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Tage des Exils > Zitatkampagne > Mohammed Ghunaim

Zitate aus dem Exil:
Welche Erfahrung Mohammed Ghunaim
mit Bertolt Brecht teilt

  • Vom Roten Halbmond ans Thalia Theater: Mohammed Ghunaim    
  • Vom Roten Halbmond ans Thalia Theater: Mohammed Ghunaim    
  • Vom Roten Halbmond ans Thalia Theater: Mohammed Ghunaim    
  • Vom Roten Halbmond ans Thalia Theater: Mohammed Ghunaim    
  • Vom Roten Halbmond ans Thalia Theater: Mohammed Ghunaim    
  • Im Visier des syrischen Geheimdienstes: Mohammed Ghunaim

    Mohammed Ghunaim, genannt Ziko, lebt seit 2015 in Deutschland im Exil. Er hat in Damaskus Journalismus und Literatur studiert, in Syrien jedoch nie als Journalist gearbeitet, weil ihm die Arbeit ohne Pressefreiheit zu gefährlich schien. Stattdessen ging er zur Hilfsorganisation Roter Halbmond – und geriet dort 2015 ins Visier des Geheimdienstes. Der Vorwurf: Als Leiter einer »Desaster Emergency Unit« erhalte er staatsgefährdende Informationen. Massive Einschüchterung, eine erste Inhaftierung und die klare Botschaft, dass er eine erneute Verhaftung nicht überleben würde, bewogen ihn zu einer überstürzten Flucht. Über Beirut, Istanbul, das griechische Flüchtlingslager Moria und Wien gelangte er schließlich nach Deutschland. Sein Spitzname Ziko stammt aus der Zeit beim Roten Halbmond, damals mussten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Sicherheitsgründen unter Fantasienamen über soziale Netzwerke kommunizieren. In Hamburg fühlt sich Ziko inzwischen zuhause und entwickelt verschiedene Film- und Theaterprojekte, unter anderem wirkte er in dem Dokumentarfilm »#myescape« mit. Am Thalia Theater hat er als Dramaturg und Koordinator der Embassy of Hope gearbeitet. Seit 2021 ist er dort als Referent für Diversität angestellt.

    Erinnerung an sein Zuhause

    Ein Seidenschal seiner Mutter ist der einzige Gegenstand, der Ziko aus seinem Leben in Syrien geblieben ist. Der Schal hat ihn auf dem langen Weg ins Exil begleitet – und mit ihm der Duft seiner Mutter und die Erinnerung an sein altes Zuhause.

    Mohammed Ghunaim erklärt, was ihn mit Bertolt Brecht verbindet

     

    Bertolt Brecht: von den Nazis ins Exil getrieben

    Mohammed Ghunaim stellt ein Zitat des Dichters und Dramatikers Bertolt Brecht (1898-1956) aus dem Jahr 1937 vor: »Wir wanderten doch nicht aus, nach freiem Entschluss … Vertriebene sind wir, Verbannte.« Brecht floh 1933 direkt am Tag nach dem folgenschweren Reichstagsbrand ins Ausland. Bereits seit 1930 hatten die Nazis zunehmend Druck auf den kritischen Dramatiker ausgeübt. Während die Nationalsozialisten in Deutschland Brechts Bücher verbrannten und ihm die Staatsbürgerschaft aberkannten, suchte er Zuflucht in Prag, Wien, Zürich, Paris, Dänemark und den USA, viele bekannte Werke verfasste er im Exil. 1948 kehrte Brecht nach Berlin zurück. Mohammed Ghunaim erkennt Parallelen zwischen seiner und Brechts Geschichte: die Liebe zum Theater, die schnellentschlossene Flucht und das klare Bewusstsein, dass er nie im Sinn hatte, seine Heimat zu verlassen – auch nicht, als das Leben im 2011 ausgebrochenen Bürgerkrieg immer schwieriger wurde.

    Einblick ins Leben im Exil

    Leben im Exil – was bedeutet das eigentlich für den Einzelnen? Menschen, die heute in Deutschland im Exil leben, zeigen uns ihre sehr persönliche Antwort auf diese Frage. Dafür haben sie Zitate historischer Exilierter ausgewählt, in denen sie sich besonders gut wiedererkennen. Die geteilten Erfahrungen im Exil überwinden Grenzen von Zeit, Kultur, Herkunft und Situation.

    Vom 6. April bis zum 7. Mai 2021 laden die Tage des Exils mit 60 Veranstaltungen dazu ein, historische und aktuelle Sichtweisen von Flucht und Exil kennenzulernen.
    Hier geht es zum Programm: www.tagedesexils.de

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