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»Möge Gott Russland helfen« – die Abdankung des Zaren im März 1917

Die Russische Revolution 1917 gilt als eines der prägendsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts, das 2017 erneut weltweite Beachtung erfährt. Die Auseinandersetzung mit dem Revolutionsjahr 1917 und seinen Folgen ist ein Prozess, der vor allem in Russland, aber auch in anderen Ländern Europas bis heute nicht abgeschlossen ist. Anlass für den heutigen Rückblick ist die Abdankung des letzten Zaren des Russischen Reiches Nikolaus II. vor genau 100 Jahren.

Der Aufstand in den Putilow-Werken in Petrograd am 8. März 1917 (22. Februar nach dem julianischen Kalender) wird allgemein als der Beginn der Russischen Revolution bezeichnet. Die Forderungen nach einer besseren Brotversorgung wurde schnell von politischen Demonstrationen begleitet, die schließlich in die Aufforderung an Zar Nikolaus  II. mündeten, mit sofortiger Wirkung abzudanken. Zunächst versuchte der Zar noch, diesen Entwicklungen entgegenzusteuern und veranlasste die Auflösung der Duma. Die Dumabgeordneten verweigerten dem Zaren jedoch den Gehorsam und im Zusammenspiel mit dem wachsenden Druck von der Straße war Nikolaus II. wenige Tage später zur Abdankung gezwungen.

Am 15. März 1917 (2. März nach dem julianischen Kalender) unterzeichnete Zar Nikolaus II. die Abdankungsurkunde zugunsten seines Bruders Michail Aleksandrowitsch. Mit der Abdankung des Zaren und der direkt darauffolgenden Thronverzicht seines Bruders Michail am nächsten Tag endete die 300-jährige Geschichte der Romanow-Dynastie.

Die Abdankungsurkunde des russischen Zaren, Nikolaus II

»In den Tagen des großen Kampfes gegen den äußeren Feind, der sich seit drei Jahren bemüht, unser Vaterland zu unterjochen, hat Gott Russland erneut eine schwere Prüfung gesandt. Die im Inneren ausgebrochenen Unruhen drohen verhängnisvolle Rückwirkungen auf den endgültigen Ausgang des erbarmungslosen Krieges zu nehmen.

Das Schicksal Russlands, die Ehre unserer heldenmütigen Armee, das Wohl des Volkes und die ganze Zukunft unseres teuren Vaterlandes fordern, dass der Krieg um jeden Preis bis zum siegreichen Ende weitergeführt wird. Der mitleidlose Feind unternimmt seine letzten Anstrengungen, und der Augenblick ist nicht mehr fern, da unser furchtloses Heer gemeinsam mit unseren glorreichen Verbündeten den Feind endgültig zu Boden werfen wird.

In diesen für das Leben Russlands entscheidenden Tagen hielten Wir es für unsere Gewissenspflicht, unserem Volk den engsten Zusammenschluss und die Organisation aller seiner Kräfte zu erleichtern, damit ein schneller Sieg verwirklicht werden kann.

Deshalb haben Wir es im Einvernehmen  mit der Staatsduma für gut befunden, der Krone des Russischen Reiches zu entsagen und die oberste Gewalt niederzulegen.

Da wir uns nicht von Unserem geliebten Sohne trennen wollen, übertragen Wir die Erbfolge auf unseren Bruder, den Großfürsten Michail Aleksandrowitsch, dem Wir bei der Besteigung des Thrones des Russischen Reiches unseren Segen erteilen. Wir geben unserem Bruder den Befehl, in voller Übereinstimmung mit den Volksvertretern in den gesetzgebenden Körperschaften die Regierung auf den Grundlagen zu führen, die von ihnen festgesetzt werden, und auf sie einen unverletzlichen Eid zu leisten.

Im Namen der heißgeliebten Heimat rufen wir alle treuen Söhne des Vaterlandes auf, ihre heilige Pflicht gegenüber diesem zu erfüllen, dem Zaren in dem schweren Augenblick nationaler Prüfungen zu gehorchen und ihm gemeinsam mit den Volksvertretern zu helfen, das Russische Reich auf den Weg des Sieges, der Wohlfahrt und des Ruhmes zu führen.

Ja, möge Gott Russland helfen.«
Nikolai

2. März, 12 Uhr, 1917 in Pskov

Für einen detaillierten Überblick mit ausführlichen Informationen zum Verlauf des Revolutionsjahres 1917 klicken Sie auf die Timeline zur Russischen Revolution. 

Ein Beitrag zur Reihe »1917-2017« über das Jubiläumsjahr der Russischen Revolution

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