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Deutsche schauen nach Westen

30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und 15 Jahre nach der EU-Osterweiterung bleibt die Mehrheit der Deutschen im Westen verwurzelt. Das zeigt eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Körber-Stiftung. 77 Prozent der Deutschen fühlen sich eher West- als Osteuropa zugehörig.

Der Fall des Eisernen Vorhangs jährt sich 2019 zum 30. Mal, die EU-Osterweiterung zum 15. Mal. Anlässlich der beiden Ereignisse hat die Körber-Stiftung eine Umfrage in Deutschland mit Kantar Public in Auftrag gegeben, die insbesondere das Verhältnis der Deutschen zu den mittelosteuropäischen EU-Nachbarstaaten untersucht. Teile der Umfrage erscheinen zudem im SPIEGEL Sonderheft »30 Jahre Mauerfall: Ziemlich beste Deutsche – Warum es uns so schwerfällt, ein Volk zu werden«.

Die zentralen Ergebnisse der Umfrage sind:

-    30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und 15 Jahre nach der EU-Osterweiterung bleibt die Mehrheit der Deutschen im Westen verwurzelt: 77 Prozent der Deutschen fühlen sich eher West-  als Osteuropa zugehörig. Dabei teilt sich die deutsche Bevölkerung deutlich auf. Während sich nur sieben Prozent der Menschen in den alten Bundesländern Osteuropa zugehörig fühlen, ist dies bei immerhin 32 Prozent der Menschen in den neuen Bundesländern der Fall.

-    Auch zu ihren Nachbarländern empfinden Ost- und Westdeutsche eine unterschiedlich starke Verbundenheit. Mit Frankreich fühlt sich knapp die Hälfte der Deutschen verbunden (49 Prozent). Die neuen Bundesländer orientieren sich allerdings weniger nach Frankreich als die alten (33 zu 54 Prozent). Ähnlich ist es mit Italien: 51 Prozent der Westdeutschen und 31 Prozent der Ostdeutschen stehen dem Land nahe. Einig sind sich die Deutschen gegenüber ihrem östlichen Nachbarn Polen: Nur drei von zehn Befragten in den alten Bundesländern (30 Prozent) und knapp vier von 10 Befragten in den neuen Bundesländern (39 Prozent) fühlen sich mit Polen verbunden.

-    Der Zustand der innerdeutschen Einheit ist kritisch. Zwar sagt eine Mehrheit der Bundesbürger, dass Deutschland insgesamt von Mauerfall und Wiedervereinigung profitiert hat (68 Prozent). Zugleich sehen aber sieben von zehn Befragten in Ost und West große Unterschiede zwischen den Menschen in den neuen und alten Bundesländern (70 Prozent).

Für Thomas Paulsen, Vorstand der Körber-Stiftung, zeigt die Erhebung: »Ost und West in Europa sind sich noch immer fremd. Die Ergebnisse sind eine klare Aufforderung an Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, sich mehr um den Dialog mit unseren östlichen Nachbarn zu bemühen und die gemeinsamen Interessen zu bekräftigen.«

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