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  • Der Agrar-Ingenieur Josef Martin ist seit 30 Jahren ehrenamtlicher Vorsitzender der Seniorengenossenschaft Riedlingen (Foto: Bianca Hohl)
  • - Meldung

    Bürgerschaftliche Selbsthilfestrukturen in Kommunen

    Im elften Stadtlabor Online berichtet Josef Martin von der Seniorengenossenschaft Riedlingen und vom Nutzen und auch der Wirtschaftlichkeit des solidarischen Genossenschaftsgedankens. Die Förderung von sogenannten sorgenden Gemeinschaften ist für ihn zentral bei der Überlegung, wie Kommunen dem demografischen Wandel begegnen können.

    Der Agrar-Ingenieur ist seit 30 Jahren ehrenamtlicher Vorsitzender der Seniorengenossenschaft Riedlingen. Um seine Heimatstadt Riedlingen am Rand der schwäbischen Alb demografiefest zu machen, gründetet er 1991 die Seniorengenossenschaft: ein Pionierprojekt und Modell für viele spätere Seniorengenossenschaften im ganzen deutschsprachigen Raum. 

    In Riedlingen gehören zur Seniorengenossenschaft barrierefreie Wohnungen, eine Demenztagespflege, Hilfe im Haushalt, Essens- oder Fahrdienste. Neben Fachkräften erbringen vor allem auch über 100 ältere Bürgerinnen und Bürger diese Leistungen und erhalten für ihr Engagement eine Vergütung oder eine Gutschrift auf ein Zeitkonto. Von 10.000 Einwohnern sind heute ca. 900 Mitglieder der Seniorengenossenschaft, die die Rechtsform eines eingetragenen Vereins vorweist. Das Erfolgsrezept: bürgerschaftlich organisiert, selbst gestaltet, unabhängig und finanziell eigenständig. Das Resultat: bezahlbare Preise für die Versorgung im Alter ein längeres Wohnen in den eigenen vier Wänden oder sogar bis zum Lebensende und eine Entlastung der jüngeren Generation.

    Dies funktioniert jedoch nur, wenn alle einschlägigen Einrichtungen, Gruppen und Organisationen vor Ort gut zusammenarbeiten. Und das könne nur klappen, wenn bürgerschaftlichen Aktivitäten von der Politik mehr Freiraum gegeben würde, so Josef Martin. 

    Darüber hinaus brauche es ebenfalls eine Bewusstseinsänderung dahingehend, dass Menschen auch nach dem Ruhestand aktiv an der gesellschaftlichen Gestaltung mitwirken. Eine Teilnehmende des Stadtlabor Online bestätigt diese Forderung der längeren Lebensarbeitszeit und betont die Bedeutung der Babyboomer-Generation. Doch wie appelliert man an die Verantwortung derer, die bald in hoher Anzahl in den Ruhestand gehen? Auch auf diese Frage antwortet Josef Martin mit dem Netzwerk-Gedanken: Am besten erreiche man potenzielle Engagierte immer über die gezielte Ansprache durch Bezugspersonen.

    Ilona Friedrich, Bürgermeisterin der Stadt Kassel und Teilnehmende am Stadtlabor Online, berichtet von einer Vielzahl von Initiativen in Kassel. Ein Beispiel sei die Initiative »Gemeinsam im Alter« (GiA), ein gemeinschaftliches Wohnprojekt, um Vereinsamung im Alter vorzubeugen. Auch sie betont das große Potenzial von bürgerschaftlichen und sorgenden Selbsthilfeeinrichtungen in Kommunen. 

    Josef Martin wird als Sozialunternehmer 60plus am 8. Juni 2021 mit dem Zugabe-Preis der Körber-Stiftung ausgezeichnet. Die Preisverleihung wird im Livestream der Stiftung übertragen.

    Im Stadtlabor Online treffen sich die Alumni des Programms Alter und Kommune der Körber-Stiftung zum monatlichen kollegialen Austausch. Inhaltliche und methodische Impulse begleiten ihre Arbeit im lokalen Altersmanagement.


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