sich hinter dem Ortsnamen verbirgt. »Mit Sorge beobachten wir, dass es in der Mittelstufe in immer weniger Bundesländern Geschichte als eigenständiges Schulfach gibt. Dies ist für mich einer der Gründe, warum erschreckend viele Schüler das Konzentrationslager nicht kennen«, so Tetzlaff. »Ein weiterer Grund: Der Stundenumfang für Geschichte wird immer geringer. Diese Entwicklung muss gestoppt werden.«

Engagement für historisch-politische Bildung

Seit über 40 Jahren engagiert sich die Körber-Stiftung mit dem Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten für die historisch-politische Bildung junger Menschen in Deutschland. Mit bislang über 141.000 Teilnehmern ist er der größte historische Forschungswettbewerb für Kinder und Jugendliche in Deutschland.

* Über die Umfrage

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa befragte vom 7. Juli bis 31. August 2017 im Auftrag der Körber-Stiftung 1.009 Bundesbürger ab 14 Jahren sowie 502 Schülerinnen und Schüler zum Stellenwert und zu Inhalten des Geschichtsunterrichts. Die Ergebnisse sind repräsentativ.

Die Ergebnisse der Umfrage werden bei der Zweijahrestagung der Konferenz für Geschichtsdidaktik präsentiert, die vom 28. bis 30. September 2017 zum Thema »Geschichtsunterricht im 21. Jahrhundert« in Berlin stattfindet. Ausgerichtet wird die Konferenz vom Verband der Geschichtsdidaktikerinnen und Geschichtsdidaktiker Deutschlands in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung, der Körber-Stiftung, der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Deutschlandfunk.

Weitere Informationen zur Tagung: www.kgd2017.de

Materialien zum Download

Weitere Angebote für Journalisten

  • Interview mit Sven Tetzlaff, Leiter des Bereichs Bildung der Körber-Stiftung (bitte über den Pressekontakt anfragen)

Pressemeldung zum Download (PDF)

Informationen zum Thema:
Körber-Stiftung
Bereich Bildung
Andrea Bayerlein
Kehrwieder 12
20457 Hamburg
Telefon +49 · 40 · 80 81 92 - 177
Telefax +49 · 40 · 80 81 92 - 304
E-Mail bayerlein@koerber-stiftung.de
www.koerber-stiftung.de

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