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Der Traum von der 32-Stunden-Woche

Die Deutschen hätten gerne mehr freie Zeit: Statt einer 40-Stunden-Woche wünschen sie sich eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 32 Stunden, hatte eine Umfrage der Körber-Stiftung ergeben. Wie findet Sahra Wagenknecht, Fraktionsvorsitzende der LINKEN, diesen Gedanken?  

Körber-Stiftung: Frau Wagenknecht,  wie fänden Sie es, wenn die 32-Stunden-Woche Standard würde?

»Ich fände das wunderbar, allerdings muss man dann für vollen Lohnausgleich sorgen, weil viele Beschäftigte sonst mit ihrem Gehalt nicht über die Runden kommen. Ohne einen solchen Lohnausgleich könnte man eine 32-Stunden-Woche nur in sehr gut bezahlten Jobs zum Standard machen. Das hätte zwar den schönen Nebeneffekt, dass die Zahl dieser attraktiven Jobs steigen würde – aber von einem neuen Standard, der allen Beschäftigten zugutekommt, könnte dann ja keine Rede sein. In jedem Fall unterstütze ich die Idee, eine 30- oder 32-Stunden-Woche für Eltern einzuführen – unter der Bedingung, dass der Verdienstausfall aus Steuermitteln kompensiert wird und die Eltern das Recht haben, später wieder auf eine Vollzeitstelle zurückzukehren. Das wäre ein echter Beitrag sowohl zur Gleichstellung der Geschlechter als auch zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.«

Körber-Stiftung: Käme ein solches Modell auch für Sie persönlich in Frage?
 
»Ein Leben mit weniger Terminen und weniger Stress wäre natürlich auch für mich attraktiv. Allerdings erwarten die Bürgerinnen und Bürger von ihren Abgeordneten zu Recht, dass sie sich voll engagieren – dafür wurden sie schließlich gewählt. Ich glaube daher nicht, dass eine 32-Stunden-Woche für Abgeordnete mehrheitsfähig wäre. Bei mir kommt hinzu, dass ich die größte Oppositionsfraktion im Bundestag anführe – eine Arbeit, die mich jeden Tag herausfordert, weil sie mit viel Verantwortung verbunden ist. Außerdem ist es nicht ganz leicht, die Grenzen meiner Arbeit zu definieren. Ich versuche, meine Arbeit so zu organisieren dass neben den vielen Terminen auch noch genügend Zeit bleibt, um gute Zeitungsartikel, Bücher und Studien zu lesen. Das würden andere als 'Freizeit' definieren. Ich brauche diese Mußezeiten aber, weil sie mir Orientierung und wichtige Impulse für meine Arbeit liefern.«

Über Fragen der Arbeitszeit, über den gesellschaftlichen und individuellen Stellenwert von Arbeit sprach Sahra Wagenknecht am 16. Februar im KörberForum mit der Philosophin Svenja Flaßpöhler und dem Journalisten Rainer Hank.

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