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Stiftungen in die Offensive?

Deutschland erlebt Zeiten des Umbruchs. Kriegsflüchtlinge und Klimafolgen erreichen auch unsere Gesellschaft, Digitalisierung und Demographischer Wandel stellen dringende Aufgaben. Sollen Stiftungen zu deren Bewältigung mehr in die Offensive gehen? Darüber diskutierten prominente Stiftungsvertreter im KörberForum.

Die Diskussion zwischen Jakob von Uexküll (Vorstand des World Future Council, Stifter des Alternativen Nobelpreises), Felix Oldenburg (Generalsekretär des Bundesverbands Deutscher Stiftungen) und Lothar Dittmer (Vorstandsvorsitzender der Körber-Stiftung) machte deutlich: Die Wirkung von Stiftungsarbeit hat ihre Grenzen.

Stiftungen könnten weder Regierungen noch politischen Willen ersetzen, so von Uexküll, der mit der Beschreibung der Aktivitäten des World Future Council gleich einen globalen Rahmen spannte. Der Weltzukunftsrat sucht für bestimmte Aufgaben im Sozial- oder Umweltbereich weltweit nach bereits existierenden Gesetzen und identifiziert darunter das jeweils beste – nach Kriterien, die durch die Vereinten Nationen festgelegt wurden. Die Stiftung macht die besten Gesetze bekannt und schlägt sie bestimmten Ländern zur Übernahme in die nationale Gesetzgebung vor. Hierfür bringt sie politische Entscheidungsträger aus verschiedenen Bereichen und Regierungsebenen an einen Tisch. Auch mit der Verleihung des »Alternativen Nobelpreises« würden, so von Uexküll, zukunftsweisende politische Ideen verbreitet, die zu einer nachhaltigen globalen Entwicklung beitragen.

Für Lothar Dittmer spielt die Dimensionierung von Stiftungsarbeit eine große Rolle. »Dicke Bretter« könnten nicht gebohrt werden. »Das Bildungssystem in Deutschland werden wir nicht umbauen.« Trotzdem will er »Gesellschaft besser machen« und möchte mit der Körber-Stiftung als Impulsgeber wirken, möchte ermutigen, positive Entwicklungen stabilisieren und internationale Brücken bauen. Dabei scheue er auch nicht vor einem »Dialog mit schwierigen Partnern zurück«. Für Dittmer ist es wichtig, Reden und Handeln zu verbinden. Als rein operative Stiftung entwickle die Körber-Stiftung immer wieder aus ihrer konkreten Projektarbeit neue Ideen und Themen. Überhaupt lasse sich der Erfolg von Stiftungsarbeit vor allem aus dieser konkreten Projektarbeit ableiten. So könnten Stiftungen auch zum Anwalt vernachlässigter Themen werden.

Stiftungen seien »ein radikales Geschenk an die Gesellschaft«, betonte Oldenburg. Nicht ohne selbstkritisch anzufügen: »Das müssen wir noch klarer machen.« Erst dann würden Stiftungen besser als ein »Magnet für Engagement« wahrgenommen. Aufgrund ihrer Satzungen seien Stiftungen klassischerweise auf Unveränderlichkeit angelegt, dennoch wandele sich mit der Gesellschaft auch die Stiftungswelt. Nicht nur andere Rechtsformen würden ausprobiert und Ertragsquellen umgestellt, auch die Digitalisierung wirke sich aus. Dabei sage das vorhandene Kapital einer Stiftung wenig über ihre erzielte Wirkung aus. Es komme vor allem auf gute Ideen an. Weltweit sei angesichts vorhandener Krisen gerade unter jungen Menschen viel Pessimismus zu beobachten, hob von Uexküll hervor. Da sei schon die Verbreitung von Hoffnung eine positive Wirkung von Stiftungen in dieser Welt.

Die Diskussion war Teil eines Fachtags, zu dem die Körber-Stiftung im Rahmen der Hamburger Stiftungstage eingeladen hatte; weit über 100 Stiftungen aus der Region Hamburg nahmen teil. Nach der Begrüßung durch den Vorstandsvorsitzenden Lothar Dittmer, einem Grußwort des Hamburger Justizsenators Till Steffen und einem Impulsreferat der Stifterin Dorit Otto wurden Einblicke in praktische Stiftungsarbeit gewährt. Dabei wurden Konsequenzen von Stiftungsarbeit diskutiert und neue Initiativen vorgestellt.

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Impulsvortrag von Dorit Otto, Stifterin (PDF)


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