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Zeit für neue Lebensläufe!

Ausbildung, Arbeit, Rente – dieser Dreiklang bestimmt auch heute noch unseren Lebenslauf. Doch wir leben immer länger und haben daher auch mehr Möglichkeiten, unser Leben nach unseren eigenen Vorstellungen zu gestalten. Andreas Geis und Fiona Dahncke haben sich auf die Suche nach Perspektiven für eine neue Lebensarbeitszeit gemacht.

Christoph Störmer ist Philosoph, Buchautor, Theologe und Diplom-Pädagoge. Bis 2015 war er Hauptpastor an Hamburgs ältester Stadt- und Citykirche, der Hauptkirche St. Petri. Die Entpflichtung vom kirchlichen Dienst erlaubt einem Pastor jedoch weiterhin zu predigen. Den pastoralen Ruhestand begann Christoph Störmer daher unter anderem als Bord-Seelsorger auf einem Kreuzfahrtschiff.

Welchen Stellenwert hat Arbeit für unser Leben? Inwieweit stiftet sie Sinn?

Arbeit stiftet Sinn, weil der Mensch ein soziales Wesen ist – auf andere bezogen, mit anderen in Interaktion – und interessiert daran, sich mit seinen Begabungen und seinem Knowhow einzubringen, um etwas zu bewirken, zu gestalten, zu produzieren. Das ist Arbeit im weitesten Sinn. Wenn allerdings Arbeit entfremdet ist und ich mich nicht identifizieren kann mit dem, was ich mache – und wenn zweitens diese Arbeit nicht fair bezahlt wird und unwürdige Plackerei ist und mich bestenfalls überleben, aber nicht leben und mich entwickeln lässt, dann stiftet sie keinen Sinn.

71 % ist Nichtstun im Leben wichtig, hat eine forsa-Umfrage im Auftrag der Körber-Stiftung ergeben. Welche Bedeutung hat die Pause für die Lebensarbeitszeit?

Wenn Nichtstun Muße meint, mal die Beine und die Seele baumeln zu lassen – wunderbar, damit bin einverstanden. Ich deute das forsa-Ergebnis so: Menschen sehnen sich danach, mal aus der Tretmühle auszusteigen. Insofern kommt der Pause eine hohe Bedeutung zu. Statt Pause sage ich lieber Sabbat. Dieser jüdische Feiertag bedeutet wörtlich: Aufhören – um aufzuhören, aufzuhorchen, so sage ich ergänzend. Und für eine Gesellschaft ist es wichtig, gemeinsam solche Auszeiten wie den Sabbat zu haben. Nur so kommt z.B. eine große Stadt wie Hamburg mal zur Ruhe: Wenn einmal wöchentlich die Geschäfte ruhen und alle Pause machen. Schon der Lärmpegel sinkt dann, man hört neue Töne – vom Vogelgesang bis zum eigenen Herzschlag.

Gleichzeitig freuen sich nur 11% der Jüngeren auf die Rente. Ist Ruhestand Erholung oder Krise?

Die Umfrage bestätigt: Menschen wollen »drin« sein – im Arbeitsprozess, im lebendigen Austausch mit anderen, sie wollen auf Dauer nicht Nichtstun. Ruhestand im Sinne von Nicht-mehr-Müssen, also nach 40 oder mehr Berufsjahren einfach Mensch sein zu dürfen und dazu noch eine auskömmliche und faire (das ist wichtig!) Rente/Pension zu bekommen: Das ist ein Segen. Und eine verdiente Erholung kann einsetzen. Doch angesichts der erhöhten Lebenserwartung kann man sich natürlich nicht 20 oder mehr Jahre nur erholen. Wenn nach Ruhestandsbeginn nur Ruhe ist und alles zum Stillstand kommt in und um einen, dann kommt die Krise und ein tiefes Loch.

Antworten darauf könnten sein: Erstens, dass Arbeitgeber 5-7 Jahre vor dem Ruhestand ihren Mitarbeitern ein qualifiziertes Sabbatical anbieten und diesen nahelegen, sich nach eigenen, brachliegenden Begabungen umzuschauen und diese zu wecken. Zweitens könnte ein staatliches oder kommunales Angebot eines freiwilligen sozialen Jahres für Ruheständler helfen, sich selber neu zu entdecken und ganz anders ins Gemeinwesen einzubringen.

Zur forsa-Umfrage »Arbeit, Rente, unversorgt?«

Kontakt

Karin Haist
Leiterin bundesweite Demografie-Projekte
Stv. Leiterin im Haus im Park

Telefon +49 • 40 • 72 57 02 - 44
E-Mail haist@koerber-stiftung.de

Presse

Andrea Bayerlein
Fokusthemenmanagement
Handlungsfeld »Lebendige Bürgergesellschaft«

Telefon +49 • 40 • 80 81 92 - 177
E-Mail bayerlein@koerber-stiftung.de

Handlungsfeld

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