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»King of Mutapa« – Starker Auftritt gegen Afrikas Diktatoren

Der simbabwische Bühnenautor und Aktivist Silvanos Mudzvova war mit seinem satirischen Ein-Personen-Stück »King of Mutapa« zu Gast im Lichthof-Theater. Die Veranstaltung wurde von Aid A – Aid for Artists in Exile e.V. organisiert und fand im Rahmen der von der Körber-Stiftung initiierten Hamburger »Tage des Exils« statt.

Am Anfang ist die Bühne dunkel, der Raum von Räucherstäbchen-Geruch und der sphärischen Musik von Björn Norrgård erfüllt. Als die Scheinwerfer angehen, sieht man, dass der Musiker ein Kuhfell trägt und Schellen an den Füßen hat, mit denen er klimpert. Der Schauspieler Silvanos Mudzvova kommt tanzend und singend mit Kopfschmuck und im Zebrafell auf die Bühne, die mit herbstlichen Blättern bedeckt ist. Wir sind in Afrika. »Ich bin wie Hannibal«, deklamiert er, »ich bin groß!« Mudzvova ist der »King of Mutapa«, eigentlich eine sagenhafte afrikanische Herrscherdynastie aus dem 15. Jahrhundert, hier jedoch eine Art Blaupause des bis heute auf dem Kontinent verbreiteten Despotentyps, der bis an sein Lebensende mit eiserner Faust regiert.

Grausam und paranoid

Das Stück, das im Rahmen der Veranstaltungsreihe »Tage des Exils« im Hamburger Lichthof-Theater uraufgeführt wurde, konnte Silvanos Mudzvova nicht in seiner Heimat schreiben. Seit 2016 lebt er im britischen Manchester im Exil, nachdem er zuvor in Simbabwe festgenommen, brutal gefoltert und auch nach seiner Freilassung massiv bedroht worden war. Zeitweise war er halbseitig gelähmt, doch mit großer Energie hat er sich auf die Bühne zurückgekämpft. »Ich wollte nicht zulassen, dass meine körperlichen Einschränkungen mich von meiner künstlerischen Arbeit fernhalten«, sagt Mudzvova.

Die Folgen der Folter sind ihm immer noch anzumerken, ihm der früher getanzt und Football gespielt hat. Doch mag er auch schlecht zu Fuß sein, seine Bühnenpräsenz ist stark. Die Zuschauer lauschen gebannt dem auf englisch vorgetragenen Text und erleben die Verwandlungen des Künstlers. Er flucht und jammert, er spielt seinen Diktator als zugleich grausamen und paranoiden Machthaber. Politische Gegner lässt er ins Gefängnis werfen, foltern oder beiseite räumen. Zugleich sieht er sich von Feinden umgeben, die ihm seine Macht entreißen wollen. An der muss er sich festklammern, denn er weiß, was ihm sonst droht. Alt und krank ist er –und darf trotzdem nicht nachlassen in seinem skrupellosen Tun. Die Figur, die Mudzvova darstellt, trägt durchaus Züge des ehemaligen Präsidenten von Simbabwe, Robert Mugabe, unter dessen Regime er so gelitten hat. Dieses Leid, das er mit Millionen Landsleuten teilt, bestimmt seine Agenda: »Seit ich denken kann, hatte ich immer nur einen Präsidenten, das ist doch nicht normal«, sagt der Theatermacher später beim Publikumsgespräch. Leider habe sich durch den Machtwechsel nichts zum Besseren gewendet: Der greise Mugabe hat seinem früheren Vize Platz gemacht, politische Unterdrückung und soziale Not bestimmen nach wie vor den Alltag der Bevölkerung.

 

Kreativ und unerschrocken

Silvanos Mudzvova hat über 20 Jahre Theatererfahrung als Schauspieler und Dramatiker. Geboren 1978 im Südosten von Simbabwe, absolvierte er in London die Royal Central School of Speech and Drama. Mudzvovas Theater ist eminent politisch: Mit seinen Stücken und Performances setzt er sich für Demokratie, Rechtsstaat und Minderheitenrechte ein. Der Aktionskünstler legt den Finger dort auf Wunden, wo es den Machthabern besonders weh tut, geißelt ihre Korruption und die Gewalt des Sicherheitsapparats – durchaus nicht immer nur auf der Bühne. Mehrfach initiiert er Aktionen im öffentlichen Raum, unter anderem vor dem Parlamentsgebäude in der Hauptstadt Harare. Die Sicherheitsbehörden reagieren mit großer Härte. Mehrfach wird er inhaftiert und gefoltert.  »Ich bin schon bei einigen Gelegenheiten festgenommen worden, aber ehrlich gesagt: Tatsächlich stärken Verhaftungen nur meine Mission, für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit in Simbabwe einzutreten«, sagt er.

Seine letzte Verhaftung 2016 erfolgt im Mafia-Stil: Sechs Unbekannte lauern ihm bei seiner Familie auf, er muss sich bis auf die Unterhose entkleiden und bekommt einen Sack über den Kopf gestülpt. Dann rast das Auto ohne Nummernschilder mit ihm davon. Im Gefängnis erleidet er unbeschreibliche Qualen, psychisch und physisch – auch das ist Thema in »King of Mutapa«. Weil er um sein Leben fürchten muss, flüchtet der Künstler nach Großbritannien, wo er mit einem Stipendium an der Uni Manchester unterkommt. Seine Arbeit wird auch international gewürdigt: 2017 erhält er den »Václav Havel International Prize for Creative Dissent« der Organisation Aid A – Aid for Artists.

In England fühle er sich sicher, sagt Mudzvova und schmunzelt. Sein Heimatland sei so pleite, dass es seine Schergen im Ausland nicht bezahlen könne. Er kämpft auch von Europa aus weiter für die Demokratie in Simbabwe und darüber hinaus. »Dank der sozialen Medien kann ich die Menschen in meiner Heimat erreichen« – etwa mit Videos seiner Produktionen, die er per WhatsApp verschickt, oder mit dem Online-Angebot »Bhanditi TV«. Im Moment seien seine Landsleute so arm, dass sie keine Kraft hätten, sich gegen das Regime aufzulehnen. Wer jeden Tag verzweifelt um Nahrung kämpft, kann nicht demonstrieren. Doch Mudvova setzt seine Hoffnung darauf, dass der Frust der jungen Generation  sich irgendwann Bahn bricht. Und er tut mit seinen kreativen Ideen alles dafür, dass das passiert.

Weitere Berichte finden Sie unter »Tage des Exils«

Kontakt

Sven Tetzlaff
Leitung Bereich Demokratie, Engagement, Zusammenhalt

Telefon +49 • 40 • 80 81 92 - 144
E-Mail tetzlaff@koerber-stiftung.de

Dr. Agata Klaus
Programmleiterin
Exile Media Forum; Tage des Exils

Telefon +49 • 40 • 80 81 92 - 166
E-Mail klaus@koerber-stiftung.de

Hilary Schmalbach
Programm-Managerin
Tage des Exils

Telefon +49 • 40 • 80 81 92 - 169
Email schmalbach@koerber-stiftung.de

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