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Meldung

30 Jahre nach 1989: Der Wert Europas

1989 öffnete sich der Eiserne Vorhang – und dahinter erschienen: Neue Länder und ein neues Europa. Wie steht es heute, 30 Jahre später um dieses Europa? Was ist sein Wert? Und wie empfinden die Bürgerinnen und Bürger der einzelnen Länder das neue Europa?

Diesen Fragen widmete sich die Körber-Stiftung am 15. Oktober in Berlin mit der Veranstaltung »Der Wert Europas. 30 Jahre nach dem Mauerfall«. Mit der Veranstaltung wurde der EUSTORY Next Generation Summit 2019 eröffnet, zu dem 120 junge Europäerinnen und Europäer nach Berlin anreisten, um sich in einem intensiven Workshopprogramm über Folgen der Wendejahre auszutauschen. Im Rahmen der Abendveranstaltung präsentierte das US-amerikanische Meinungsforschungsinstitut Pew Research Center eine in ihrer geographischen Reichweite und historischen Vergleichbarkeit bedeutsame Studie, die an diesem Tag mit Unterstützung der Körber-Stiftung erstmals in Europa veröffentlicht wurde.

Seit 1991 hätte sich die Lebenszufriedenheit in ganz Europa signifikant verbessert, betonten Richard Wike und Laura Silver vom Pew Research Center die Ergebnisse in ihrer Studie »European Public Opinion Three Decades After the Fall of Communism«. So begrüßten die meisten der in 14 EU-Mitgliedsstaaten und Russland und Ukraine 19´000 Befragten den demokratischen Wandel und auch die EU. Allerdings sorgten sich viele Menschen über ihre politische und wirtschaftliche Zukunft. Grundsätzlich seien die jüngeren Befragten optimistischer eingestellt gegenüber der Europäischen Union und der Demokratie in Europa.

Als Zeitzeuginnen und Zeitzeugen kommentierten der deutsche Fotojournalist Daniel Biskup und die ehemalige lettische Staatspräsidentin Vaira Vīķe-Freiberga die Zeit des Umbruchs. Und schließlich diskutierten auf dem Podium der Bundesgeschäftsführer der Grünen Michael Kellner, die ukrainische EUSTORY-Alumna Kateryna Tebiakina, die polnische Leiterin des Pilecki-Instituts in Berlin Hanna Radziejowska und Vaira Vīķe-Freiberga die Lage Europas. Das Panel moderierte die ARD-Korrespondentin Ariana Reimers. Der Fotograf Daniel Biskup sprach mit Ariane Reimers über seine dokumentarischen Fotos, die er im Berlin der ehemaligen DDR und in Prag kurz vor und nach dem Fall der Mauer machte. Für ihn sei diese Zeit des Umbruchs das Spannendste gewesen, was er in seinem Leben erlebt habe. Gleichzeitig betonte er die allgemeine Ernüchterung, die bald nach der Öffnung der Mauer eintrat. Viele Menschen in den neuen Bundesländern hätten sich schon kurz nach der Wiedervereinigung gefühlt wie Bürger zweiter Klasse, bspw. als ihre Arbeitsplätze abgewickelt worden wären. Und bis heute herrsche dieses Gefühl vor, so Biskup. Die Samen für die aktuellen Probleme im Osten Deutschlands seien bereits 1989 gesät worden.

Die ehemalige lettische Staatspräsidentin Vaira Vīķe-Freiberga erinnerte an den 23. August 1989, als geschätzt eine Million Balten von Vilnius, über Riga bis nach Tallinn eine Menschenkette bildeten: ein Zeichen des Widerstands und eine Mahnwache für die Opfer des Sowjetregimes. Für Vike-Freiberga sei dies der beeindruckenste gewaltfreie Protest überhaupt gegen den Hitler-Stalin-Pakt gewesen. Die Menschen im Baltikum seien bereit gewesen, für ihre Freiheit und Unabhängigkeit zu sterben. Mit der Freiheit hätten aber die ökonomischen Probleme angefangen. Vīķe-Freiberga erhielt Saalapplaus für ihre erfolgreichen Bemühungen, Lettland in die NATO zu führen. »Es war der glücklichste Tag meines Lebens«, sagte sie.

In der Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass Europa aus verschiedenen Nationen und Geschichten besteht. Hanna Radziejowska plädierte für mehr Verständnis für die Unterschiede; der polnische Nationalismus zum Beispiel ließe sich aus deutscher Sicht schwer verstehen. Vīķe-Freiberga betonte, dass Nationalismus erstmal nicht mit Europa interferiere, sondern bloß bedeutete, sich mit einer kollektiven Gruppe zu identifizieren. Die junge Ukrainerin Kateryna Tebiakina blickte zurück auf den Fall der Sowjetunion, der ihre Familie in Russen und Ukrainer spaltete. Diese Spaltung befasse das Land noch heute. Michael Kellner plädierte für Optimismus im Blick auf politische und Demokratische Entwicklung in ganz Europa: Wandel sei möglich.

Bianca Kriel

Veranstaltungstrailer

 

 


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