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Eiszeit im transatlantischen Verhältnis: Drei Viertel der Deutschen bewerten Beziehungen zu den USA als schlecht

Umfrage der Körber-Stiftung zu Deutschlands Rolle in der Welt, wichtigsten Partnern und außenpolitischen Herausforderungen

Es steht schlecht um die deutsch-amerikanischen Beziehungen, zumindest aus Sicht der Deutschen: 73 Prozent von ihnen bezeichnen das Verhältnis zu den USA als »schlecht« oder »sehr schlecht«. Die US-Amerikaner bewerten die Beziehungen zu Deutschland hingegen mehrheitlich (70 Prozent) als »eher gut« oder »sehr gut«. Das zeigt die repräsentative Umfrage »Einmischen oder zurückhalten?« der Körber-Stiftung. Fast die Hälfte der Deutschen (47 Prozent) ist zudem der Ansicht, dass Deutschland weniger mit den USA zusammenarbeiten sollte und drei Viertel (72 Prozent) fordern sogar, dass Deutschland seine Außenpolitik in Zukunft unabhängiger von den USA gestalten soll.

»Die Deutschen entfremden sich offenbar immer weiter von ihrem wichtigsten Partner außerhalb Europas«, kommentiert Nora Müller, Leiterin des Bereichs Internationale Politik der Körber-Stiftung, die Umfrageergebnisse.

Seit 2014 fragt die Körber-Stiftung die Deutschen regelmäßig nach ihren Einstellungen zu deutscher Außenpolitik. Die Befragung 2018 wurde vom Meinungsforschungsinstitut Kantar Public durchgeführt. Die Umfrageergebnisse werden zusammen mit »The Berlin Pulse«, der außenpolitischen Publikation der Körber-Stiftung, am 27. November 2018 beim Berliner Forum Außenpolitik vorgestellt.

Migrationspolitik und Trump als größte Herausforderungen für deutsche Außenpolitik

Die größte Herausforderung für die deutsche Außenpolitik sehen 30 Prozent der Befragten in der Migrationspolitik. Gleichzeitig finden 78 Prozent, Deutschland solle seine Flüchtlingspolitik mit anderen europäischen Partnern abstimmen. Der UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi betont hierzu im Interview mit »The Berlin Pulse«, Deutschlands Engagement in der internationalen Flüchtlingspolitik sei ein Modell weltweit.
Die Beziehungen zu den USA und Präsident Trump sehen 28 Prozent der Befragten als größte Herausforderung. Das Verhältnis zur Türkei hat für die Deutschen im Vergleich zum Vorjahr weiterhin an Stellenwert verloren. So sagen etwa fast zwei Drittel der Befragten, Deutschland sollte Abstand zur Türkei gewinnen.

Trendwende bei Verteidigungsausgaben?

Immer mehr Deutsche (43 Prozent) sprechen sich für eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben aus, für 40 Prozent der Befragten sollten die Verteidigungsausgaben auf dem aktuellen Niveau bleiben. Im vergangenen Jahr waren nur 32 Prozent der Befragten für höhere Verteidigungsausgaben. Außerdem haben 63 Prozent der Deutschen eine positive Meinung von der NATO. Dennoch zeigt sich die Mehrheit der Deutschen weiterhin reserviert, wenn es um die internationale Verantwortung und Deutschlands Engagement bei internationalen Krisen geht: 55 Prozent der Deutschen sind der Meinung, Deutschland sollte sich weiterhin eher zurückhalten.

Deutschland gespalten: War die EU-Osterweiterung 2004 die richtige Entscheidung?

Die Deutschen sind sich nicht einig, ob die EU-Osterweiterung 2004 die richtige Entscheidung war. »Ja, es war die richtige Entscheidung«, sagen 47 Prozent der Deutschen, während 46 Prozent diese Frage mit »Nein« beantworteten. Die Umfrage zeigt auch: Die Deutschen fordern klare Kante gegenüber EU-Mitgliedstaaten wie Polen und Ungarn, denen die Missachtung rechtsstaatlicher Prinzipien vorgeworfen wird. 74 Prozent der Deutschen würden daher Sanktionen gegen EU-Mitgliedstaaten befürworten, die fundamentale EU-Werte verletzen.

Die Befragten bekennen sich klar zu europäischen Werten: Für 82 Prozent der Deutschen sind die wichtigsten europäischen Errungenschaften Frieden und die Bewahrung von Demokratie, Meinungsfreiheit und Rechtstaatlichkeit. Zwei Drittel der Deutschen glauben jedoch, dass die EU auf dem falschen Weg ist. Mit Blick auf die Europawahlen im Mai 2019 rechnen 71 Prozent der Befragten damit, dass euroskeptische Parteien mehr Wählerstimmen für sich gewinnen werden.

Darüber hinaus sehen über drei Viertel (77 Prozent) der Deutschen den Zusammenhalt in der EU geschwächt. »Wir müssen den Zusammenhalt in Europa stärken«, so Außenminister Heiko Maas im Interview mit »The Berlin Pulse«.

Die Umfrage

Kantar Public hat im September 2018 im Auftrag der Körber-Stiftung 1.002 Wahlberechtigte ab 18 Jahren in Deutschland zu ihren außenpolitischen Einstellungen befragt. Weitere Themen, die abgefragt wurden: Wie sehen die Deutschen Chinas wachsenden Einfluss? Hat Deutschland sich genug in Syrien engagiert? Und wie soll Europa das Verhältnis zu Großbritannien nach dem Brexit gestalten?
Im Rahmen einer Kooperation hat das Pew Research Center in Washington, DC, außerdem einige Fragen zum transatlantischen Verhältnis in den USA gestellt.

Alle Ergebnisse, Tabellen und Grafiken sind online verfügbar unter: www.theberlinpulse.org.

The Berlin Pulse

Die Publikation »The Berlin Pulse« der Körber-Stiftung stellt internationale Erwartungen hochrangiger AutorInnen an deutsche Außenpolitik den außenpolitischen Einstellungen der Deutschen auf Basis einer repräsentativen Umfrage gegenüber. Unter den AutorInnen der zweiten Ausgabe sind die estnische Präsidentin Kersti Kaljulaid, der polnische Premierminister Mateusz Morawiecki, der UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi sowie Außenminister Heiko Maas. Alle Beiträge sind online verfügbar unter:
www.theberlinpulse.org.

Angebote für JournalistInnen (bitte über den Pressekontakt anfragen):

Pressemeldung zum Download (PDF)

Informationen zum Thema:
Körber-Stiftung
Bereich Internationale Politik
Julian Claaßen
Telefon + 49 · 40 · 80 81 92 - 233
E-Mail claassen@koerber-stiftung.de
www.koerber-stiftung.de
Twitter @KoerberIP
www.facebook.com/KoerberStiftungInternationalAffairs

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