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Datacamp zu Wissenschaft, Technik & Öffentlichkeit

In einem von acatech, Körber-Stiftung und Wissenschaft im Dialog veranstalteten Hackathon haben sich in Berlin Nachwuchsforschende und Data Visualizers interdisziplinär mit den Befragungsergebnissen von Wissenschaftsbarometer und TechnikRadar beschäftigt. Das Ziel: Durch die eigenständige Analyse der Daten neue Erkenntnisse gewinnen. 

Wie sehr vertraut die deutsche Öffentlichkeit in Wissenschaft und Forschung? Was denken die Deutschen über Technik und Innovation? Und wie stellen sie sich in Zukunft deren Einsatz und Entwicklung vor? In regelmäßigen Abständen erfassen das Wissenschaftsbarometer von Wissenschaft im Dialog und das TechnikRadar von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und Körber-Stiftung die Einstellungen der Deutschen zu Wissenschaft, Forschung, Innovation und Technik. Beide bevölkerungsrepräsentativen Erhebungen haben das Ziel, diese Erkenntnisse auch in das Wissenschafts- und Innovationssystem zurückzuspielen und mit Stakeholdern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Medien und Zivilgesellschaft zu diskutieren. Das DataCamp fand in Form eines Hackathons statt und bot den Teilnehmenden einen besonderen Raum, um die Datensätze beider Befragungen eigenständig zu analysieren, kreativ weiterzudenken und neue, spannende Ergebnisse zu erarbeiten. Fachlich geleitet wurde der Hackathon von Martin W. Bauer von der London School of Economics. 

In den Arbeitsgruppen wurden folgende Ergebnisse erzielt:

Einstellungen zur Digitalisierung im Gesundheitsbereich

Der demografische Wandel und der Fachkräftemangel in Deutschland erfordern neue Ansätze in der Pflege. Gleichzeitig eröffnet die Digitalisierung auch in der Medizin neue Möglichkeiten, die allerdings für einen erfolgreichen Einsatz von Patienten und Nutzern angenommen und akzeptiert werden müssen. Deswegen hat sich eine Gruppe gefragt: Wie sind die Deutschen zur Digitalisierung im Gesundheitsbereich eingestellt? Und gibt es Unterschiede in der Einstellung je nach Alter und Geschlecht? Um dies herauszufinden, hat die Gruppe die Daten des TechnikRadar mit der offenen Statistiksoftware Tableau aufbereitet und visualisiert. Ihrer Analyse zufolge gibt es in Deutschland ein hohes Vertrauen in die Diagnoseerstellung beim Arzt. Nur in seltenen Fällen – und wenn, dann besonders von jüngeren Altersgruppen – wird diese durch Online-Recherchen ergänzt. In Zukunft würden die Teilnehmenden gerne analysieren, wie die deutsche Bevölkerung über telemedizinische Anwendungen bei psychiatrischen Erkrankungen und Apps zur Behandlung von Depressionen denkt. Die Dokumentation und Visualisierung des Arbeitsprozesses und der Ergebnisse der Gruppe können hier online eingesehen werden.

Nähe zu Wissenschaft und Forschung

Um Wissenschaft effektiv zu kommunizieren, ist es wichtig zu wissen, welche Faktoren die Einstellung der Bevölkerung gegenüber Wissenschaft und Forschung prägen. Eine Gruppe arbeitete deshalb während des DataCamps an folgender Frage: Kann die Nähe des Einzelnen zu Wissenschaft und Forschung vorhersagen, wie die Person gegenüber Wissenschaft eingestellt ist und ob sie in Forschung vertraut oder sich daran beteiligen will? Als Maß für die Nähe zur Wissenschaft hat die Gruppe einen Index aus zwei Faktoren, die im Wissenschaftsbarometer seit 2017 erfasst wurden, gebildet: eine eigene (vergangene oder aktuelle) Tätigkeit in Wissenschaft und Forschung oder, falls dies nicht der Fall ist oder war, die persönliche Bekanntschaft mit einem Wissenschaftler oder einer Wissenschaftlerin. Dieser Index konnte das Antwortverhalten der Befragten bei bestimmten Fragen besser vorhersagen, bei anderen Fragen weniger gut: Das Interesse an Wissenschaft und Forschung oder der Besuch entsprechender Veranstaltungen zum Beispiel scheinen von der Nähe eines Einzelnen zu Wissenschaft abzuhängen. Allerdings konnte der Nähe-Index nicht das Vertrauen der Befragten in Wissenschaft und Forschung erklären und wie gut sie sich darüber informiert fühlen. Spannend fände die Gruppe auch, für das TechnikRadar einen entsprechenden Nähe-Index zu bilden und das Antwortverhalten der Befragten dort zu untersuchen. Die Dokumentation der Arbeiten der Gruppe finden sich hier

Informationsverhalten zu Wissenschaft und Forschung – offline, online, Social Media

Soziale Netzwerke versprachen einst eine Demokratisierung des Diskurses. Nun werden allerdings Phänomene wie Echokammern, Filterblasen, Trolle und Social Bots diskutiert. Eine DataCamp-Gruppe widmete sich daher der Frage, ob ein Zusammenhang zwischen der Nutzung von Internet und sozialen Medien zur Informationssuche über Wissenschaft und Forschung und den Einstellungen einer Person gegenüber Wissenschaft und Forschung – besonders dem Vertrauen – besteht. Um dies zu beantworten, wurden die Befragten des Wissenschaftsbarometers nach dem Grad der Netznutzung zur Information über Wissenschaft und Forschung in drei Nutzergruppen eingeteilt (Offliner, Onliner ohne Social-Media-Nutzung und Onliner mit Social-Media-Nutzung). Ein Ergebnis: Menschen, die sich in sozialen Medien zu Wissenschaft informieren, interessieren sich mehr für Wissenschaft und Forschung als Offliner oder Befragte, die sich zwar online, aber nicht in den Social Media informieren. Sie empfinden zudem das Beurteilen von wissenschaftlichen Kontroversen als weniger schwierig. Auch hat sich die Gruppe gefragt, welche Eigenschaften sogenannte »Power User« haben – jene Personen, die sich in sozialen Medien intensiv mit Forschung auseinandersetzen und dazu auch aktiv kommentieren. Die Ergebnisdokumentation der Gruppe kann hier eingesehen werden.

Einstellungen von Subgruppen der Bevölkerung

Ob in den USA, Großbritannien oder in Deutschland – es wird viel darüber diskutiert, dass verschiedene Teile der Bevölkerung immer weiter auseinanderdriften. So legen ältere, weniger gebildete Bewohnerinnen und Bewohner ländlicher Gegenden ein anderes Wahlverhalten an den Tag als junge, gut gebildete Städterinnen und Städter. Gilt dies auch für Einstellungen gegenüber Wissenschaft, Forschung und Technik? Dafür haben einige Teilnehmende des DataCamps einen Index aus den Variablen Alter, Ortsgröße und Bildungsniveau der Befragten entwickelt und nach signifikanten Zusammenhängen mit den evaluativen Einstellungen gesucht, die im Wissenschaftsbarometer abgefragt werden. Bestimmte Subgruppen waren jedoch nur in geringer Zahl vertreten, so dass es der Analyse weiterer Befragungswellen des Wissenschaftsbarometers oder der Daten des TechnikRadar bedurft hätte.

Weitere Informationen zum Wissenschaftsbarometer
Weitere Informationen zum TechnikRadar

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