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Themen
  • »In Hamburg habe ich eine Freundin, die aus dem Iran kommt. Wenn ich ihre Mutter besuche, gibt es persisches Essen und ihr Zuhause erinnert mich an den Iran. Dann fühle ich mich wie bei meiner Großmutter. Ich glaube, vor vielen Jahren war es in Deutschland wie im Iran heute. In meiner Heimat kann eine unverheiratete Frau nicht frei herumlaufen oder alleine reisen.« Sanaz Safaie, 39 Jahre, Schauspielerin und Malerin aus dem Iran
  • »Manchmal überkommt mich im Exil die Einsamkeit. Von meiner Gemeinde getrennt zu sein, erzeugt ein Gefühl von Schuld in mir. Aber nur hier bin ich sicher und kann mich weiter für Freiheit und Menschenrechte in meinem Heimatland einsetzen. Wenn ich in Hamburg durch die Straßen gehe, fallen mir die Stolpersteine auf. Mir gefällt, wie damit an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert wird. Die Steine ermahnen uns: Wir sollten niemals vergessen, und wir sollten nie wieder so etwas erleben.« Antonio Ablon, 46 Jahre, Bischof von den Philippinen
  • »Wenn ich schlafe, träume ich immer von Damaskus, meiner Heimat. Die Straße, in der ich lebte, kommt fast jedes Mal vor. Ich vermisse sie, ich vermisse Damaskus. In Damaskus gibt es einen kleinen Fluss, in Hamburg die Elbe und den Hafen. Der Hafen hat einen großen Einfluss auf die Menschen, die hier leben. Er macht sie offener. Ich mag das Meer und Häfen sehr gerne, ich liebe das Wasser. Wasser und Hafen bedeuten Toleranz und Offenheit.« Hussam Al Zaher, 31 Jahre, Journalist aus Syrien
  • »In Hamburg gibt es so viele Möglichkeiten, die Menschen sind nett. Viele Leute studieren und betrachten die Dinge aus einer kritischen Perspektive. Das ist gut für mich, weil ich mich in meinem Heimatland als Feministin engagiert habe. Einige der ersten Orte, an denen ich in Hamburg war, sind Orte, wo es so etwas wie Widerstandsbewegungen gab, wie die Rote Flora und der Park Fiction, und ich dachte: ›Diese Stadt fühlt sich wirklich gut an.‹« Gulzat Matisakova, 29 Jahre, Filmemacherin aus Kirgisistan
  • »Bevor ich nach Hamburg kam, hat man mir seltsame Dinge über das Wetter erzählt. Aber ich genieße den Regen hier sehr. Ich bin am Meer aufgewachsen, und mir gefällt der Gedanke, dass mich das Wasser immer begleitet. Viele Menschen fragen mich, ob ich in Deutschland bleiben möchte. Es ist ein wunderschönes Land, aber es ist nicht mein Land. Ich hoffe, dass ich so bald wie möglich in meine Heimat zurückkehren kann. Davon träume ich.« Shahindha Ismail, 41 Jahre, Menschenrechtsaktivistin von den Malediven
  • »Ich habe die Stadt Hamburg durch das Buch ›Draußen vor der Tür‹ von Wolfgang Borchert kennengelernt. Zwei Monate bevor ich nach Hamburg kam, habe ich dieses Buch gelesen. Einer der ersten Orte, den ich in Hamburg dann besucht habe, war der Ohlsdorfer Friedhof – auf dem Wolfgang Borchert bestattet wurde. Dort gehe ich immer wieder mal hin, auch wenn es weit weg ist. Ich mag Friedhöfe.« Omid Rezaee, 29 Jahre, Journalist aus dem Iran
  • »In Hamburg bewege ich mich in einer brandneuen Welt, überall gibt es Gelegenheiten. Das kann uns anspornen, als Journalisten, Experten, Historiker, Politiker gemeinsam an einer besseren Zukunft für die Ukraine
    zu arbeiten. Dabei geht es erst einmal darum, besser zu verstehen, was passiert, und praktische Probleme zu lösen. Doch träumen, einem Ideal nachhängen – dafür ist kein Raum. Ich träume zurzeit von gar nichts.« Aleksei Bobrovnikov,
    38 Jahre, Journalist aus der Ukraine
  • »Diesen Sommer wollte ich mein Masterstudium in Ungarn beginnen, für das ich ein Stipendium bekommen hatte. Ich hatte schon mein WG-Zimmer gekündigt. Doch die ungarische Regierung hat ein Gesetz erlassen, das Nicht-EU-Bürgern das Studieren verbietet. Nun bleibe ich in Hamburg, und mein Lieblingsort ist ›Planten un Blomen‹. Hier komme ich zur Ruhe. Bangladesch ist ein sehr grünes Land, an das mich dieser Park voller Blumen und Bäume erinnert.« Ananya Azad,
    27 Jahre, Blogger aus Bangladesch
  • »Ich habe keine Erinnerung an meine ersten beiden Jahre in Hamburg. Jetzt versuche ich, an mein altes Leben anzuknüpfen, um wieder zu mir selbst zu finden. In Tadschikistan habe ich viel Sport gemacht und Tanzkurse besucht. Nun will ich wieder aktiv werden. Mit 30 Jahren habe ich in Deutschland Fahrradfahren gelernt. Ich fahre täglich mit einem Rad um die Alster, das mir eine Freundin aus Hamburg geschenkt hat.«
    Humayra Bakhtiyar
    32 Jahre, Journalistin aus Tadschikistan
  • »In Syrien glauben viele, dass die Deutschen sehr ernst seien und keinen Spaß verstünden. Dann habe ich die Werke von Loriot kennengelernt. Ich mag Loriot sehr. Vielleicht, weil ich viele Alltagssituationen erlebe, die mich an seine Stücke denken lassen, obwohl sie schon so alt sind. Loriot hilft mir dabei, Deutschland besser zu verstehen. Und manchmal – mithilfe des Lachens – auch: zu überstehen.« Faisal Hamdo,
    29 Jahre, Autor und Physiotherapeut aus Syrien
  • »Meine Bibliothek ist Teil meines Lebens. Sie gehört zu mir wie ein Körperteil. Doch ich habe ihn verloren. Ich konnte kein einziges Buch ins Exil mitnehmen. Aber manchmal, wenn ich mich meinen Erinnerungen überlasse, bin ich wieder in meinem Land, in meiner Heimat, in meiner Bibliothek. Allein aus dieser Vorstellung schöpfe ich viel Kraft.« Hakan Mertcan,
    40 Jahre, Wissenschaftler aus der Türkei
  • »In meinem ersten Jahr in Deutschland war ich sehr alleine. Ich konnte kein Wort Deutsch und kannte niemanden. Im Dezember wurde ich
    von mehreren Journalisten eingeladen, mit ihnen Weihnachten zu feiern. Es gab ein großes Festessen. Sie hatten sogar ein Geschenk besorgt. Ich bin christlich erzogen worden und habe kurz vor Heiligabend Geburtstag. Die Einladung dieser mir vorher völlig unbekannten Menschen war etwas sehr Besonderes für mich.« Itai Mushekwe,
    34 Jahre, Journalist aus Simbabwe
  • »Viele Deutsche bezeichnen Menschen wie mich pauschal als Flüchtlinge, wie eine Masse. Aber ich bin kein Flüchtling. Ich bin eine Autorin, eine Schriftstellerin, die im Exil lebt. Das ist ein großer Unterschied. Manchmal fühle ich mich wie eine Brücke zwischen meiner und der deutschen Kultur. Die Geschichte Syriens wird zurzeit vom Regime und vom Staat bestimmt. Aber Romane erzählen die wahre Geschichte eines Landes. Ich glaube, das ist nun meine Aufgabe: erzählen, was in Syrien wirklich passiert.« Rosa Yassin Hassan,
    43 Jahre, Schriftstellerin aus Syrien
  • »Früher, in meiner Heimat, war ich musikalischer Leiter und TV-Produzent der afghanischen ›Sesamstraße‹. Doch dann musste ich mein Land verlassen. Ich habe Asyl beantragt, warte aber immer noch auf den Bescheid vom Bundesamt. Zurzeit bin ich weder Deutscher noch Afghane. Ich bin entwurzelt, ich lebe zwischen den Welten.« Ahmad Khalid Shirzad,
    38 Jahre, Musiker aus Afghanistan
  • »Ich wünsche mir, dass die Menschen in Deutschland meine Gründe verstehen, dass sie nachvollziehen, warum so viele Afghanen hierher fliehen. Unsere Flucht war beschwerlich und hat fast zwei Jahre gedauert. Jetzt brauchen wir Zeit, um hier anzukommen. Wenn die Menschen uns dieses Verständnis entgegenbringen, wäre es für uns deutlich leichter, uns einzuleben und der Gesellschaft etwas zurückzugeben.« Maliha Akhavan, 58 Jahre, Frauenrechtlerin aus Afghanistan
  • - Meldung

    Ausstellung »Hier fühle ich mich zu Hause« ab dem 10. Mai in Bad Oldesloe

    Der Fotograf Friedrun Reinhold hat Menschen, die in Hamburg im Exil leben, an ihre Lieblingsorte in der Hansestadt begleitet – dort fotografiert und interviewt. Seine Porträts werden bis zum 29. Mai 2022 in Bad Oldesloe gezeigt.

    Alle Menschen, die Friedrun Reinhold für diese Ausstellung fotografiert hat, haben eines gemeinsam: Orte in Hamburg, an denen sie sich wohlfühlen. Dort erzählen sie von Erinnerungen an ihre Heimat, vom Ankommen in unserer Gesellschaft, von Begegnungen mit Menschen in Deutschland, von ihren Träumen und wie sie die neue Freiheit nutzen. Jetzt kann man die Fotos von Friedrun Reinhold vom 10. bis 29. Mai 2022 werktags von 8 bis 18 Uhr im Kultur- und Bildungszentrum KuB in Bad Oldesloe sehen. Der Eintritt ist frei. 

    Die Ausstellung begleitet die Aktivitäten der Körber-Stiftung im Programm Exil, mit dem die Stiftung Zuwanderung ein Gesicht jenseits der tagesaktuellen Nachrichten verleiht. »Exil heute – künstlerische Produktionsresidenzen« bringt das Thema zum Beispiel auf die Bühne. Mit »Amal, Hamburg!« fördert die Stiftung die Berichterstattung über das Leben in Hamburg auf Arabisch und Persisch und unterstützt Medienschaffende, die in Deutschland im Exil leben. Darüber hinaus führt sie in Hamburg die »Tage des Exils« mit mehr als 50 Veranstaltungen durch, die zum Kennenlernen und Dialog zwischen Menschen im Exil und Altbürgern einladen.

    Mehr Infos zur Ausstellung finden Sie hier.


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