X

Meldung

Meinungsmonopole gefährden Zusammenhalt

Im Abschlussgespräch des 7. Symposium The Art of Music Education thematisierten Bundestagspräsident a.D. Norbert Lammert und Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda den wachsenden Anspruch auf die Alleingültigkeit von Meinungen. Es sei eine Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Lammert zeigte sich besorgt, »dass in der vermeintlich aufgeklärtesten Gesellschaft aller Zeiten wieder zunehmend Wahrheitsansprüche reklamiert werden.« Politik habe, so Lammert, nichts mit Wahrheitsfindung zu tun, sondern mit der legitimen Wahrnehmung von Interessen, die sich eine Gesellschaft in der ganzen Bandbreite von Meinungen und Haltungen nur erlauben könne, »wenn es mindestens einen Konsens darüber gibt, wie diese Konflikte ausgetragen werden müssen. Ohne diesen Mindestkonsens erhält keine Gesellschaft ihren inneren Zusammenhalt…Die Neigung zum Fundamentalismus, die ja in einer erschreckenden Weise neue Urständ feiert, ist der Rückfall hinter die Erkenntnisse, die in der Aufklärung scheinbar ein für allemal durchgesetzt worden sind.«

Mit Blick auf die Freiheit der Kunst wiesen beide Gesprächspartner sowohl auf die Freiheit im künstlerischen Schaffen als auch auf ihre Zweckfreiheit hin: Kunst als Kit für gesellschaftliche Fehlentwicklungen zu verstehen, würde ihr eine Zweckverwendung zuschreiben, die ihrem Wesen widerspräche. Norbert Lammert forderte zudem mehr Anstrengungen in der kulturellen Bildung: »Ich mache mir um die Blüten unserer Kultur keine Sorgen - aber um die Wurzeln. Die halten wir für gegeben, und das, was da stattfindet, findet vergleichsweise wenig systematisch, wenig ambitioniert und mit deutlich geringerem Mitteleinsatz statt.«


to top