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  • Die Teilnehmenden des Stadtlabor demografische Zukunftschancen 2021 in Ostfildern
  • - Meldung

    Quartiersentwicklung für ein altersfreundliches Ostfildern

    In einer alternden Gesellschaft sind Strukturen, Netzwerke und Projektentwicklungen für gutes und gesundes Älterwerden vor Ort gefragt. Ostfildern zeigt vielfältige Möglichkeiten der Umsetzung. Aus diesem Grund trafen sich am 18. und 19. Oktober 2021 die Teilnehmenden des Stadtlabor demografische Zukunftschancen in Ostfildern bei Stuttgart.

    Der strategische Angang

    Am ersten Tag lernten Stadtlaborantinnen und -laboranten den strategischen Angang sowie das Herzstück der integrierten Altenhilfeplanung in Ostfildern kennen – ein Konzept der Quartiersentwicklung für „Gutes Älterwerden“ basierend auf Bedarfsberechnungen zur stationären Pflege sowie Prognoserechnungen, wie sich die Altersstruktur in Ostfildern bis 2030 entwickeln wird. Das Ziel: Möglichst wenige der prognostizierten Pflegeplätze zu realisieren. Die zentralen Prämissen der Quartiersarbeit in Ostfildern heißen daher: so quartiersnah, so ambulant und so gut vernetzt wie möglich.

    Die Umsetzung in den Stadtteilen

    Ostfildern überzeugt mit unterschiedlichen Quartiersprojekten: So wurden kreative Beteiligungsformate erprobt und Ergebnisse in Bürgerkonzeptionen festgehalten. Die Beispiele der Angebote reichen von niedrigschwelligen Sportangeboten für Ältere, wie das 2011 entstandenen Projekt „Bewegung und Spaß“ bis hin zu Bürgertreffpunkten. Ein Best-Practice Beispiel ist das Nachbarschaftshaus im Scharnhauser Park. Es ist ein Lebens- und Wohnort für Menschen mit Demenz bzw. Unterstützungsbedarf und ein Ort der Begegnung. Es vereint einen Bürgertreff, eine stationäre Pflegeeinrichtung, eine Tagespflege, eine ambulant betreute Wohngemeinschaft und ein Offenes Atelier. Das Offene Atelier ist ein Modellprojekt der Erich und Liselotte Gradmannstiftung – ein kreativer Ort für Menschen mit und ohne Demenz und ermöglicht Begegnungen jenseits von kognitiven Voraussetzungen.

    Die Gelingensfaktoren

    Doch was sind die Gelingensbedingungen dafür, dass „Gutes Älterwerden“ in Ostfildern in so vielen Facetten realisiert werden konnte? Die verantwortlichen Vertreterinnen und Vertreter aus der Verwaltung nennen einige Kriterien: Wichtig sei, das Thema Alter – das Politik wie BürgerInnen gern verdrängen – auf die Agenda zu setzen: Die strategische Verankerung, z.B. als Integrierter Stadtentwicklungsplan, ist dabei ebenso wichtig wie der Gang in die Öffentlichkeit. Eine breite lokale Kampagne zum Thema Demenz hat in Ostfildern den Weg geebnet, später so innovative Wohn- und Betreuungsprojekte zu etablieren. Die Teilnehmenden des Stadtlabors hat außerdem überzeugt, dass in Ostfildern von Anfang an Bürgerinnen und Bürger Mitgestaltende aller Entwicklungsschritte zur altersfreundlichen Stadt waren: Befragungen, runde Tische, Denkwerkstätten, Versammlungen haben einen großen Anteil daran, dass die Identifikation und vor allem das Engagement der Bevölkerung für das gute Älterwerden in Ostfildern so außerordentlich hoch sind.  

    Das Engagement ist hier auch besonders langfristig – viele bürgerschaftlich Engagierte begleiten Projekte wie Sportangebote für Ältere im öffentlichen Raum oder die Kreativprojekte für Menschen mit Demenz im Offenen Atelier schon seit vielen Jahr. Beständigkeit und Kontinuität spielen ebenso im Rathaus eine große Rolle. Dass mit Christof Bolay schon der zweite langjährige Oberbürgermeister nachdrücklich hinter den Alterskonzepten steht, hilft sehr dabei, Politik, Verwaltung, BürgerInnen und auch Projektförderer wie die Erich und Liselotte Gradmann Stiftung zu überzeugen. Ein „ausdifferenziertes Netzwerk“ genau dieser Akteure sieht Stadtlabor-Teilnehmer Berthold Becker, Demografiebeauftragter der Stadt Düren, als Voraussetzung für die Etablierung so vieler passgenauer Angebote für ältere Menschen in Ostfildern.

    Das Stadtlabor demografische Zukunftschancen

    Das Treffen in Ostfildern war das dritte Treffen der Werkstattreihe und konnte, nach einem erfolgreichen digitalen Stadtlabor in Pirmasens, unter Einhaltung der Coronaregelungen nun wieder analog nachgeholt werden. Die Teilnehmenden resümieren aus den insgesamt drei Treffen: der offene Austausch in einem kollegialen Netzwerk sei ein Mehrwert für die kommunale Arbeit. „Wir sind zuhause ja alle Einzelkämpfer“, spitzt Alfred Riermeier, Leiter des Familienreferats der Stadt Kaufbeuren ironisch zu.  Konkrete Ideen für das eigene seniorpolitische Gesamtkonzept nimmt Margit Lebershausen als Demografiebeauftragte nach Bayreuth mit. Und Ute Hildebrandt, Bauamtsleiterin in Hille hat Impulse für Alters-Wohnprojekte ebenso wie die stärkere Nutzung von Außengeländen bekommen.

    Das Stadtlabor demografische Zukunftschancen geht auch 2022 weiter. SchlüsselakteurInnen der Verwaltung für die Themen demografischer Wandel sind herzlich dazu eingeladen, sich für die dreiteilige Werkstattreihe 2022 zu bewerben. Durch Expertenimpulse, gute Praxis und kollegiale Beratung werden die Teilnehmenden darin unterstützt, ihre Stadt für den demografischen Wandel und eine ältere Gesellschaft gut aufzustellen. Bewerbungen für den nächsten Durchgang sind noch bis zum 30. November möglich (Hier geht es zur Bewerbung).

     


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