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Schüler erforschen Revolutionen

›So geht’s nicht weiter. Krise, Umbruch, Aufbruch‹, lautete das Thema der 26. Ausschreibung des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten. Knapp fünf Prozent der Arbeiten beschäftigten sich dabei mit den Errungenschaften der Novemberrevolution und Märzrevolution im 19. und 20. Jahrhundert.

 

Der 100. Jahrestag der Novemberrevolution 2018/19 war für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer des diesjährigen Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten Anlass, sich näher mit diesem Teil der Deutschen Geschichte auseinanderzusetzen. In ihren Beiträgen untersuchten sie die regionalen Ausprägungen der Revolution auf ihre Heimatorte. Dabei interessierten sich die Jugendlichen vor allem für die Auswirkungen, die die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen auf das alltägliche Leben der Menschen damals mit sich brachten. Kjell aus Kiel untersuchte in seinem schriftlichen Beitrag die Ursachen, die 1918 zum Matrosenaufstand in Kiel führten und die Revolution auslösten. Den Aufstand und dessen Folgen identifiziert der Sechstklässler hierbei als Umbruch. Die Lehren, die die Marine daraus zog, als Aufbruch.

In dem Beitrag einer Schülergruppe aus Ansbach in Bayern verfolgt der Leser des Beitrags die Ausmaße der Revolution auf ihre Heimatstadt anhand einer durch die Schülerinnen und Schüler geschaffenen ›Perspektivfigur‹, die sich durch die Tageszeitung, damals ein konkurrenzloses Medium, liest. Die Idee kam den Teilnehmenden während ihrer Recherchen: »Wir bemerkten bald, dass wir eigentlich genau die Perspektive einnehmen müssen, die auch die Zeitgenossen in Ansbach hatten, die sich aus der Tageszeitung ihre politischen Informationen besorgten.«

Schüler betonen Bedeutung demokratischer Errungenschaften 

Andere Schülerinnen und Schüler gingen noch weiter zurück in der Geschichte und untersuchten die Märzrevolution von 1848/1849. Die damals neu errungene Pressefreiheit und die Politisierung der bürgerlichen Öffentlichkeit motivierte die Teilnehmenden, besonders die damaligen Zeitungen näher unter die Lupe zu nehmen. Hannah, Malaika und Ole untersuchten die Anfänge der Revolution in ihrer Heimatstadt Gießen. Mit Hilfe von Memoiren und Zeitungen, die sie im Stadtarchiv Gießen recherchieren konnten, zeichnen sie einen multiperspektiven Blick auf die Veränderungen in der Wirtschaft und damit einhergehend in den Lebensumständen. Durch die Auseinandersetzung mit dem historischen Thema der Märzrevolution wurde Hannah, Malaika und Ole die anhaltende Wichtigkeit einer demokratischen Verfassung auch in heutiger Zeit bewusst. »Wir erleben momentan eine Entfremdung zwischen den Menschen, einmal zwischen den vielen politischen Lagern, aber auch eine gesellschaftliche. […] In einer Demokratie müssen wir Verständnis für die Interessen und Meinung anderer aufbringen«, so ihr Fazit.

Auch der Elftklässler Richard aus Bielefeld analysierte, bezogen auf das Fürstentum Lippe, die damalige politische Presse mit Blick auf den Konflikt zwischen Demokratie und Monarchie und resümiert am Ende seiner Forschung: »Ich war ziemlich überrascht, wie viele Ähnlichkeiten der politische Diskurs in der Presse zur Gegenwart besitzt, zumal die Zeitungen sich gegenseitig anfeindeten und zu diskreditieren versuchten, was heutzutage zwischen den gegensätzlichen politischen Lagern an der Tagesordnung ist.«

Eine Schülergruppe aus Hamburg hat ihr Thema besonders kreativ-künstlerisch umgesetzt. Anhand von Tagebucheinträgen, Briefen und weiteren Dokumenten erarbeiteten die Schüler die Situation der Arbeiterschaft und stellen sich die Frage, inwiefern die Revolution 1918/19 als Aufbruch in eine neue Zeit bewertet werden kann. Ihre Ergebnisse präsentieren die vierzehn Elftklässler in Form eines Theaterstücks. »Dass wir ein Theaterstück als Darstellungsform gewählt haben, hatte einen ganz besonderen Grund: Eine Revolution ist ein interaktiver und energetischer Prozess, der sich nicht gut über einfaches Lesen von Texten übermitteln lässt. Außerdem sind die Zuhörer so besser zu erreichen. […] Die Personen aus der Zeit werden lebendig. So sind sie für die Zuschauer und uns viel greifbarer geworden. Durch das Theaterstück mussten wir uns außerdem sehr intensiv mit dem Thema auseinandersetzen und haben uns auf eine Art Zeitreise begeben«, fassen die Schüler zusammen.

Über den Geschichtswettbewerb
Seit 1973 richten die Hamburger Körber-Stiftung und das Bundespräsidialamt den Geschichtswettbewerb aus, der auf eine gemeinsame Initiative des damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann und des Stifters Kurt A. Körber zurückgeht. Ziel ist es, bei Kindern und Jugendlichen das Interesse für die eigene Geschichte zu wecken, Selbstständigkeit zu fördern und Verantwortungsbewusstsein zu stärken. Ausgeschrieben wird der mit bislang über 147.000 Teilnehmern und rund 33.500 Projekten größte historische Forschungswettbewerb für junge Menschen in Deutschland in einem zweijährigen Turnus und zu wechselnden Themen.

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