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Irina Scherbakowa, Karl Schlögel

Der Russland-Reflex

Einsichten in eine Beziehungskrise

Der Russland-Reflex

Das deutsch-russische Verhältnis war immer sehr speziell: geprägt von Faszination und Nähe und zugleich von Angst und Fremdheit. Seit der Ukraine-Krise sind die deutsch-russischen Beziehungen aber an einem neuen Tiefpunkt angelangt. Alte Vorurteile und Befürchtungen kehren reflexhaft zurück, der politische und zivilgesellschaftliche Dialog stockt.

Die russische Historikerin und Bürgerrechtlerin Irina Scherbakowa und der renommierte Osteuropa-Historiker Karl Schlögel blicken in diesem Gespräch auf ihre jahrzehntelange Arbeit für die deutsch-russische Verständigung zurück und berichten über ihre Erfahrungen zwischen Kaltem Krieg, Glasnost und der Putin-Zeit. Seit einigen Jahren sind sie Zeugen einer erneuten Instrumentalisierung von Geschichte, der Rückkehr rhetorischer Stilmittel aus Zeiten des Kalten Krieges und einer zunehmenden Verständnislosigkeit. Grund genug, über die Zukunftsperspektiven zu sprechen: Was bleibt von den jahrzehntelangen Bemühungen um Verständigung und Dialog? Nur ein Scherbenhaufen? Oder geht die Phase der Entfremdung, der Feindbilder und der Sprachlosigkeit wieder vorüber?

Mit der Kraft und Nachdenklichkeit ihrer lebenslangen Erfahrung gehen Irina Scherbakowa und Karl Schlögel dem »Rätsel Russland« auf den Grund.

Über Irina Scherbakowa

Foto: David Ausserhofer

Die promovierte Germanistin, Historikerin, Publizistin und Übersetzerin Irina Scherbakowa, Jahrgang 1949, lehrt am Zentrum für Erzählte Geschichte und visuelle Anthropologie der Moskauer Afanassjew-Universität. Für ihren Film »Alexander Men. Treibjagd auf das Sonnenlicht« (WDR 1993) wurde sie mit dem Katholischen Journalistenpreis ausgezeichnet. Seit 1999 gehört sie dem Kuratorium der Gedenkstätte Buchenwald in Weimar an.

Irina Scherbakowa ist Koordinatorin des russischen Geschichtswettbewerbs für Jugendliche, der von der Menschenrechtsgesellschaft MEMORIAL seit 1999 jährlich ausgerichtet wird. Als Nichtregierungsorganisation setzt sich MEMORIAL für die Aufklärung der sowjetischen Repression und den Schutz der Menschenrechte im heutigen Russland ein. MEMORIAL ist Mitglied des europäischen Geschichtsnetzwerks EUSTORY der Körber-Stiftung.

2005 wurde Irina Scherbakowa mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet; 2014 erhielt sie den Carl-von-Ossietzky-Preis für Zeitgeschichte und Politik.

Stand: 13.03.2019

Über Karl Schlögel

Karl Schlögel (Foto: Körber-Stiftung/<br />David Ausserhofer)

Karl Schlögel ist einer der bekanntesten Osteuropa-Historiker Deutschlands und Autor zahlreicher Standardwerke über Russland.

Schlögel studierte Osteuropäische Geschichte, Philosophie, Soziologie und Slavistik an der Freien Universität Berlin (1969 - 1981) und promovierte dort mit einer Arbeit über Arbeiterkonflikte in der poststalinistischen Sowjetunion. Forschungsaufenthalte führten ihn anschließend nach Moskau (1982/1983) und Leningrad (1987). 1990 wurde er auf den Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte an der Universität Konstanz berufen; von 1994 bis 2013 lehrte er Osteuropäische Geschichte an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).

Für seine Arbeit wurde er u. a. mit dem Bundesverdienstkreuz, dem Leipziger Buchpreis und dem Franz-Werfel-Menschenrechtspreis ausgezeichnet. In der Edition Körber erschien 2015 der Gesprächsband »Der Russland-Reflex« mit Irina Scherbakowa.

Stand: 29.12.2015
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