Mit dem Fokusthema »Neues Leben im Exil« engagiert sich die Körber-Stiftung für Menschen, die in Deutschland im Exil leben und hier ihre Erfahrungen von Krieg und Flucht, vom Verlust der Heimat und vom Ankommen in einer fremden Kultur reflektieren. Sie möchte die journalistischen, künstlerischen, wissenschaftlichen und politischen Aktivitäten der Menschen sichtbar machen, ihnen eine Stimme geben und den gesellschaftlichen Dialog ermöglichen. Dabei wird auch die Brücke zum Exil in der Vergangenheit geschlagen, um Kontinuitäten aufzuzeigen, die historische Verantwortung Deutschlands bewusst zu machen und so den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.

Zielsetzung

Für Menschen, die aus politischen, religiösen oder ethnischen Gründen verfolgt werden, ist die Flucht ins Exil häufig die einzige Möglichkeit, das eigene Leben in Sicherheit zu bringen. Das bedeutet Verlust von Heimat und des sozialen Umfelds, der vertrauten Sprache und der beruflichen Entfaltung. Es stellt die eigene Identität in Frage.

Wenn es um den Schutz vor Verfolgung geht, hat Deutschland eine besondere historische Verantwortung. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden Hunderttausende entrechtet und ins Exil getrieben. Dort setzten sich viele weiterhin für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte ein. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen engagiert sich die Körber-Stiftung für Menschen, die gegenwärtig im Exil in Deutschland leben, die demokratische Werte teilen und sich als Mittler zwischen verschiedenen Welten verstehen.

Das Leben im Exil ist eine extreme Erfahrung, die das Wirken von Journalisten, Künstlerinnen, Politikern, Wissenschaftlerinnen oder Fotografen in vielfältiger Weise verändert. Das Exil kann Menschen verstummen lassen, hat in der Vergangenheit und bis heute aber auch produktive Kräfte freigesetzt. In ihnen steckt eine Chance, ungewohnte Perspektiven zu entdecken, eine andere Beziehung zur alten Heimat zu entwickeln und die neue Heimat mit dem Blick von außen zu betrachten. Die Körber-Stiftung ist überzeugt, dass diese Menschen Deutschland mit ihren Erfahrungen bereichern.

Mit dem Fokusthema »Neues Leben im Exil« stärkt die Körber-Stiftung Menschen im Exil, die sich mit ihren Kompetenzen und Fähigkeiten in die Gesellschaft einbringen wollen. Die Stiftung macht diesen Neuanfang sichtbar und gibt den Erfahrungen von Menschen im Exil ein Forum. Sie unterstützt den Austausch von Exilierten unterschiedlicher Nationalität untereinander und öffnet den Dialog mit der Bevölkerung. Zugleich stellt die Stiftung aktuelle Herausforderungen und Chancen sowie historische Erfahrungen des Exils zur Debatte.

Durch die aktive Einbindung der Menschen im Exil in den öffentlichen Diskurs fördert die Körber-Stiftung das Verständnis für die Situation der Verfolgten und stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt in einer lebendigen Bürgergesellschaft.

Gesichter des Exils auf Instagram

Exil hat viele Gesichter – das zeigt der neue Instagram-Account @gesichterdesexils. Wir stellen Menschen vor, die heute im Exil leben und in Deutschland Schutz vor Terror, Unrecht und Verfolgung finden. Sie erzählen vom Verlust der Heimat, vom Ankommen in unserer Gesellschaft und wie sie die neue Freiheit nutzen. Außerdem geht es um die Geschichten von Menschen, die in der Vergangenheit aus Deutschland ins Ausland geflüchtet sind.

Einblicke in die Tage des Exils 2018

Jüdische Küche in Hamburg und in der Emigration, im Landhaus J. H. Baur

Der Titel klingt fast ein wenig bescheiden: »Das Jüdische Kochbuch aus Hamburg«. Tatsächlich ist dieses Buch, herausgegeben von Gabriela Fenyes, Barbara Guggenheim und Judith Landshut mehr als eine Aneinanderreihung von Rezepten und Zutaten. Es ist zugleich Anekdotensammlung, Erinnerungsbuch und Geschichtsbuch, das einen Teil der jüdischen Geschichte des letzten und aktuellen Jahrhunderts präsentiert. Die Vorstellung des Werks fand im gut besuchten Nienstedtener »Landhaus Baur«statt. Partner waren die Hermann Reemtsma Stiftung und das Institut für die Geschichte der deutschen Juden.

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Ausstellung im KörberForum: Hier fühle ich mich zu Hause

Porträts von zehn Menschen, die in Deutschland im Exil leben, zeigt die Foto-Ausstellung "Hier fühle ich mich zu Hause". Keiner der Porträtierten ist freiwillig hier. Alle haben jedoch Orte in Hamburg gefunden, an denen sie sich wohlfühlen, die sie an ihre Heimat erinnern oder die für sie zu einem neuen Zuhause geworden sind. Der Hamburger Fotograf Friedrun Reinhold hat sie zu diesen Orten begleitet und interviewt. Sie erzählen von Erinnerungen an ihre Heimat und dem Ankommen in unserer Gesellschaft, von Begegnungen mit Deutschen, ihren Träumen und wie sie die neue Freiheit nutzen.

Die Ausstellung kann noch bis Ende des Jahres während der Veranstaltungen im KörberForum besichtigt werden. Einen Einblick in die Fotos gibt diese Bildergalerie:

Fotos: Friedrun Reinhold

Aktuelles


Meldung

Der im deutschen Exil lebende türkische Journalist Can Dündar hielt in der Elbphilharmonie die »Hamburger Rede zum Exil«. Dündars Rede war zugleich der Auftakt zum ersten »Exile Media Forum« der Körber-Stiftung, das deutsche Medienschaffende und im Exil lebende Journalisten zusammenführt.

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Meldung

Zum bereits dritten Mal starteten die Hamburger »Tage des Exils«. Flucht, Vertreibung und ein Leben im Exil – historisch und aktuell: An knapp 50 Orten in der Hansestadt werden sich vom 15. Oktober bis zum 16. November 60 Veranstaltungen um diese Themen drehen.

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Meldung

Neben dem Arzt Denis Mukwege erhält die Jesidin Nadia Murad den Friedensnobelpreis. 2016 wurde sie zur UN-Sonderbotschafterin ernannt und war 2017 Schirmherrin der Hamburger »Tage des Exils« und Gast im KörberForum. Dort bot sie einen beklemmenden Einblick in die Verfolgung der Jesiden durch den IS – der sie selbst zum Opfer fiel.

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Meldung

Lesungen, Diskussionen und Filme; Ausstellungen, Theaterstücke und Konzerte: Die Liste der Veranstaltungen für die »Tage des Exils« vom 15. Oktober bis 16. November ist lang. Das jetzt veröffentlichte Programmheft gibt auf 72 Seiten einen Überblick über alle Angebote.

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Kontakt

Körber-Stiftung
Neues Leben im Exil
Kehrwieder 12
20457 Hamburg
Telefon +49 · 40 · 80 81 92 - 177
Instagram gesichterdesexils
Twitter @KoerberLBG

Andrea Bayerlein
Fokusthemenmanagement
Handlungsfeld »Lebendige Bürgergesellschaft«

Telefon +49 • 40 • 80 81 92 - 177
E-Mail bayerlein@koerber-stiftung.de

Susanne Kutz
Leitung Bereich Alter und Demografie
Leitung Haus im Park der Körber-Stiftung

Telefon +49 • 40 • 72 57 02 - 36
E-Mail kutz@koerber-stiftung.de

Sven Tetzlaff
Leitung Bereich Demokratie, Engagement, Zusammenhalt

Telefon +49 • 40 • 80 81 92 - 144
E-Mail tetzlaff@koerber-stiftung.de

Handlungsfeld

Magazin


 
Video

Verstreut in ganz Europa, vereint in der Musik

Ein Orchester, das Grenzen überwindet: Noch immer ist Syrien von den Fronten des Bürgerkriegs geprägt, noch immer verlassen viele Syrer ihr Land, um im Exil zu überleben. So auch die Musiker des Syrian Expat Philharmonic Orchestra. Mit ihren Konzerten will das einzige syrische Exilorchester ein musikalisches Zeichen gegen den Krieg in seiner Heimat setzen und für Verständigung werben. 2015 von Jahed Jazbeh gegründet, füllt das Syrian Expat Philharmonic Orchestra schon kurze Zeit nach ihrer Gründung die Konzertsäle Europas. Im Rahmen der »Hamburger Tage des Exils« gastierte das Orchester in der Elbphilharmonie. weiter



 
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Faisal Hamdo: »Fern von Aleppo«

Wie lebt man als junger Syrer fern der umkämpften Heimat? Was gefällt und fasziniert an Deutschland, was vermisst man aber auch? – Faisal Hamdo, 2014 aus Aleppo nach Deutschland geflohen, stellt im Gespräch mit Martin Meister, Körber-Stiftung, sein Buch »Fern von Aleppo« vor. Ein Abend, der bewegte, weil Faisal Hamdo nicht nur von den kleinen Tücken des Alltags, von Behördensprache und dem Humor Loriots erzählte, sondern auch davon, was es heißt, die Familie noch immer auf der Flucht zu wissen und im Westen wenig politischen Willen zu sehen, sich mit dem Krieg in Syrien konsequent auseinanderzusetzen. weiter



 
Video

Aufbrüche aus dem Exil

Mit 16 Jahren flieht Pedro Kadivar aus dem Iran und lebt zunächst in Frankreich. Heute arbeitet er als Schriftsteller und Theaterregisseur in Berlin. Sein »Kleines Buch der Migrationen« schlägt eine Brücke zwischen persischer und europäischer Literatur. Mit der Literaturwissenschaftlerin Doerte Bischoff spricht er über das Fremdsein und die Rolle der Sprache beim Aufbruch ins Unbekannte. Der Schauspieler Stephan Benson trägt ausgewählte Passagen aus den Texten von Pedro Kadivar vor. weiter



 
Veranstaltung

Exile Media Forum

Die Zahl der Journalisten und Medienschaffenden, die sich in Deutschland im Exil befinden und hier arbeiten, steigt. Was bedeutet es, im Exil journalistisch tätig zu sein? Wie verändert sich die deutsche Medienlandschaft vor dem Hintergrund von Migration und Globalisierung? Und welche Rolle spielt die Digitalisierung dabei? Diesen Fragen geht das Exile Media Forum nach. Im Oktober 2018 kamen erstmals in Hamburg rund 100 Experten und Medienleute zusammen, um Zukunftsfragen miteinander zu diskutieren, neue Trends aufzuspüren und Erfahrungen auszutauschen. weiter



 
Interview

»Ideen machen nicht an Gefängnismauern und Staatsgrenzen Halt«

Kamal Chomani ist ein irakischer Journalist, Blogger und politischer Aktivist. Aufgrund seiner kritischen Haltung zum Unabhängigkeitsreferendum im kurdischen Teil Iraks wurde er in seinem Heimatland mehrfach mit dem Tode bedroht. Als Stipendiat der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte lebt er seit knapp zwei Monaten in Hamburg. Mit Agata Klaus, Körber-Stiftung, sprach er über seine Situation im Exil in Hamburg. weiter



 
Video

Hamburger Rede zum Exil: Ilija Trojanow

Im Rahmen der Hamburger »Tage des Exils 2017» boten die Körber-Stiftung und die Weichmann-Stiftung erstmals die »Hamburger Rede zum Exil« an. In einer Mischung aus autobiografischen Erfahrungen, Beobachtungen und philosophischen Reflexionen des Themas Flucht umkreiste der Schriftsteller Ilija Trojanow in seinem Vortrag die Zumutungen und Chancen eines Neuanfangs, der an die Vergangenheit gekettet ist. Die Veranstaltung moderierte Sven Tetzlaff, Körber-Stiftung. weiter


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