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Die Hartnäckigen werden belohnt

Die gute Nachricht ist: Bald soll es aufwärts gehen. Der Handel zwischen Deutschland und Russland dürfte sich 2017 stabilisieren. So sagen es verschiedene Wirtschaftsforschungsinstitute voraus, sie lösen damit ein Aufatmen bei den deutschen Unternehmen aus. Denn seit Beginn des Ukraine-Konfliktes 2014 und der darauffolgenden Sanktionen sind die Umsätze im Russlandgeschäft massiv eingebrochen. Gerade in Hamburg, wo der Hafen und viele größere und mittelständische Unternehmen mit russischen Partnern arbeiten, haben sie das gemerkt.

In der Hansestadt unterhalten derzeit 525 Unternehmen Wirtschaftsbeziehungen zu Russland, viele davon aus der Medizintechnik, dem Versandhandel und dem Maschinenbau sowie der Gabelstaplerbranche. Die meisten exportieren in die Russische Föderation, 174 Firmen importieren Waren. »Von 2014 auf 2015 ist der Export in Hamburg um 70 Prozent zurückgegangen«, sagt Susanne Küchmeister von der Handelskammer Hamburg. Von knapp 740 Millionen Euro auf weniger als 230 Millionen Euro. Dramatische Zahlen, doch Susanne Küchmeister sagt auch: Das liegt nicht allein an den Wirtschaftssanktionen. »Russland durchlebt in den vergangenen zwei, drei Jahren aus unterschiedlichen Gründen eine Wirtschaftsrezession«, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin, die bei der Handelskammer die Märkte Russland und Osteuropa betreut. »Dazu zählt die Entwicklung der Rohstoffpreise, und damit einher geht der Verfall des Rubels.« Importe würden auf diese Weise viel teurer. Gleichzeitig sieht Susanne Küchmeister in dieser Krise auch eine Chance für Russland: Die Wirtschaft habe einen starken Anreiz, sich weiter zu diversifizieren.

Darauf hoffen auch viele Hamburger Unternehmen, die trotz der Sanktionen versuchen, mit Russland im Geschäft zu bleiben. Aber wirtschaftliche Diversifizierung ist nichts, was von heute auf morgen passiert. »Ich habe gerade mit einer Hamburger Firma gesprochen«, sagt Susanne Küchmeister. Den Namen will sie nicht verraten, aber: »Die exportieren in großem Stil Maschinen nach Russland und haben auch schon darüber nachgedacht, sich vor Ort niederzulassen.« Das Problem sei: Dort fehle es in der Branche an erstklassigen Zulieferern, sodass der Fertigungsprozess unrentabel würde. Deshalb plädiert Susanne Küchmeister für Geduld, noch einmal zehn Jahre, und dann sieht die Situation in Russland schon ganz anders aus. Dass sich schon jetzt manche Unternehmen trauen, eine Niederlassung in der Föderation aufzumachen, zeigen die Zahlen der Hamburger Handelskammer: Immerhin 69 Hanseaten unterhalten eine Auslandsvertretung, 45 haben Niederlassungen eröffnet und vier betreiben eigene Produktionsstätten.

Viele mussten seit den Sanktionen Einbußen hinnehmen, für manche war die politische Lage problematisch. Aber dass der Umsatz im Russlandgeschäft wieder etwas zulegt, zeigen die vergangenen Monate. Es bewegen sich wieder mehr Container zwischen Hamburg und Russland, im Hafen stellt sich vorsichtiger Optimismus ein. Russland ist nach China jetzt wieder Hamburgs zweitwichtigster Hafenpartner.

Vertrauen und persönliche Kontakte, sagt Susanne Küchmeister, sind maßgeblich für den Erfolg wirtschaftlicher Zusammenarbeit insbesondere mit russischen Partnern. Dass diese Kontakte durch die Einreisebeschränkungen für konkrete Personen behindert werden, kann im Einzelfall schwierig sein, möchte sie aber nicht kommentieren. Es ist die andere Ebene, die weniger politische, auf der die Wirtschaftsvertreter weiterhin im Gespräch bleiben. Es ist die Ebene, auf der Wirtschaft zur Mittlerin zwischen den Nationen wird. Delegationen aus Russland kommen regelmäßig in die Hansestadt, um sich darüber zu informieren, wie sie deutsche Firmen als Kooperationspartner oder Investoren für ihre Heimat gewinnen können. »Die russischen Partner«, sagt Susanne Küchmeister, »schauen sich jetzt sehr genau an: Welche Firmen bleiben bei uns? Welche haben ein langfristiges Interesse an unserem Land?«. Die meisten bleiben, sagt sie. Denn wer einmal raus ist aus dem Markt, etabliert sich nicht mehr so schnell. Wer jetzt loyal ausharrt, wird dafür irgendwann belohnt – diese Hoffnung geben die Unternehmer im Russlandgeschäft nicht auf.  
 

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