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Meldung

Die Rückkehr der Geopolitik

30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs kehren die alten Machtkämpfe in die internationale Politik zurück. Welche Lehren hält die Geschichte der europäischen Wiedervereinigung für die sicherheitspolitischen Herausforderungen Europas bereit? Darüber sprach die Historikerin Mary Elise Sarotte zum Auftakt des Körber History Forums.

Das Verhältnis zwischen autoritärer Führung, Populismus und liberaler Demokratie in Geschichte und Gegenwart, die Bedeutung der Transformationserfahrungen Mittel- und Osteuropas für das heutige europäische Projekt, Möglichkeiten zur Wiedergutmachung kolonialen Unrechts und die Lehren, die die Vergangenheit für den aktuellen Umgang mit Propaganda und »Fake News« bereit hält – diese und andere Themen wurden am 13.-14. Mai 2019 auf dem Körber History Forum im Humboldt Carrée in Berlin international und interdisziplinär diskutiert. Zu den Sprecherinnen und Sprechern zählten in diesem Jahr unter anderem der ehemalige polnische Präsident BronisławKomorowski, die Pulitzer-Preisträgerin, Historikerin und Kolumnistin Anne Applebaum, der kenianische Ökonom James Shikwati, der amerikanische Historiker Timothy Snyder, der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger und der amerikanische Philosoph Jason Stanley.

Einer der Schwerpunkte der diesjährigen Konferenz war die Zeitenwende von 1989 und ihre Folgen für Europa. Mary Elise Sarotte, Professorin für Geschichte an der Johns Hopkins School of Advanced International Studies in Washington D.C. betrachtete in ihrer Auftaktrede am 13. Mai die Entwicklung der internationalen Ordnung nach dem Ende des Kalten Krieges und erklärte, welche aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen in Europa auf den Fall des Eisernen Vorhangs und die NATO-Osterweiterung zurückzuführen sind.

Im Mittelpunkt des Gesprächs mit dem ehemaligen polnischen Präsidenten Bronisław Komorowski standen die Bedeutung der mittelosteuropäischen Transformationserfahrungen der Jahre um 1989 und der Preis, den der Beitritt zur Europäischen Union für Polen und andere Länder der Region hatte. Welche Werte können auf der Grundlage dieser Erfahrungen das europäische Projekt aus Sicht Mittelosteuropas in Zukunft zusammenhalten? Über die Lehren, die Europa aus den Leistungen und dem Scheitern der Pariser Friedensordnung von 1919 und der Zwischenkriegsdiplomatie ziehen kann, diskutierten der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, und der Marburger Historiker Eckart Conze.

Welche Bedeutung Europas koloniale Vergangenheit für aktuelle Ungleichheit und Konflikte zwischen »Nord« und »Süd« hat und wie es gelingen kann, um zwischen früheren Kolonialmächten und ehemaligen Kolonien zu einem internationalen Dialog auf Augenhöhe zu gelangen, diskutierten unter anderem die amerikanische Historikerin Nwando Achebe, der kenianische Ökonom James Shikwati und der britische Historiker und Direktor des Londoner Institute of Commonwealth Studies, Philip Murphy. »Die Macht der Manipulation« lautete das Thema des Abschlusspanels, auf dem unter anderem die Historikerin und Kolumnistin Anne Applebaum und der Philosoph Jason Stanley über den Umgang mit Propaganda und »Fake News« in Geschichte und Gegenwart sprachen.

»Die aktuellen politischen Herausforderungen in Europa lassen sich ohne die Kenntnis der Vergangenheit nur schwer oder gar nicht verstehen. Der Tendenz, Geschichte für politische Zwecke zu instrumentalisieren, will das Körber History Forum mit seinem internationalen und interdisziplinären Ansatz entgegenwirken«, erläuterte Gabriele Woidelko, Leiterin des Bereichs Geschichte und Politik der Körber-Stiftung.

Video der Rede von Mary Elise Sarotte
Weitere Videos vom Körber History Forum 2019 in unserer Mediathek
Programm (PDF)
 


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