Lebendige Bürgergesellschaft

Die Menschen in Deutschland werden nicht nur immer älter – sie bleiben auch länger gesund und aktiv. Unsere Vorstellung vom Ruhestand hat sich überholt. Sozialwissenschaftler, Psychologen und Biologen beobachten gerade, wie eine neue, dritte und gar nicht passive Lebensphase die Jahre nach der Lebensmitte und dem Berufsausstieg füllt. Eine aktuelle forsa-Umfrage im Auftrag der Körber-Stiftung zeigt: Die Altersgruppe vor und nach dem Renteneintritt zeigt ein großes soziales Kapital, nämlich ein profundes gesellschaftliches Interesse, eine enorme Bereitschaft, auch im Alter zu arbeiten oder sich gesellschaftspolitisch zu engagieren, und sogar den Mut, mit Gründergeist im Alter ganz neue Wege zu gehen.

Unsere Gesellschaften werden immer vielfältiger. Politiker wie Bürgerinnen und Bürger in unseren Städten, Gemeinden und Dörfern sollten sich daher auf eine Zukunft einstellen, die nicht nur von Vielfalt, sondern sogar von »Superdiversität« geprägt ist. Das meint: Wir sind auf dem Weg in eine Gesellschaft ohne klare, homogene Mehrheit; an ihre Stelle treten eine Vielzahl an Minderheiten. Die Broschüre »Die superdiverse Stadt« bietet Impulse von Experten, konkrete Empfehlungen sowie Beispiele guter Praxis zum Thema.

Der Durchschnittsdeutsche lebt länger und hat seit 1950 15 Lebensjahre hinzugewonnen. Das Paradoxe aber ist: Er merkt davon kaum etwas, denn die Arbeit bestimmt weiterhin den Rhythmus seines Lebens, und er hetzt durch seine Biografie nach dem alten Dreiklang: Ausbildung, Arbeit, Ruhestand. Eine aktuelle forsa-Umfrage im Auftrag der Körber-Stiftung zeigt: Nur zwei Prozent denken, dass die Rentenreformen ausreichen. Zwei Drittel erwarten, dass es den jetzt jungen Menschen im Alter schlechter gehen wird als ihren Eltern.

Um in Zeiten des demografischen Wandels das gesellschaftliche Gefüge zusammenzuhalten, werden große Hoffnungen in das Engagement Älterer gesetzt. Was ist schon heute der Beitrag der Generation 60+, um das Zusammenleben in Zukunft zu stärken? Was sind die Erfolgsfaktoren und Konzepte für ein starkes Engagement von Älteren? Und in welchen Themenfeldern können Ältere zu Bewegern werden? Die Broschüre fasst die wichtigsten Aspekte zum Thema Engagement und Alter zusammen und stellt gute Praxisbeispiele aus anderen Ländern vor.

Innovation

Was die Deutschen über Technik denken - das untersucht das TechnikRadar von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und Körber-Stiftung. Die jährliche Analyse bietet fundierte Impulse für die öffentliche Debatte um den Stellenwert, die Gestaltung und die Regulierung technischer Innovationen. Sie dient auch als Frühwarnsystem, um mögliche Fehlentwicklungen des technologischen Wandels zu vermeiden. Im TechnikRadar 2018 stehen die Auswirkungen der Digitalisierung im Fokus.

MINT-Regionen sind regionale Netzwerke zur Stärkung der naturwissenschaftlich-technischen Bildung. In ihnen arbeiten wichtige Akteure – von Kindergärten über Schulen und Hochschulen bis zu Unternehmen, Stiftungen, Vereinen und Verwaltungen – eng zusammen und stimmen ihre Angebote aufeinander ab. Doch wie viele MINT-Regionen gibt es in Deutschland? Welche Ziele verfolgen sie und in welcher Form werden sie unterstützt? Alle Informationen rund um das Thema MINT-Regionen sind in der neuen Broschüre zu finden.

Welchen Stellenwert haben Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) bei der Studien- und Berufswahl in Deutschland? Das MINT Nachwuchsbarometer zum Fokusthema »Bildung in der digitalen Transformation« fragt nach dem Interesse und der Motivation von Schülerinnen und Schülern, Auszubildenden, Studierenden und Lehrkräften für die MINT-Fächer und gibt Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der MINT-Bildung und Nachwuchsförderung. Die diesjährige Studie stellt erheblichen Nachholbedarf bei der Vermittlung digitaler Kompetenzen in der Schule, der dualen Ausbildung, aber auch bei den Eltern fest.

Für persönliche Entwicklung, gesellschaftliche Teilhabe und beruflichen Erfolg sind heute andere Fähigkeiten erforderlich als noch vor 20 Jahren. Ist Hamburg als Bildungs- und Wissenschaftsstandort dafür gerüstet? Und wo besteht derzeit der größte Handlungsbedarf? Die qualitative Studie des mmb Instituts im Auftrag der Körber-Stiftung liefert hierfür eine solide Faktenbasis, differenzierte Einschätzungen und konkrete Handlungsempfehlungen von Vertretern aus Hamburger Bildungseinrichtungen, Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft.

Der weltweite Bedarf an Akademikern und Fachkräften setzt die Regierungen weltweit unter enormen Druck und führt dazu, dass sich die Bildungssysteme mit hoher Geschwindigkeit verändern. Dieser Boom der Hochschulbildung hat zu nationalen Bildungssystemen geführt, die heterogen und in sich vielfältig sind, doch es fehlen langfristige Strategien und ein stimmiger Aufbau. Die Studie des Center for International Higher Education des Boston College im Auftrag der Körber-Stiftung analysiert die Realitäten, Dynamiken und Trends postsekundärer Bildungssysteme in 13 Ländern.

Internationale Verständigung

Das Verhältnis zur Türkei ist stark angespannt. Für Andreas Nick, Mitglied des Bundestags und Türkei-Berichterstatter der CDU/CSU-Fraktion, steht fest: Gerade zu einer Zeit, in der die Türkei sich wieder stärker als Teil der islamischen Welt begreift, sollten wir ihre Bindungen zum Westen festigen und weiterentwickeln. Taha Özhan, ehemaliger Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im türkischen Parlament, argumentiert, dass die Zugehörigkeit der Türkei zum Westen eine geopolitische Frage des 20. Jahrhunderts war, die heute ihre Bedeutung eingebüßt hat. Stattdessen steht der »geopolitische Westen« selbst in Frage.

Auf der letzten Sitzung des German-Russian International Dialogues im April 2018 in Moskau diskutierten Vertreter aus Deutschland und Russland über das derzeitige Verhältnis beider Länder. Der Generaldirektor des Russian International Affairs Council (RIAC) in Moskau, Andrey Kortunov, fordert in seinem Beitrag für die »Körber Globals« die Bundesregierung auf, erste Schritte zur Verbesserung der Beziehungen zu ergreifen. Anders sieht das Liana Fix, für die die deutsch-russischen Sonderbeziehungen längst an ihrem Ende angekommen sind. Deutsche Russlandpolitik, so die Programmleiterin im Bereich Internationale Politik der Körber-Stiftung, muss statt dessen international mehr Verantwortung übernehmen.

Auf dem 165. Bergedorfer Gesprächskreis der Körber-Stiftung, der im Mai 2017 in St. Petersburg stattgefunden hat, diskutierten internationale Politiker und Experten, worin die Abkehr Russlands von Europa begründet liegt und sich Europa in dieser neuen Situation verhalten soll? Die Beiträge des russischen Wirtschaftswissenschaftlers Alexander Dynkin und des deutschen Außenpolitikers Norbert Röttgen spiegeln die Sicht aus deutscher und russischer Perspektive wider – festgehalten für die neue Thesenreihe »Körber Globals«.

65 Prozent der Bevölkerung in Polen nehmen keine politische oder ökonomische Bedrohung aus dem Nachbarland Deutschland wahr. Doch das Vertrauen wird in Deutschland nicht erwidert: 48 Prozent der befragten halten die polnische Regierung nicht für einen verlässlichen Partner in der EU. Umgekehrt ist die Zustimmung Polens zur deutschen Europapolitik nach wie vor hoch. Das sind zentrale Ergebnisse im zweiten Teil des »Deutsch-Polnischen Barometers 2018«, einer repräsentativen Untersuchung im Auftrag des Warschauer Instituts für öffentliche Angelegenheiten, der Körber-Stiftung und der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Die Öffnung des Eisernen Vorhangs und die europäische Wiedervereinigung gaben auch der Annäherung zwischen den beiden Nachbarländern Deutschland und Polen wichtige Impulse. In jüngster Zeit ist es allerdings gerade bei der Auseinandersetzung mit historischen Fragen wieder zu Kontroversen gekommen. Wie steht es also um die Beziehungen zwischen Deutschland und Polen aktuell? Die Studie legt einen besonderen Akzent auf die Bedeutung der Geschichte für das Miteinander beider Länder. Auf dem Körber History Forum 2018 in Berlin wurden die Ergebnisse erstmals präsentiert.

»Reinventing ‚Westphalia‘. Historical Lessons for a Future Peace in the Middle East« bündelt die Ergebnisse der Diskussionen, die zwischen Entscheidungsträgern und Experten aus Politik und Wissenschaft im vergangenen Jahr in Amman, Riad, Teheran, Berlin und München stattfanden. Die Publikation behandelt die Parallelen zwischen dem Dreißigjährigen Krieg und den aktuellen Konflikten im Nahen und Mittleren Osten, skizziert Lösungsansätze und schlägt Leitlinien vor, mit denen eine stabile Friedensordnung in der konfliktreichen Region etabliert werden könnte.

»Eine lebendige Demokratie und starke Wirtschaftsnation wie Deutschland muss sich international aktiv einbringen«, betont die ehemalige US-Außenministerin Condoleezza Rice im Interview mit »The Berlin Pulse«, der neuen außenpolitischen Publikation der Körber-Stiftung. Sie enthält internationale Erwartungen an die deutsche Außenpolitik.

Die gescheiterten Jamaika-Sondierungen werden Deutschlands Rolle in Europa und der Welt schwächen, besagt die Umfrage »Einmischen oder zurückhalten?« der Körber-Stiftung. Ein weiteres Ergebnis ist, dass Zurückhaltung den Deutschen wichtiger als Engagement in Krisen ist. Frankreich soll wichtigster außenpolitischer Partner sein.

Der Ukraine-Konflikt und die daraus resultierenden Sanktionen sind schuld an der politischen Eiszeit zwischen Russland und der EU – darin sind sich Deutsche, Russen und Polen einig. Zu diesem Ergebnis kommt die repräsentative Umfrage »Russland in Europa: Kalter Krieg in den Köpfen?« von Kantar Public Detuschland im Auftrag der Körber-Stiftung. Über die Auswege aus der Krise ist man sich allerdings uneins. Während sich Deutsche und Polen einerseits mit deutlicher Mehrheit eine Wiederannäherung zwischen Russland und der EU wünschen, plädieren die Polen andererseits klar dafür, die Sanktionen beizubehalten oder zu verschärfen, die Deutschen sind in dieser Frage gespalten.

Seit Mai 2014 veröffentlicht die Körber-Stiftung repräsentative Umfragen von Kantar TNS Infratest Politikforschung zur Haltung der Deutschen zur Außenpolitik. Die letzte Aktualisierung nach der US-Präsidentschaftswahl 2016 machte deutlich: Das Interesse der Deutschen an Außenpolitik wächst. Zwar befürwortet eine knappe Mehrheit weiterhin außenpolitische Zurückhaltung, ihr Anteil ist seit 2014 jedoch gesunken. Nach dem Sieg von Donald Trump haben die Beziehungen zu den USA die Flüchtlingspolitik als größte Herausforderung abgelöst, gefolgt von dem Verhältnis zur Türkei und Russland.

Brexit, Flüchtlingskrise, transatlantische Entfremdung: Das »europäische Projekt« steckt in der wohl tiefsten Krise seiner 60-jährigen Geschichte. Wie blicken die Deutschen in dieser kritischen Phase auf Europa? Hat die EU noch eine Zukunft? Und wenn ja, wie sollte diese aussehen? Antworten bietet eine repräsentative Umfrage von TNS Infratest Politikforschung zur Sicht der Deutschen auf Europa und die Europäische Union, die die Körber-Stiftung anlässlich des Berliner Forums Außenpolitik in Auftrag gegeben hat.

Die Beziehungen zwischen Russland und den meisten seiner europäischen Nachbarn stecken in einer tiefen Krise. Auf politischer Ebene herrscht ein tief greifender Vertrauensverlust. Aber hegen inzwischen auch die Menschen in Russland und seinen europäischen Nachbarländern ein wachsendes Misstrauen gegeneinander? Antworten liefert die repräsentative Umfrage von TNS Infratest Politikforschung im Auftrag der Körber-Stiftung, die zeitgleich in Russland und Deutschland durchgeführt wurde.