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Meldung

Handlungsbedarf in der MINT-Bildung

In allen Etappen der MINT-Bildung braucht es größere Anstrengungen, um mehr Kinder und Jugendliche für MINT-Fächer und Berufe zu begeistern: Die Befunde des MINT Nachwuchsbarometers 2019 machen deutlich, an welchen Stellen besonderer Handlungsbedarf in der MINT-Bildung in Deutschland besteht.

Sei es Digitalisierung, Klimawandel oder Energiewende: Bildung in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) spielt eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, Kinder und Jugendliche zur mündigen und aktiven Teilhabe an Zukunftsfragen der Gesellschaft zu befähigen. Auch lässt sich nach wie vor eine große MINT-Fachkräftelücke konstatieren, sowohl bei den Ausbildungsberufen als auch im akademischen Bereich, vor allem dem MINT-Lehramt. Das MINT Nachwuchsbarometer 2019 von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und Körber-Stiftung zeigt auf, welche Anstrengungen im Bildungssystem für eine qualitativ bessere MINT-Bildung unternommen werden müssen, um mehr junge Menschen für MINT-Themen und -Berufe zu gewinnen. 

Im Elementarbereich etwa (Kindertagesstätten, Krippen, Vorschulen) besteht der Bedarf nach intensiverer und flächendeckender Fortbildung der Betreuungskräfte, da sie in ihrer Ausbildung wenig mit naturwissenschaftlich-technischen Themen in Berührung kommen. Frühe Bildung in MINT ist umso wichtiger, da gerade Kinder aus benachteiligten Familien davon besonders profitieren. Für die Grundschule zeigt sich, dass rund ein Viertel deutscher Schülerinnen und Schüler am Ende der vierten Klasse den OECD-Standard in Mathematik deutlich unterschreitet, wodurch große Anschlussprobleme in der weiterführenden Schule zu erwarten sind. Die Leistungsstärke variiert dabei nach Bundesland, was auch auf unterschiedliche Lehrpläne zurückzuführen ist. Die Bundesländer sollten dem mit einer gemeinsamen Entwicklung von konkreten Zielen und verbindlicheren Vorgaben für MINT in den Lehrplänen entgegenwirken.

Blickt man auf die weiterführende Schule, Sekundarstufe I, erreichen etwa 30 Prozent der Achtklässlerinnen und Achtklässler in Deutschland nur die niedrigsten Kompetenzstufen. Hier gilt es anzusetzen und informatische Bildung im Unterricht stärker zu fördern.

Bei den dualen Ausbildungsberufen im MINT-Bereich gibt es aktuell mehr Bewerberinnen und Bewerber als freie Ausbildungsplätze – und dennoch steigt die Zahl der unbesetzten Stellen. Vor allem niedriger qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber finden kein Ausbildungsangebot. Ihre gezielte Qualifizierung zum Beispiel im Rahmen längerer Berufspraktika könnte zur Integration schwächer qualifizierter Jugendlicher in die Betriebe beitragen.

Lothar Dittmer, Vorsitzender des Vorstands der Körber-Stiftung, appelliert an die gemeinsame Verantwortung für gute MINT-Bildung: »Wir können eine weit größere und nachhaltigere Wirkung erzielen, wenn wir die gesamte Bildungskette in den Blick nehmen und gemeinsame Ziele definieren. Vor allem dürfen wir aber die Schulen mit der Aufgabe, eine zukunftsfähige Bildung auch für den MINT-Bereich zu entwickeln, nicht alleine lassen. Es bedarf einer Öffnung von Schulen und einer stärkeren Vernetzung mit außerschulischen Lernorten und Initiativen.«

Das MINT Nachwuchsbarometer ist ein bundesweiter Trendreport. Der Bericht versammelt und kommentiert die wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten zur Nachwuchssituation im MINT-Bereich von der frühen Bildung bis zur beruflichen Ausbildung und zum Studium. Der kompakte Überblick liefert eine empirisch fundierte Planungs- und Entscheidungshilfe für die Verantwortlichen in Bildung, Politik und Wirtschaft. Das MINT Nachwuchsbarometer wird von der Körber-Stiftung und acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften gemeinsam herausgegeben und vom IPN – Leibniz Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik erstellt.

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