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Vor Bundestagswahl: Deutsche ohne Kanzlerfavoriten in puncto Außenpolitik

Repräsentative Umfrage der Körber-Stiftung zur außenpolitischen Einstellung der Deutschen

Wenige Monate vor der Bundestagswahl ist ein Drittel (33 Prozent) der Deutschen unentschlossen welcher Kanzlerkandidat die größte außenpolitische Kompetenz besitzt oder schreibt diese keinem der drei Kandidaten zu. Die meisten Deutschen vertrauen beim Thema Außenpolitik dem SPD-Kandidaten Olaf Scholz (29 Prozent), dicht gefolgt vom Kandidaten der Union Armin Laschet (23 Prozent). Lediglich 13 Prozent der Befragten betrachten Annalena Baerbock (Bündnis90/DieGrünen) als die Kanzlerkandidatin mit der größten außenpolitischen Kompetenz. Dem Ende der Amtszeit von Angela Merkel sehen die Deutschen laut Umfrage dennoch gelassen entgegen: 58 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass sich Deutschlands Einfluss in Europa und weltweit dadurch nicht verringern wird. Bei den 18 bis 34-Jährigen sind es sogar 68 Prozent. Lediglich 36 Prozent der Bürgerinnen und Bürger befürchten einen Einflussverlust Deutschlands. Das zeigt eine repräsentative Umfrage der Körber-Stiftung, durchgeführt vom Meinungsforschungsinstitut Kantar Public im Mai 2021.

»Die außenpolitischen Herausforderungen für Deutschland sind immens. Doch alle drei Kanzlerkandidaten müssen die Wählerinnen und Wähler erst noch davon überzeugen, dass sie in der Lage sind, Deutschlands Interessen auch auf internationaler Bühne zu vertreten«, kommentiert Nora Müller, Leiterin des Bereichs Internationale Politik der Körber-Stiftung, die Umfrageergebnisse.

Außenpolitische Kernfragen des Bundestagswahlkampfs

Die Umfrage der Körber-Stiftung gibt auch Aufschluss zur Einstellung der Deutschen gegenüber den drei außenpolitischen Kernfragen des Wahlkampfs: dem Umgang Deutschlands mit China, Nord Stream 2 und der Annäherung des Verteidigungshaushalts an das Zwei-Prozent-Ziel der NATO.

Gegenüber China: Menschenrechte vor Wirtschaftsinteressen

Eindeutig ist die Position der Deutschen in Bezug auf China. Drei Viertel der Befragten (76 Prozent) sind der Meinung, dass Deutschland bei Menschenrechtsverletzungen auch weiterhin EU-Sanktionen gegenüber China mittragen sollte – selbst wenn dieses Vorgehen den deutschen Wirtschaftsinteressen schadet. 18 Prozent der Deutschen finden hingegen, dass Wirtschaftsbeziehungen Vorrang eingeräumt werden sollte.

Nord Stream 2 fertigstellen – aber auch in Betrieb nehmen?

Die Mehrheit der Deutschen befürwortet eine Fertigstellung des Pipelineprojekts Nord Stream 2: 44 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, die Pipeline nach Fertigstellungen trotz möglicher US-Sanktionen in Betrieb zu nehmen, 38 Prozent würden mit der Inbetriebnahme warten, bis mit den USA ein Kompromiss gefunden wurde. Nur jeder Zehnte (13 Prozent) ist für einen vollständigen Stopp des Vorhabens. Die Zustimmung liegt im Osten Deutschlands (59%) noch einmal deutlich höher als im Westen (39%).

Uneinigkeit beim Zwei-Prozent-Ziel

Uneins sind die Deutschen bei der Frage, ob die Bundesrepublik seinen Verteidigungshaushalt aufstocken sollte, um sich zeitnah dem Zwei-Prozent-Ziel der NATO anzunähern. 49 Prozent befürworten eine Erhöhung, 45 Prozent der Befragten sprechen sich gegen einen höheren Verteidigungshaushalt aus.

Die Umfrage

Kantar Public hat im Rahmen einer Sonderumfrage von »The Berlin Pulse« im Auftrag der Körber-Stiftung vom 19. bis 25. Mai 1.031 Wahlberechtigte ab 18 Jahren zu ihren Einstellungen gegenüber den außenpolitischen Kernfragen Deutschlands vor der Bundestagswahl befragt. »The Berlin Pulse« ist die außenpolitische Jahresschrift der Körber-Stiftung, die anlässlich des Berliner Forum Außenpolitik erscheint. Die fünfte Ausgabe wird dieses Jahr Ende November veröffentlicht. Alle Ergebnisse, Tabellen und Grafiken der repräsentativen Umfrage und vergangener Ausgaben sind online verfügbar unter: www.theberlinpulse.org.

Angebote für Journalistinnen und Journalisten (bitte über den Pressekontakt anfragen):

  • Interview mit Nora Müller, Leiterin des Bereichs Internationale Politik der Körber-Stiftung
  • Tabellenband von Kantar Public mit allen Umfrageergebnissen
  • Alle Infografiken zum honorarfreien Abdruck auf www.theberlinpulse.org
  • Folgen Sie uns auf Twitter unter @KoerberIP und kommentieren Sie die Ergebnisse mit dem Hashtag #TheBerlinPulse. Verfolgen Sie Reaktionen auf die Umfrage auch über unsere Kanäle auf Facebook, LinkedIn und Instagram.

Pressemeldung zum Download (PDF)

Informationen zum Thema:
Bereich Internationale Politik
Julian Claaßen
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E-Mail claassen@koerber-stiftung.de
www.koerber-stiftung.de
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