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Zitate aus dem Exil:
Was Can Dündar mit Theodor W. Adorno verbindet

  • Can Dündar lebt seit 2016 in Deutschland im Exil    
  • Can Dündar lebt seit 2016 in Deutschland im Exil    
  • Can Dündar lebt seit 2016 in Deutschland im Exil    
  • Can Dündar lebt seit 2016 in Deutschland im Exil    
  • Can Dündar lebt seit 2016 in Deutschland im Exil    
  • Can Dündar: für journalistische Recherchen inhaftiert

    Die Verhaftung des bekannten türkischen Investigativjournalisten Can Dündar führte 2015 zu einem internationalen Aufschrei und zahlreichen Protestaktionen. Hintergrund der Festnahme war ein Bericht der Tageszeitung Cumhuriyet über einen geheimen Munitionstransport von der Türkei nach Syrien – mutmaßlich an den »Islamischen Staat«. In einem Schauprozess, in dem unter anderem der Staatspräsident und der türkische Nachrichtendienst als Nebenkläger auftraten, wurden Cumhuriyet-Chefredakteur Dündar und ein Kollege zu fünf Jahren und zehn Monaten Gefängnis wegen des Verrats von Staatsgeheimnissen verurteilt. Eine vorübergehende Freilassung aus der Haft nach einem Urteil des Verfassungsgerichts erlaubte Dündar Anfang 2016 die Ausreise. Sein Besitz und Vermögen in der Türkei wurden beschlagnahmt. Ein Gericht in der Türkei verurteilte Dündar Ende 2020 in Abwesenheit zu mehr als 27 Jahren Haft. Seit 2016 lebt Dündar in Deutschland im Exil. Hier leitet er das Webradio ÖZGÜRÜZ, ein Projekt des Recherchenetzwerks Correctiv. Außerdem arbeitet er als Dokumentarfilmer, Schriftsteller und Kolumnist, unter anderem regelmäßig für die ZEIT.

    Erinnerung an Hochzeitstag und Gefängnis

    Das Samtsakko trug Can Dündar bei seiner Verhaftung – er war gerade mit seiner Frau auf dem Weg zu einem Restaurant, um ihren Hochzeitstag zu feiern. Stattdessen fand er sich unpassend elegant gekleidet in einer Gefängniszelle wieder. Das Sakko erinnere ihn deshalb zugleich an schöne Anlässe wie seinen Hochzeitstag und an seine Zeit im Gefängnis, sagt Dündar.

    Can Dündar erklärt, was ihn mit Theodor W. Adorno verbindet

     

    Theodor W. Adorno: Frankfurter Schule

    Neben Max Horkheimer gehört der Philosoph Theodor W. Adorno zu den wichtigsten Begründern der »Kritischen Theorie«. Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht ergriffen, lag die philosophische Habilitation Adornos gerade erst zwei Jahre zurück. Trotzdem pflegte er bereits erste Kontakte zum Institut für Sozialforschung, der Geburtsstätte der »Frankfurter Schule«, und hatte in dessen Zeitschrift publiziert. Als Sohn eines jüdischen Vaters wurde Adorno 1933 die Lehrbefugnis entzogen, ab dem folgenden Jahr lebte er in Oxford. Von dort reiste er noch mehrfach nach Deutschland und konnte sich lange nicht zum Gang ins Exil durchringen. Erst 1938 folgte er einer Einladung Horkheimers und emigrierte in die USA. Dort konnte er seine philosophische Arbeit fortsetzen, kehrte aber ab 1949 zeitweise und 1953 endgültig nach Deutschland zurück – unter anderem, weil die deutsche Sprache für sein Denken einen hohen Stellenwert hatte. Die große Bedeutung der Sprache teilt er mit Can Dündar. Der türkische Journalist sagt über sich, mit Stift und Papier könne er jede Situation bewältigen – so habe er zum Beispiel auch die Isolationshaft in der Türkei überstanden. Adornos Zitat »Wer keine Heimat mehr hat, dem wird wohl gar das Schreiben zum Wohnen« spiegelt für ihn seine eigene Lage im Exil wider.

    Einblick ins Leben im Exil

    Leben im Exil – was bedeutet das eigentlich für den Einzelnen? Menschen, die heute in Deutschland im Exil leben, zeigen uns ihre sehr persönliche Antwort auf diese Frage. Dafür haben sie Zitate historischer Exilierter ausgewählt, in denen sie sich besonders gut wiedererkennen. Die geteilten Erfahrungen im Exil überwinden Grenzen von Zeit, Kultur, Herkunft und Situation.

    Vom 6. April bis zum 7. Mai 2021 laden die Tage des Exils mit 60 Veranstaltungen dazu ein, historische und aktuelle Sichtweisen von Flucht und Exil kennenzulernen.
    Hier geht es zum Programm: www.tagedesexils.de

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