Filmabend

68 Pop und Protest – Experiment! II

‚68‘ steht nahezu emblematisch für Revolte und Protest. Im Rahmen der Ausstellung »68 Pop und Protest« im Museum für Kunst und Gewerbe beleuchten internationale Kurzfilme aus Ost und West im Metropolis Kino exemplarisch, wie sehr das Medium selbst für diese Zeit steht: Mit immer handlicheren Kameras wird Filmen zur leicht verfügbaren Ausdrucksform, in der formal-ästhetische Experimente ebenso Ausdruck finden, wie gesellschaftlich-politische Entwicklungen.

Der zweite von zwei Kurzfilmabenden taucht u.a. mit Milos Forman in die Themen Jugend und Popkultur. Körperliche Selbstfindungen und (v.a.) weibliche Selbstbestimmung thematisieren Künstler der Hamburger Filmmacher Cooperative oder VALIE EXPORT. Peter Greenaway taktet sich experimentell durch die ehrwürdige Serenissima und das Hamburger Produktionsstudio cinegrafik beweist, dass Experiment und Fernsehen sich keinesfalls ausschließen. Folgende Filme werden gezeigt:

ANABELIN SAN
YU 1966, Dejan Djurkovic, 8 min.
Ein Schäfer will sich über den schlechten Kaffee beschweren, bringt seine Schafe in die Stadt zum Friseur, trifft dort seine Mutter und fährt dann mit dem Taxi zu seinem Grab. Surrealer Clash von Stadt und Land.

DU – TÉ
HU 1962, Milos Forman, 10 min.
Eine Liebeserklärung an eine Stadt und eine junge Frau. Eine Hommage an die Nouvelle Vague und Godard. Milos Forman fängt das Lebensgefühl der Jugend der 1960er in hinreißenden Bildern ein und reflektiert dabei über Schönheit und Kunst.

WARUM HAST DU MICH WACHGEKÜßT?
BRD 1967, Hellmuth Costard, 3 min.
Dramatische Meereswellen und Knallbonbonfarben – der Vorspann lässt Großes erahnen. Mit einem der Hauptprotagonisten des Anderen Kinos schauen wir durch die Kamera, sehen eine junge nackte Kamerafrau, einen ebenso nackten Herrn und verschwinden zwecks filmästhetischer Elaborationen in der Schublade.

ALASKA
BRD 1968, Dore O., 15min.
»Der schönste deutsche Film der letzten Zeit. Er übertrug auf mich ein Gefühl der Ruhe und überwand damit das Gefühl der Angst, das hinter seinen Bildern lauerte«, beschreibt Wilhelm Roth die Wirkung dieser virtuos assoziativen Bildmontage. Für die Filmkünstlerin und Mitbegründerin der Hamburger Filmmacher Cooperative Dore O. ist es ihre erste eigene Regiearbeit.

A
BRD 1967, H. Dieter Rühmann, 7 min.
Eine Metallkugel gleitet über einen Tisch, wird von Mündern verschluckt und wieder ausgespuckt. Der Hamburger Künstler H. Dieter Rühmann findet nach seinem Studium an der HfBK Hamburg für kurze Zeit zum Film und zur Hamburger Filmmacher Cooperative.

TAPP & TASTKINO
AT 1968, VALIE EXPORT, 2 min.
Unter äußerstem Einsatz ihres eigenen Körpers lässt die Künstlerin Männer für eine halbe Minute lang in eine Kiste greifen, die sie sich vor die Brust geschnallt hat. »Die Vorführung findet wie stets im Dunkeln statt. Nur ist der Kinosaal etwas kleiner geworden.« (VALIE EXPORT) Und der eigentliche Voyeur wird zum Objekt unserer Betrachtung über männliche Kinophantasien.

PERMANENT WAVE
USA 1966, Anita Thacher, 3 min.
Eine Dekonstruktion des männlichen Blicks, basierend auf Material, das sie dem privaten Filmarchiv ihres Vaters entnommen hat. Aufnahmen aus Pornofilmen werden abgefilmt, verfremdet und deren ‚Erotik‘ unterlaufen. Die Multimediakünstlerin hinterfragt den männlichen Blick und dessen Vorstellung von weiblicher Lust.

INTERVALLE – INTERVALS
UK 1969, Peter Greenaway, 7 min.
Basierend auf der Zahl 13 als harmonischem Grundprinzip zergliedert Greenaway - inspiriert von Vivaldis Strukturmodell der Vier Jahreszeiten - jegliche Narration in Tönen und Bildern der Stadt Venedig.

Arbeiten für das Fernsehen aus dem Studio cinegrafik
NDR-FILMCLUB / TRAILER EINFÜHRUNG, 3. PROGRAMME ETC.
BRD 1964-, Helmut Herbst, ca. 4 min.
Mit seinem Animationsfilmstudio cinegrafik suchten Helmut Herbst und seine Mitstreiter*innen über Jahre die ästhetischen Sehgewohnheiten der bundesrepublikanischen Fernsehnation zu revolutionieren. So gehört der Trailer zum NDR-Filmclub bis heute zu den stilprägenden Beispielen dieser Zeit.

SCHWARZ-WEIß-ROT
BRD 1963/64, Helmut Herbst, 6 min.
Ein Frontalangriff auf die Kontinuitäten deutscher Geschichte und die medialen Praktiken der „BILD“-Zeitung. Die mit präziser und scharfer Klinge geführte filmische Polemik wurde 1964 als bester deutscher Kurzfilm auf den Westdeutschen Kurzfilmtagen in Oberhausen ausgezeichnet, aber auch angefeindet als »wüst«, »unausgegoren« und »verzerrend«.

Die Abende werden kuratiert von Anja Ellenberger (Kunst- & Filmhistorikerin). Das Programm entstand in Zusammenarbeit mit der Körber-Stiftung, der Kurzfilmagentur Hamburg und dem Metropolis Kino.

Tickets können online auf der Webseite des Metropolis Kino oder an der Abendkasse gekauft werden.
Mehr Informationen unter www.metropoliskino.de

Foto: privat

Informationen

Dienstag, 13.11.2018 | 19.00 Uhr
Kommunales Kino Metropolis
Kleine Theaterstr. 10
20354 Hamburg
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg