Konversion als Chance für Stadtentwicklung

Die Teilnehmer des Stadtlabors demografische Zukunftschancen diskutierten in Senden an der Iller über eine neue Nutzung des alten Webereigeländes und die demografische Zukunftsfähigkeit der Stadt.

Wie kann ein altes Industrieareal mitten in Senden für Einrichtungen und Wohnformen entwickelt werden, die die kleine Stadt südlich von Ulm demografiefest und zukunftsfähig machen? Diese Frage stellte Bürgermeister Raphael Bögge den Demografieverantwortlichen aus verschiedenen deutschen Städten. Sie nahmen alle teil am Stadtlabor demografische Zukunftschancen, mit dem die Körber-Stiftung kommunale Verwaltungen auf ihrem Weg zur Altersfreundlichkeit begleitet.  Die Teilnehmer freuten sich nach zwei bisherigen Workshops mit Experteninput und Diskussion auf die konkrete Fallstudie vor Ort.

Alle stiegen tief in die Geschichte und die Perspektiven einer möglichen Konversion des Webereigeländes ein: Sie ließen sich bisherige Pläne präsentieren, besichtigten den bereits eingerichteten Seniorentreff und nahmen das restliche Gelände um die alte Webereihalle bei einer Begehung in Augenschein – in diesen heißen Junitagen eine besondere Herausforderung. Die Gruppe entwickelte im kollegialen Austausch eigene Ideen und diskutierte schließlich mit Fraktionsvorsitzenden aus dem Stadtrat. Vor allem im Gespräch mit dem Sozialwissenschaftler Konrad Hummel, verantwortlich für die weit beachtete Konversion amerikanischer Kasernenareale in Mannheim, entstanden diverse Impulse für Senden. Konrad Hummel ist auch der Referent einer öffentlichen Vortragsveranstaltung im Bürgerhaus Senden, zu der die Körber-Stiftung eingeladen hatte.

Stadträten und Bürgern legte Hummel dort eine mutige und zeitgemäße Nutzung ihres »Kleinods« nahe. Damit meinte er die Mischung aus identitätsstiftenden historischen Industriegebäuden und Grün und Wasser mitten in der Stadt. Mit Konversion im Sinne von „Veränderung“ müsse jede Kommune umgehen lernen. Denn die Stadt der Zukunft, auch die Sendens, sei im demografischen Wandel »eine einzige soziale Baustelle«, nämlich geprägt von Menschen, die sich nach Alter, Lebensstil und Herkunft immer stärker unterschieden. Für einen solchen »Schmelztiegel dynamischer Entwicklungen« brauche es eine Vision – Wohnbebauung zum Beispiel solle sich nicht an derzeitigen Moden, sondern an zukünftigen Bedarfen wie Barrierefreiheit oder Klimaverträglichkeit ausrichten.

Viele Impulse aus dem Stadtlabor

Mit dem dritten Treffen endete auch der erste Durchgang des »Stadtlabors demografische Zukunftschancen«. Man nehme viel mit, resümierten die Teilnehmer – neue Erkenntnisse zum demografischen Wandel ebenso wie Anregungen für innovatives Verwaltungshandeln. Nach dem Stadtlabor planen einige, nun statt einer isolierten kommunalen Seniorenplanung oder retrospektiver »Altenberichte« das Thema Alter in den Sozialplan für alle Generationen zu integrieren. Demografie-Themen, das ist Konsens, sollten in einer Stadtverwaltung positiver, strukturierter, beteiligungsorientierter und definitiv als Querschnittsthema angepackt werden. Vor allem gingen die Teilnehmenden mit neuer Motivation und Mut zur Veränderung zurück an die Arbeit: »Wir sind nicht allein« – das sei eine ganz wesentliche Erkenntnis aus dem Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen der anderen Städte. Ein Netzwerk für den vertrauensvollen Erfahrungsaustausch, aber manchmal auch den »kollegialen Frustabbau« sei das Stadtlabor.

Die Körber-Stiftung wird das Stadtlabor fortsetzen. Auch für 2019/2020 lädt sie wieder kommunale Schlüsselakteure des demografischen Wandels dazu ein, sich in drei Workshops bundesweit zu treffen, um durch Expertenimpulse, gute Praxis und kollegiale Beratung ihre Stadt für den demografischen Wandel und eine ältere Gesellschaft gut aufzustellen. Bewerbungen für den nächsten Durchgang mit Start im November 2019 sind noch bis Ende August möglich.

Kontakt

Franca Behrens
Programm-Managerin
Expedition Age & City; Körber Demografie-Symposien; Stadtlabor demografische Zukunftschancen

Telefon +49 • 40 • 72 57 02 - 37
E-Mail behrens@koerber-stiftung.de

Karin Haist
Leiterin bundesweite Demografie-Projekte
Stv. Leiterin im Haus im Park

Telefon +49 • 40 • 72 57 02 - 44
E-Mail haist@koerber-stiftung.de

Jonathan Petzold
Programm-Manager
Expedition Age & City; Körber Demografie-Symposien; Stadtlabor demografische Zukunftschancen

Telefon +49 • 40 • 72 57 02 - 30
E-Mail petzold@koerber-stiftung.de