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Lernen im digitalen Zeitalter – weltweit

Svenia Busson hat neun unterschiedliche Länder – inklusive Deutschland – bereist und dort untersucht, wie Technologie in der Schule, Universität und im Lernalltag integriert wird. Auf der KörberKonferenz »Learning Cities«, die vom 21. bis 22. Juni stattfindet, wird sie davon berichten.

Die Gründerin von Edtech Tours ist weltweit unterwegs, um innovative digitale Bildungspraktiken zu entdecken. Sie war unter anderem in den USA, in Chile, Neuseeland, Australien, Indien, Südkorea, Südafrika, Frankreich, England, Finnland, Dänemark, Estland, Polen und Spanien. Stephanie Kowitz-Harms, Körber-Stiftung, hat mit ihr darüber gesprochen.

Auf Ihrer Tour haben Sie sich unterschiedliche Projekte und Ansätze für Bildung im digitalen Zeitalter angeschaut. Welche haben Sie besonders beeindruckt und warum?

Es gibt viele Projekte, die mich beeindruckt haben! Ein besonderes Beispiel sind für mich die Initiativen in Neuseeland, die ich auch auf der KörberKonferenz Learning Cities vorstellen werde. In diesem Land, das nur 4,5 Millionen Einwohner hat, gibt es eine große Experimentierfreundlichkeit. In vielen Schulen wird ganz selbstverständlich experimentiert und geforscht. Es ist Teil der Kultur, neue Praktiken und Tools zu testen. Die Lehrerinnen und Lehrer sind Teil dieser Kultur und werden gut ausgebildet. Eine besondere Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Initiative »The MindLab«, die Lehrkräfte im ganzen Land unterstützt, digitale Bildung in ihren Unterricht zu integrieren.

Es gibt auch eine strukturelle Besonderheit: In Neuseeland ist jede Schule unabhängig, d. h. jede Schule kann ihre eigene Pädagogik entwickeln, verfügt über ein eigenes Budget, um (digitale) Lehrmaterialien zu kaufen und ihre Lehrer fortzubilden. Dennoch folgen alle Schulen einem landesweiten Lehrplan. Der Staat hat übrigens bereits 2013 entschieden, WLAN in allen Schulen einzurichten – es gibt nur 2.400 Schulen, was im Vergleich zu Deutschland natürlich sehr wenig ist. Das Programm ist bereits 2016 abgeschlossen worden.

Was können wir in Deutschland daraus lernen?

In Deutschland passiert sehr viel! Ich denke beispielsweise an die Code University oder die innovativen Lernmethoden der Evangelischen Schule Berlin Zentrum. Auch in Hamburg gibt es aus meiner Sicht eine Reihe guter Initiativen, zum Beispiel die BYOD Pilotprojekte oder die schulinternen Fortbildungen, die hier entwickelt worden sind. Denn gerade die Lehrerfortbildungen sind von zentraler Bedeutung. Ich denke, Deutschland kann viel von der neuseeländischen Geisteshaltung lernen: Ohne Experimente, ohne die Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte und die nötige Infrastruktur gibt es keine Innovation!

Welche Rolle spielen Städte und Regionen? Wie können sie innovative Bildungsprozesse vor Ort ermöglichen? Wie können sie dazu beitragen, die Grenzen zwischen formeller und informeller Bildung aufzulösen und Akteure aus den verschiedenen Sektoren zusammenzubringen, um gemeinsam Maßnahmen und Projekte zu gestalten?

Ich glaube sehr an die Dezentralisierung, und in den meisten Ländern die ich besucht habe, war das Bildungssystem mehr oder weniger dezentralisiert. Ich bin überzeugt, dass die Dezentralisierung des Entscheidungsprozesses, der Budgets und der Bildungsverwaltung zu mehr Innovation beiträgt.

Finnland ist ein ganz gutes Beispiel dafür. Dort sind die Kommunen für die Bildung verantwortlich. Sie vergeben das Budget für die Schulen, entscheiden, welche digitalen Tools sie zum Lernen nutzen und sind auch zuständig für die Lehrerausbildung sowie die Einstellungen. Die Kommunen können sogar das Curriculum ändern, um es an den lokalen Kontext anzupassen! So etwas habe ich nirgendwo anders gesehen und es trägt meines Erachtens zu mehr Flexibilität und Innovationskraft bei.