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Zitate aus dem Exil:
Wieso sich Zohre Esmaeli in Mascha Kaléko wiedererkennt

Zohre Esmaeli: »Nehmt euer Schicksal selbst in die Hand!«

Zohre Esmaeli stammt aus Afghanistan. Sie ist Model, Unternehmerin und soziale Aktivistin und lebt seit 1998 im deutschen Exil. Gemeinsam mit ihrer Familie floh die damals 13-Jährige vor dem Krieg aus ihrer Heimat. In Frieden leben konnte sie trotzdem nicht. Neben der Herausforderung, in einer fremden Kultur Fuß zu fassen, fühlte sich Esmaeli zuhause eingeengt von den traditionellen Vorstellungen ihrer Eltern, wie eine Frau zu leben habe. Mit 17 Jahren verließ sie ihre Familie und kämpfte sich alleine durch. Heute ist sie als Integrationsbotschafterin Vorbild für viele junge Frauen mit Migrationshintergrund. Ihre Botschaft: Nehmt euer Schicksal selbst in die Hand! In Deutschland unterstützt sie mit ihrem Projekt Culture Coaches Migrantinnen und Migranten dabei, hier anzukommen, die Kultur zu verstehen und sich zu integrieren. Zudem engagiert sie sich für Bildungseinrichtungen in Afghanistan, um Frauen im Land eine selbstbestimmte Zukunft zu ermöglichen.

Zohre Esmaeli erklärt, was sie mit Mascha Kaléko verbindet

 

Mascha Kaléko: Sehnsucht nach Heimat

Zohre Esmaeli wählte das Zitat der Dichterin Mascha Kaléko (1907-1975) aus dem Jahr 1945: »Ich habe manchmal Heimweh. Ich weiß nur nicht, wonach …« Als Kind jüdisch-russisch-österreichischer Eltern übersiedelte Mascha Kaléko 1914 mit ihrer Familie aus dem galizischen Chrzanów (heutiges Polen) nach Deutschland.

1935 wurden ihre Schriften in Deutschland verboten. Sie ging ins Exil in die USA, wo auch ihr Gedichtband »Verse für Zeitgenossen« erschien, aus dem das Zitat stammt. Zohre Esmaeli und Mascha Kaléko mussten beide mehrfach ihr Zuhause aufgeben und sich immer wieder ein neues Leben aufbauen. Beide verbindet die Sehnsucht nach einem Heimatgefühl, das sie so nie kennengelernt haben. Esmaeli: »Ich habe oft Heimweh nach Afghanistan. Dabei haben mir die Menschen dort als Frau nie ein Heimatgefühl vermittelt. Diese Hoffnung kennen viele Geflüchtete: Sie wollen in ihr Heimatland zurückkehren, aus dem sie doch eigentlich geflohen sind.«

Zitatkampagne gibt Einblicke ins Leben im Exil

Zohre Esmaeli ist ein Gesicht der Zitatkampagne zum Fokusthema »Neues Leben im Exil« der Körber-Stiftung. Die Kampagne will Menschen sichtbar machen, die heute als Teil unserer Gesellschaft im deutschen Exil leben. Sie erheben ihre Stimme und beziehen sich auf Reflektionen bekannter deutscher Exilierter, die einst vor dem NS-Regime fliehen mussten. Die geteilten Erfahrungen im Exil überwinden Grenzen von Zeit, Kultur, Herkunft und Situation. Diese Verbindung von historischem und aktuellem Exil will die Stiftung ins öffentliche Bewusstsein rücken.

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