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Lebendige Bürgergesellschaft

Meldung

Länger arbeiten? Time is on my side!

Immer mehr Deutsche erreichen ein Alter von 100. Und wir altern gesünder und mobiler. Nichts spricht dagegen, dass sich die Älteren auch an der Finanzierung der alternden Gesellschaft beteiligen, findet Alexander Hagelüken. Der leitende Wirtschaftsredakteur der Süddeutschen Zeitung stellte seinen Plan für eine faire Rentenreform im KörberForum vor.

Richtig ausgestaltet müsse die Perspektive des längeren Arbeitens keine Zumutung sein, so Hagelüken im Gespräch mit dem Zeit-Journalisten Rudolf Novotny. Vielmehr könne eine Berufstätigkeit über das gängige Rentenalter hinaus sogar Spaß machen, die Gesundheit erhalten und dazu die jüngeren Generationen entlasten.

Längst habe die Dienstleistungsgesellschaft die Plackerei abgelöst. Weil der Beruf weniger Schufterei sei als früher, mögen ihn die Meisten ganz gerne. Körperlich schwere Arbeit und langweilige Routine werde immer mehr von Maschinen übernommen. Für den Menschen bleibe das Kreative und Soziale. Und das sei nicht nur interessanter, sondern auch im Alter leichter zu bewerkstelligen.

Menschen ab 60 Jahren müssten das Gefühl bekommen, dass sie ihre körperlichen und geistigen Fähigkeiten selbst gestalten und sich aktiv einbringen können, fordert Hagelüken. Die Politik müsse ein vielfältiges Angebot an Weiterbildung und Berufstätigkeit im Alter fördern, anstatt die Rente mit 63 zu finanzieren. Diese Frühverrentung sei nicht nur in den meisten Fällen ungerecht, sondern wird auf den Schultern der jüngeren Generation und mit Blick auf kurzfristige Wahlergebnisse gewährt.

Im gleichen Zusammenhang kritisiert Hagelüken Minijobs und Zeitarbeit, die die Möglichkeit der Rentensicherung nur verschärft hätten und verdeutlichten, wie sich das Machtgleichgewicht zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in den letzten 30 Jahren zugunsten der Arbeitgeber verschoben habe. Hier müsse die Politik dafür sorgen, die Balance wiederherzustellen. Vor dem Hintergrund der innovativen Entwicklungen in Automatisierung und Künstlischer Intelligenz plädiert Hagelüken dafür, die von Maschinen erwirtschafteten Gewinne gerecht zu verteilen.

Die Reformierung des Rentensystems müsse über verschiedene und vielfältige Maßnahmen realisiert werden. Dazu gehöre, das gängige Bild des älteren Berufstätigen zu hinterfragen. Die Zeit sei reif für einen Mentalitätswandel.

Goethe und Picasso, Mick Jagger und Bob Dylan, Jupp Heynckes und Wolfgang Schäuble, ja selbst der Papst arbeiteten noch, so Alexander Hagelüken. Auf dem Weg zum längeren Arbeiten könnten Beschäftigte von Künstlern lernen. Denn diese arbeiteten nicht, weil sie so lange lebten, sondern lebten so lange, weil sie arbeiteten. 

Alexander Hagelüken war zu Gast in der Reihe »Demografie 3D«. Denken. Deuten. Diskutieren: Die Reihe bringt Demografie- und Altersthemen in die öffentliche Debatte.

Video »Demografie 3D: Länger arbeiten?«


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