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Roten Teppich ausrollen

Angefangen hatte es vor fast 15 Jahren. Der Bildhauer Frank Raendchen schuf im Auftrag der Körber-Stiftung am Eingang zur HafenCity einen 27 Meter langen, mit farbigen Ornamenten verzierten »Steinernen Orientteppich«. Bis Ende August will Raendchen nun den verblassten Teppich in neuem Rot erstrahlen lassen.

Auf der Wilhelminenbrücke in Richtung HafenCity gibt es viel zu sehen. Vor einem funkeln die Fenster der Elbphilharmonie, rechts lockt der Fluss zu einem Blick in die Ferne und links verführt das Panorama der Speicherstadt die Spaziergänger zum Zücken des Smartphones, um für ein Selfie zu posieren. Doch spätestens hier, in der Mitte über dem Fleet, lohnt es sich inne zu halten und die Augen nach unten auf die Füße zu richten.

Denn wo im Moment noch Absperrgitter den Bürgersteig blockieren, entsteht in den nächsten Wochen in mühevoller Kleinarbeit ein wunderschöner Orientteppich. Aber nicht aus flauschiger Wolle, sondern aus hartem Stein. Verantwortlich dafür ist der Künstler und Steinbildhauer Frank Raendchen. Von ihm stammt die Idee. 

»Weil die Körber-Stiftung dieses Jahr 60-jähriges Jubiläum feiert, wollte ich ihr zu Ehren einen roten Teppich ausrollen«, erklärt Frank Raendchen. »Der Vorgänger war nämlich hauptsächlich blau.« Einige Besucher erinnern sich bestimmt. Angefangen hatte alles vor fast 15 Jahren. Damals wollte der Bildhauer eine 27 Meter lange (Teppich)brücke auf einer Brücke realisieren. »Inspiriert hatte mich die Tatsache, dass die Hansestadt seit vielen Jahrzehnten der Hauptumschlagplatz für handgeknüpfte Orientteppiche gewesen ist«, sagt Raendchen.

Also ging er zu einem Händler und entdeckte fast auf Anhieb einen »Läufer«, der ihm gefiel. »Das Blau und die floralen Ornamente strahlten etwas Maritimes aus«, erinnert sich der Künstler. Das Hauptmotiv war eine Lotusblüte. »Tatsächlich spiegelte dieser Orientteppich das Sinnbild des Paradiesgartens wider. Der Verkäufer erklärte mir die Bedeutung: hier werden keine Waffen getragen, es wird nicht gestritten, sondern fair verhandelt«, sagt Raendchen. »Deswegen habe ich auch, als wir mit dem Verlegen fertig waren, mit meiner Frau das erste Liebesschloss an das Brückengeländer gehängt.«

Während im Laufe der Jahre noch viele andere dazugekommen sind, fing der steinerne Teppich langsam an, seine Farbigkeit zu verlieren. Eine Ursache war der scharfkantige Steinsplitt, der im Winter verstreut wird. Nun muss er abgetragen werden und macht Platz für einen neuen. »Mein tragender Gedanke war, den roten Teppich auch für die HafenCity und die Stadt auszulegen«, sagt Raendchen. »Gleichzeitig soll er die Gastfreundschaft symbolisieren.« Entschieden hat sich der Künstler diesmal für einen turkmenischen Teppich, verziert mit einer überdimensionalen Lotosblüte und einer stilisierten Wasserkaraffe. Eingefasst werden die zwei großen Symbole von kleinen Mustern, den sogenannten Hexenaugen. »Ihre Aufgabe ist es, das Böse abzuwenden«, erklärt der Steinbildhauer. Damit das Kunstwerk länger hält, wird bei der Realisierung roter Naturstein verwendet – in Anlehnung an die vorherrschende Ziegelfarbe der Backsteinarchitektur in der Speicherstadt.

Auch diesmal werden viele Freiwillige den Bildhauer vor Ort unterstützen. Einige seiner Schüler – Raendchen arbeitet auch als Kunstlehrer – sind dabei sowie interessierte Bürgerinitiativen. Das letzte Mal hat auch ein junger Flüchtling aus Afghanistan mitgemacht. »Seine Hilfe hat mir viel bedeutet«, erinnert sich Raendchen. »Er erzählte mir, dass er früher als Kind selber Teppiche geknüpft hat. Seine Fingerfertigkeit und seine Erzählungen über die Weitergabe von Traditionen haben mich sehr beeindruckt.«  Und so soll auch der neue steinerne Teppich wieder die Menschen auf ihrem Weg über die Wilhelminenbrücke bewegen und verbinden.

Für den Zeitraum Mitte bis Ende August suchen wir Helferinnen und Helfer, die Frank Raendchen und sein Team bei den Arbeiten am Teppich unterstützen.
Alle weiteren Infos zum Einsatz und den konkreten Zeiten finden Sie ab Ende Juli auf dieser Website.


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