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30 Jahre Tschernobyl

Was von Europas Katastrophe übrig ist (2/3)

23 Prozent des Nachbarlands Weißrussland waren kontaminiert, schreibt die Umweltwissenschaftlerin Elena Sermakshev. Geboren wurde sie 1989; wie viele ihrer Generation wuchs sie mit Tschernobyl und seinen Folgen auf. Ihr Umfeld war von dem Schock beeinflusst, ihre Eltern wollten in den ersten Monaten niemandem die Hand schütteln, aus Angst vor der Strahlung.

In Weißrussland sind noch immer etwa 14,5 Prozent der Fläche belastet. Sermakshev überwacht die Strahlung in den Wäldern und wird sie täglich mit den Folgen konfrontiert. Andere ihres Alters haben den Unfall verdrängt.

Osteuropa

In den ersten Tagen verschleierte die Führung der Sowjetunion den Unfall und seine Konsequenzen, erinnert sich die Ukrainerin Marta Franchuk. Erst über die Jahre erfuhr die Bevölkerung, was passiert war, dass menschliches Versagen Schuld war, dass Krebs und langsamer Tod für viele die Folge sind.

Ein Selbstmordkommando verhinderte, dass Europa in einer strahlenden Wolke verseucht wurde. Sie ließen schwer kontaminiertes Löschwasser ab. Sie trugen Stoffkleidung, Atemmasken. Mehr als 50 starben schon in den nächsten Wochen und Monaten an der Strahlenkrankheit, ihre Organe versagten.

Liquidatoren nannte man die Männer und Frauen, die nach der Katastrophe aufräumen mussten. Menschen wie Anatoly Myshjakov. Atomkraft hielt er vor dem Unglück für die »Zukunft der Menschheit«, sagte er im Interview mit Teilnehmern eines Projekts des europäischen Geschichtsnetzwerks EUSTORY. Waren sie Freiwillige? Zumindest war es schwer, nein zu sagen. Wer nicht an den Folgen starb, der leidet bis heute: Hirnschäden, Krebs, Zeugungsunfähigkeit, Geschwüre im Sonnenlicht.

Sie sahen die Strahlung nicht, sie spürten sie nicht. Sie wussten nur: Die Strahlung ist da. Als ein Busfahrer Kopfschmerzen bekam, merkte er, dass sein Fahrzeug verstrahlt war. Doch was sollte er tun? Sie brauchten einen Bus.

Einer der Liquidatoren erinnert sich an zwei junge Männer, die ein Auto stehlen wollten. Plünderer gab es viele in der Zone. Die beiden kamen nicht weit; die Strahlung tötete sie, während sie flohen.

Heute

Heute essen wir wieder bedenkenlos Salat und Waldpilze; Milch von einer österreichischen Alm klingt wie ein besonders gesundes Versprechen für die Generation, die zur Zeit der Katastrophe geboren wurde. Doch in Birkenpilzen und Wildschweinen aus Bayern werden noch immer erhöhte Werte von Caesium-137 entdeckt. Gefährlich ist das nicht, sagen Wissenschaftler, jedenfalls bei normalen Portionen.

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