Der Stifter

Kurt A. Körber
Als erfolgreicher Industrieller übertrug Kurt A. Körber seinen unternehmerischen Gestaltungswillen auf die Gesellschaft. Als Anstifter wurde er zum Vorbild für gelebte gesellschaftliche Verantwortung. Mit seinem sicheren Gespür für drängende Themen der Zeit und seinen zupackenden Aktivitäten überzeugte er Entscheidungsträger im In- und Ausland ebenso wie alle, die sich vor Ort engagieren und für Veränderungen einsetzen. Nachfolgend einige Etappen aus dem Leben des Stifters.

Jugend und Studium
Am 7. September 1909 wird Kurt A. Körber in Berlin geboren. Bis 1923 besucht er die Elementarschule in Berlin und nach dem Umzug der Familie nach Chemnitz die dortige Real- und Höhere Handelsschule. Er interessiert sich früh für Rundfunktechnik. Als Fünfzehnjähriger macht er seine erste Erfindung, eine automatisch gesteuerte Sender-Ableseskala. Es gelingt ihm, diese Erfindung in Berlin zum Patent anzumelden. Nach einer Elektrikerlehre bei der Allgemeinen Maschinenbau-Gesellschaft in Chemnitz und einem Studium der Elektrotechnik in Mittweida wird Körber im Laufe seines Lebens über 200 weitere Patente anmelden.

Die Kriegszeit
1935 tritt Körber in die Universelle-Werke J. C. Müller & Co. in Dresden ein. Die Universelle beginnt als kriegswichtiger Betrieb auch mit der Produktion von Rüstungsgütern. Dafür werden bis zu 3000 Fremd- und Zwangsarbeiter eingesetzt. 1940 wird Körber Mitglied der NSDAP. Er sieht dies als formales Zugeständnis, mit dem er nie geistige Nähe zum Nationalsozialismus verbindet. Bis 1944 steigt Körber bei der Universelle zum Technischen Direktor auf. 1945 bleibt er unter der sowjetischen Besatzungsmacht im Amt und treibt den zivilen Wiederaufbau des Unternehmens voran.

Neuanfang in Hamburg
Kurt A. Körber startet im Juli 1946 in Hamburg mit der Reparatur von Zigarettenmaschinen und der Herstellung von Handtabakschneidern. Der östliche Teil der Hansestadt ist unzerstört geblieben, so auch Hamburg-Bergedorf. Hier mietet er erste Räume an und gründet die Hauni Maschinenfabrik Körber & Co KG. Dank der Unterstützung lokaler Politiker kann Körber ab 1952 seine Firma an der Kampchaussee (heute Kurt-A.-Körber-Chaussee) erweitern.

Ein Weltkonzern entsteht
Im Jahr 1987 werden alle Unternehmen Körbers zusammengefasst und die Hauni-Werke in die Körber AG umgewandelt. Bis 1992 entwickelt Körber sein Unternehmen zu einem international tätigen Konzern mit knapp 6.800 Beschäftigten und einem Umsatz von 1,5 Milliarden D-Mark. Heute ist die Körber AG die Holdinggesellschaft eines Technologiekonzerns mit weltweit rund 11.500 Mitarbeitern. Der Konzern vereint technologisch führende Unternehmen mit über 100 Produktions-, Service- und Vertriebsgesellschaften. Der Körber-Konzern erzielte im Geschäftsjahr 2015 einen Umsatz von 2,3 Mrd. €.

Der Unternehmer und (An)Stifter
1957 gründet Körber die Stiftung zum Wiederaufbau des Hamburger Thalia Theaters, 1959 dann die Kurt-A.-Körber-Stiftung, mit dem Ziel, eine Technische Akademie zur Ausbildung von Führungskräften für die industrielle Praxis aufzubauen. 1969 entsteht die Hauni Stiftung. 1981 werden beide Stiftungen zur Körber-Stiftung zusammengeführt. Zwischen 1959 und 1992 stellt Körber für die Förderung von Kultur und Wissenschaft über 200 Millionen Mark zur Verfügung.

Engagement und Ehrungen
Schon früh balanciert Körber zwischen unternehmerischem Gewinn und Investitionen für das Gemeinwohl. Als seine wichtigste Erfindung bezeichnet er einmal die Gründung des Bergedorfer Gesprächskreises im Jahr 1961. Dieser findet sich zunächst im Bergedorfer Schloss zusammen und diskutiert Fragen der freien industriellen Gesellschaft. Körbers erste Ehrung ist 1960 die Ernennung zum Ehrendoktor rer. pol. der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen. 1965 folgt die Diesel-Medaille in Gold des Deutschen Erfinderverbandes. 1983 erhält er von Bundespräsident Karl Carstens die Medaille für die Verdienste um das Stiftungswesen des Bundesverbandes deutscher Stiftungen. Mit seinen späten Ehrungen schließt sich für Körber der Kreis zu seinen Anfängen: 1989 wird er Ehrendoktor der Technischen Universität Dresden und 1991 verleiht ihm Bürgermeister Henning Voscherau die Ehrenbürgerschaft der Stadt Hamburg. Am 10. August 1992 stirbt Kurt A. Körber in Hamburg.

Weitere Informationen

Josef Schmid/Dirk Wegner:
Kurt A. Körber - Annäherungen an einen Stifter
edition Körber-Stiftung, 2002
Hier in drei Teilen zum Download:
Vom Techniker zum Unternehmer (PDF)
Als Kapitalist für das Gemeinwohl (PDF)
Das Engagement des Stifters (PDF)

Josef Schmid/Frank Bajohr:
Gewöhnlicher unternehmerischer Opportunismus?
Kurt A. Körber und die Dresdner »Universelle« im Nationalsozialismus
Zeitgeschichte in Hamburg, 2011
Download (PDF)

Hermann Schreiber:
Kapitalist mit Gemeinsinn. Ein Essay über Kurt A. Körber
edition Körber-Stiftung, 2009

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