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Programme > Lebendige Bürgergesellschaft
  • Prof. Dr. Thomas Klie beim Stadtlabor Online (Foto: Marc Doradzillo)
  • - Meldung

    Altersfreundlichkeit in einer sorgenden Gesellschaft

    Angesichts der Herausforderungen einer alternden Gesellschaft, die Themen wie Demenz, Einsamkeit, Zunahme von Single-Haushalten, weniger familiären Pflegepotenzialen, Care-Migration oder der Ausdünnung sozialer Versorgungsnetzwerke im ländlichen Raum umfassen, plädiert Thomas Klie für eine neue Politik der Sorge und für neue sorgende Gemeinschaften.

    Beim dreizehnten Stadtlabor Online erfuhren die Teilnehmenden mehr über die Hintergründe des Leitbegriffs der »Caring Community« und diskutierten über die Rolle der Kommunen.

    Thomas Klie ist Leiter des Freiburger Instituts für angewandte Sozialforschung (AGP Sozialforschung). Er ist Sozialexperte, Gerontologe und Rechtswissenschaftler. In seinen Arbeiten beschäftigt er sich unter anderem mit der sozialen Gerontologie und Pflege. Für ihn steht fest: Ein gutes Leben im Alter braucht insbesondere eine Rückbesinnung auf die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs Sorge. So müsse der Begriff immer anthropologisch reflektiert und mehrdimensional gedacht werden. Es umfasst die Sorge um andere, die Sorge um sich selbst und die Sorge um ein gutes Leben für alle. Aber auch die Sorge um eine demokratische Gesellschaft ist elementarer Bestandteil der »Sorge«, wie sie Thomas Klie definiert. Dieses Verständnis prägt das Leitbild der Caring Community – ein Leitbild gemacht für eine Gesellschaft, die sich in neuer Weise Sorgeaufgaben stellen muss. Es braucht sorgende Gemeinschaften, um in Zukunft faire und tragfähige Sorgenetze zu schaffen, die nicht allein auf klassischen Familienbildern und -rollen basieren.

    Doch was bedeutet das für die Umsetzung in den Kommunen? Es bedarf vielfältiger Beteiligungs- und Bildungsprozesse zur Gestaltung des demografischen Wandels vor Ort, damit bewährte und neue Formen des  Zusammenspieles zwischen Bürgerinnen und Bürgern und Staat den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft ermöglichen. Diese Prozesse sind vielfältig und von Ort zu Ort unterschiedlich. Entscheidend sind aber Diskurse und Lösungen vor Ort, die getragen werden von Offenheit für neue zivilgesellschaftliche Perspektiven der Sorge und ihre kreative, innovative Gestaltung, sagt Klie.

    Darüber hinaus müsse das Leitbild in die Diskussion zur Finanzierung der sozialen Sorgeaufgaben eingebunden und von strukturpolitischen Maßnahmen auf Bundes- und Landesebene begleitet werden. Die Einbettung in die Diskussion um soziale Ungleichheit oder Gender- und Generationengerechtigkeit sei dabei ebenfalls essentiell. Auch die Wissenschaft ist gefragt, um datengestützte Diskurse vor Ort zu qualifizieren und die Kommunen bei zukunftsfähigen Entscheidungen zu unterstützen.

    In der kommunalen Praxis stehen die kommunalen Experten vor Hürden: Die Unterstützung lokaler Hilfestrukturen und die Förderung von Bottom-Up-Projekten sei nicht so einfach möglich, da dies häufig im Spannungsfeld von Verwaltungshierarchien oder mangelnden Ressourcen stehe, so Kerstin Motzer, Beauftragte für Seniorinnen und Senioren der Stadt Leipzig.

    Der kommunale Austausch, zum Beispiel im Stadtlabor Online, sei aber ein wesentlicher Schritt, um die tägliche Arbeit in einen größeren Zusammenhang bringen zu können und gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln, hebt Anette Reinders, Erste Stadträtin der Stadt Norderstedt, hervor.

    Im Stadtlabor Online treffen sich die Alumni des Programms Alter und Kommune der Körber-Stiftung zum monatlichen kollegialen Austausch und erhalten Input aus der Wissenschaft und Praxis.


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