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Science Slam Special – Flucht und Exil

Was haben Eichen in Afrika, Bananen im Hamburger Hafen und Türkisch im Matheunterricht mit Exil zu tun? Das erfuhren die Besucher des Science Slam im Haus 73. Dort slamten fünf junge Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen rund um die Themen »Flucht und Exil«. Anschließend stellten sie sich dem Urteil des Publikums. Die Benefizveranstaltung fand im Rahmen der von der Körber-Stiftung initiierten »Tage des Exils« 2018 statt.

»Seit unserem ersten Science-Slam-Special 'Flucht und Exil 2016' hat sich in Deutschland viel verändert«, eröffnete Sebastian Schirrmeister von der Walter A. Berendsohn Forschungsstelle für deutsche Exilliteratur die Veranstaltung. Eine andere Stimmung sei gegenüber Zugewanderten in Teilen der Bevölkerung zu spüren, angeheizt durch Aussagen wie die von Innenminister Horst Seehofer, Migration sei »die Mutter aller Probleme«.

Dabei eröffnet der Begriff Exil eine Möglichkeit, jenseits der Diskussionen um Flüchtlinge, Asylbewerber und Co., auch einen Bezug zwischen Geschichte und Gegenwart herzustellen. Um das öffentliche Bewusstsein hierfür zu schärfen und um zu zeigen, wie facettenreich die fachliche Vielfalt in der Erforschung dieses schwierigen und sensiblen Themas ist, traten fünf junge Wissenschaftler bei der dritten Auflage des Science Slam Special »Flucht und Exil« im Haus 73 auf. Durch den Abend führte Science-Slam-Ikone Insina Lüschen.

Kluge Vorträge

Das Prinzip ist einfach: Jeder Slamer hat zehn Minuten Zeit, um dem Publikum die eigenen Forschungsprojekte verständlich, anschaulich und eindrucksvoll auf der Bühne zu präsentieren. Wer die meisten Punkte von den Zuhörern erntet, gewinnt.

Welche sozialen Erfahrungen politisch Verfolgte in Kolumbien machen und wie sie Exil empfinden, trug Slamerin Tininiska Zanger Montoya vor. Der rechtliche und zeitliche Status der Studienteilnehmer ist für die Anthropologie-Studentin nicht von Bedeutung – sie sprach sich für ein offenes Forschungsfeld aus: »Für mich sind Exilierte all jene, die sich als solche bezeichnen.«

Wer sind wir? Wer wollen wir sein? Was sind Identitätssymbole? Die Konstanzer Studentin Sarah Schwab bediente sich eines interessanten Beispiels und erklärte anhand deutscher Eichen in Afrika, wie Nationalismus entsteht. Schwab bezog sich auf Siedler aus Deutschland, die sich im 19. Jahrhundert in Südafrika niederließen und dort quasi eine Parallelgesellschaft schufen.

Jeder Mensch hat ein Recht auf Bildung – auch Migranten. Einen Ansatz, wie interkulturelle Schulentwicklung funktionieren kann, lieferte Hosay Adina-Safi. Eine wichtige Rolle in der Dissertation der Erziehungswissenschaftlerin spielt der Umgang mit Sprache an Schulen in Migrationsgesellschaften.

Noch konkreter wurde der Linguist Arne Krause: Seine Forschungsgruppe hat Mehrsprachigkeit im Matheunterricht untersucht. Sie konnten nachweisen, dass Türkisch und Arabisch verschiedene Zugänge zur Mathematik liefern, etwa bei der Versprachlichung von Brüchen.

Das Rennen machte am Ende jedoch der Pädagoge Christian J. Benninghaus: Der 32-Jährige, der am Gymnasium Marienthal in Wandsbek lehrt, überzeugte das Publikum mit seinem Vortrag »Alles Banane«, in dem er darauf aufmerksam machte, wie unsere Gesellschaft durch ihr Konsumverhalten Menschen ins Exil treibt. Benninghaus spendete die Einnahmen des Abends an die bayerische Organisation »Schlau«, die sich für eine spezielle Beschulung von Geflüchteten einsetzt. »Ich glaube, dass gerade Bayern angesichts der dortigen politischen Lage in dieser Angelegenheit gezielt Hilfe braucht«, sagte der grinsende Benninghaus.

Nachhilfestunde für die Republik: Wer den jungen Forschern lauschte, bekam Abwechslung und mehr oder wenig ausgereifte wissenschaftliche Erkenntnisse aus verschiedensten Disziplinen geboten. Tenor: Menschen, die im Exil leben, sind kein Problem, sie bieten auch unserer Gesellschaft vielfältige Chancen sich weiterzuentwickeln.

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Kontakt

Sven Tetzlaff
Leitung Bereich Demokratie, Engagement, Zusammenhalt

Telefon +49 • 40 • 80 81 92 - 144
E-Mail tetzlaff@koerber-stiftung.de

Hilary Schmalbach
Programm-Managerin
Tage des Exils

Telefon +49 • 40 • 80 81 92 - 169
Email schmalbach@koerber-stiftung.de

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