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Slam Poetry gegen das Vergessen

Lars Ruppel, mehrfacher deutscher Meister im Poetry Slam, engagiert sich seit Jahren für Menschen mit Demenz. Sein Anspruch: »Ich möchte die kulturelle Biografie der Menschen wachhalten.« Ist das angesichts einer demenziellen Beeinträchtigung überhaupt möglich, fragen sich viele.

Lars Ruppels Antwort ist klar und einfach: »Ich möchte, dass wir Menschen mit Demenz kulturell und intellektuell auf Augenhöhe begegnen«. Deshalb entwickelte der Slam-Poet das Projekt »Weckworte«: In den »Weckworte«-Workshops lernen Schüler, Pflegende, Angehörige und andere Interessierte, wie Poesie zum Kommunikationsmittel wird. Sie üben, Gedichte für Menschen mit Demenz oder kognitiven Beeinträchtigungen vorzutragen, und zwar nicht nur »olle Kamellen«, wie Lars Ruppel fordert, sondern auch solche Gedichte, mit denen sich die Pflegenden und die Angehörigen selbst entfalten. »Damit schaffen wir lebendige Orte voller Kultur. Es geht darum, den Moment zu genießen, fröhlich zu sein und positiv zu bleiben«, erklärt Lars Ruppel. »Wir wollen die Lebensfreude wecken. Die wirklich stark beeinträchtigten Menschen holen wir nicht mehr in unsere Welt zurück. Aber über die Poesie können wir uns selbst in ihre Welt hinein begeben.«

In Anbetracht seiner jahrlangen Erfahrung mit Menschen mit Demenz – »Weckworte« gibt es seit 2009 – es nicht verwunderlich, dass Lars Ruppel das Thema auch in seinen eigenen Gedichten aufgreift.

»Eine knöcheltiefe Pfütze
aus Erinnerung und Zeit
durch die Opa rückenschwimmend
schwelgend mit der Strömung treibt,…«
(aus »Bei Hempels unterm Sofa« in: Geblitzdingst. Slam Poetry über Demenz, Berlin: Saty Verlag, 2016 )

Dass das Thema Demenz auch bei anderen Poeten aktuell ist, fiel Lars Ruppel bei verschiedenen Poetry Slams auf. Also bat er seine Kolleginnen und Kollegen um ihre Texte, die er 2016 in der Anthologie »Geblitzdingst« veröffentlichte. Entstanden ist ein Buch über das »wohl unsexyeste Thema der Welt«, so der Klappentext, das bewegend und unterhaltsam über ein oft verschwiegenes Thema spricht.

Über sein Buch und sein Projekt »Weckworte« wird Lars Ruppel am 6. April im KörberForum sprechen. 


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