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»Feste Altersgrenzen sind falsch. Die Menschen sollten wählen dürfen«

Der Demografieberater Rudolf Kast über lebensphasenorientiertes Arbeiten

Rudolf Kast hat selbst gestaltet, was er fordert. Als ehemaliger Personalchef eines mittelständischen Technologieunternehmens hat er früh eingeführt, was bis heute nur rund 10% der Unternehmen in Deutschland ihren Mitarbeitern anbieten: so genannte lebensphasenorientierte Arbeitszeiten. Das heißt: Arbeitnehmer können während ihres Berufslebens Arbeitszeit »ansparen«, um dann aus beruflichen wie privaten Gründen Auszeiten zu nehmen – für Fortbildungen und Zusatzausbildungen ebenso wie in der Kinderphase oder um die eigenen Eltern zu pflegen.

Rudolf Kast legt Arbeitgebern dringend nahe, solche lebensphasenorientierten Modelle einzuführen – und Arbeitszeitregelungen auch insgesamt viel flexibler zu gestalten. Denn er sieht die Arbeitswelt im demografischen Wandel unter Druck. Einerseits weiß er, dass sich die jungen Generationen »nicht mehr in starre Strukturen einbinden« lassen. Die Generation Y sei schon »als Optionsgeneration großgeworden« und habe heute die Wahl. Als junger und qualifizierter Bewerber »gehe ich dahin, wo ich die Arbeitsbedingungen vorfinde, die ich haben will«. Und von Interesse sei da vor allem: eine selbstbestimmte, flexible Arbeitszeit. Die anzubieten, sei für Unternehmen sinnvoll und machbar. Erfolgreiche Vereinbarungen über Ziele und vorgegebene Zeiten führten dabei zu besserer Arbeitsqualität als starre Anwesenheitszeiten. Rudolf Kast: »Wer heute noch über Präsenzzeiten versucht, seine Mitarbeiter zu kontrollieren, ist von vorgestern. Es kommt auf die Ergebnisse an«.

Der demografische Wandel ist auch die Basis für Kasts Plädoyer für lebensphasenorientiertes Arbeiten. Wir lebten länger, so der heute freiberufliche Demografieberater, und also müssten wir auch länger arbeiten. »Das schaffen wir aber nur mit Auszeiten«. Und mit einem Renteneintritt mit 70 oder älter? Auch in dieser Frage plädiert Kast für Flexibilität und Selbstbestimmung. »Feste Altersgrenzen sind falsch. Die Menschen sollten wählen dürfen«.

Rudolf Kast ist als Experte für flexible Arbeitszeitsysteme im demografischen Wandel schon seit Jahren ein Partner der Körber-Stiftung, zum Beispiel bei der Ideentour »Länger leben, länger arbeiten« für Unternehmen 2014. Die Aussagen oben entstammen der gemeinsamen Veranstaltung von NDR Info und Körber-Stiftung »24 Stunden flexibel = immer arbeiten?«, die am 25. April 2016 im KörberForum stattfand. Unter der Moderation von Verena Gonsch, NDR Info, diskutierten mit Rudolf Kast über flexible Arbeitszeiten und neue Arbeitsbiografien: die Betriebsratsvorsitzende im Daimler-Werk Berlin Ute Hass, Stefanie Lohaus, Zeit-Kolumnistin und die von ihrem Boot in der Karibik zugeschaltete Grafikerin Esther Gonstalla.

Rudolf Kast begleitet als Vorstandsvorsitzender des Demographie-Netzwerks ddn bundesweit Unternehmen und Arbeitgeber im demografischen Wandel – mit den Schwerpunkten lebenslanges Lernen, flexible Arbeitszeitsysteme und Gesundheitsmanagement. Er ist selbständiger Berater für Personalmanagement und Karriereentwicklung. Von 1995 bis 2010 war Kast Personalchef der Schwarzwälder Sick AG und wurde für seine zukunftsorientierte Personalarbeit mehrfach ausgezeichnet.

Die Veranstaltung mit Rudolf Kast im KörberForum am 25. April ist Teil des Fokusthemas »Neue Lebensarbeitszeit« der Körber-Stiftung. Die Stiftung lädt Experten und Öffentlichkeit dazu ein, über Arbeits- und Rentenfragen, Generationengerechtigkeit, Zeitsouveränität in der Arbeitswelt und Biografien im demografischen Wandel abseits der ritualisierten Debatten zu diskutieren.

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