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    Forum Offene Stadt 2021 – Francesca Bria plädiert für einen digitalen New Deal der Städte

    Der Digitalisierung der Stadt eine neue Richtung geben: transparent, demokratisch und nachhaltig – bei der Fachkonferenz Forum Offene Stadt am 5. November 2021 wurde nach alternativen Wegen zur Zukunft der Stadt jenseits technizistischer Utopien großer Techkonzerne gesucht.

    In diesem Jahr diskutierten unter anderem Francesca Bria, Marina Weisband, Markus Beckedahl und weitere Expertinnen und Experten aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft über eine verantwortliche und demokratische Digitalisierung. Mehr als 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer tauschten sich dazu bei Deutschlands größter Fachkonferenz zum Thema Open Data und Open Government in Impulsvorträgen, Panels und Workshops aus. 

    Mit dem Forum Offene Stadt nehmen die Körber-Stiftung und Code for Hamburg bereits zum fünften Mal in Folge die Herausforderungen und Chancen des technologischen Wandels in den Blick. Das Forum bietet gleichermaßen Raum für Debatten und Visionen wie auch für praktische Fragen digitaler Anwendungen zur Lösung von Problemen vor Ort.

    Die Digitalisierung demokratisch gestalten – Stadtplanung als gesellschaftlicher Dialog 

    Francesca Bria, Präsidentin des italienischen nationalen Innovationsfonds und Keynote-Speakerin des diesjährigen Forum Offene Stadt, präsentierte bei der Konferenz ihre Zukunftsvision für Europas Städte als einen Gegenentwurf zu kommerziellen und technologiegetriebenen Modellen der Stadtentwicklung. Laut Bria müsse die Stadtplanung sich wieder mehr daran orientieren, wie Bürgerinnen und Bürger den öffentlichen Raum tatsächlich nutzten. In ihrem Vortrag betonte sie die Notwendigkeit, Städte schnellstmöglich klimaneutral zu gestalten, um Metropolregionen auch in Zukunft als lebenswerten Raum zu erhalten. Ein erster Schritt dahin sei eine freie Datennutzung für alle Bürgerinnen und Bürger und die Möglichkeit, in demokratischen Prozessen an der bedarfsorientieren Gestaltung der Zukunftsstadt mitzuwirken. 

    Dass ein solcher nachhaltiger Wandel in Städten möglich ist, zeigt das Beispiel Barcelona, an dessen Aufbau einer digitalen Bürgerplattform Francesca Bria maßgeblich beteiligt war. Mit gemeinwohlorientierter statt profitgetriebener Datennutzung wurde den Herausforderungen der Großstadt in Barcelona begegnet – es entstanden sogenannte Super Blocks als Quartiere, die nicht nur die alltäglichen Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner auf engem Raum vereinen, sondern auch klimafreundlich und nachhaltig sind. Mit solchen Projekten, betonte Bria, könnten Städte zu Vorreitern in der Erfüllung des  Europäischen Green Deals werden und sich dabei nicht nur smart, sondern auch demokratisch und grün entwickeln. 

    In Deutschland ist man von diesem Europäischen Best-Practice Beispiel derweil noch weit entfernt. 
    Im zweiten und dritten Panel des Tages richtete sich der Fokus auf Fortschritte und Hindernisse im Deutschen »Digitalisierungsdschungel«. Während digitale Anwendungen wie die »Recoverapp« von Jan Kus, Entwickler und Gast des zweiten Panels, die Wiederbelebung der Innenstädte nach langanhaltenden Lockdowns ermöglichen, fehle es auf der anderen Seite an Digitalisierungsexpertinnen und -Experten in den Deutschen Verwaltungen, um das Potenzial der digitalen Tools voll ausschöpfen und den Datenschutz dabei als oberste Priorität mitdenken zu können, so der netzpolitische Aktivist Markus Beckedahl.

    Was alle Panelistinnen und Panelisten des diesjährigen Forum Offene Stadt vereint, ist der Wunsch nach mehr Vernetzung und Austausch zwischen den verschiedenen Akteuren auf politischer und unternehmerischer Ebene. Um den öffentlichen Raum auch in Zukunft für alle lebenswert zu erhalten, müsse man die Digitalisierung als festen Bestandteil der Demokratie sehen und priorisieren, so Staatsrätin Monika Thomas.

    Digitale Stadtplanung – Bald auch in der Mediathek der Körber-Stiftung 

    Sie haben das Forum Offene Stadt verpasst oder möchten sich einzelne Inhalte erneut ansehen? Hier können Sie alle Programmpunkte der diesjährigen Fachkonferenz online abrufen. Auf der Webseite https://offenestadt.info finden Sie zudem auch detaillierte Informationen zur Konferenz, zum Programm sowie zu den Panelgästen und Workshop-Gebenden.


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